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Preis-Rätsel

Wer ein Auto mieten will, kann im Internet ohne großen Aufwand die Konditionen der verschiedenen Anbieter vergleichen. Der Durchblick bleibt einem trotzdem verwehrt.





• Ob Reise zur Schwiegermutter oder dienstlicher Termin: Wer ein Auto braucht, aber keines hat, mietet eben. Aber bei wem? Die großen Anbieter haben die neuesten Modelle der großen Marken im Programm. Die Qualität der Fahrzeuge kann daher nicht das Auswahlkriterium sein. Auch was den Standort und den Service angeht, gibt es auf den ersten Blick keine augenscheinlichen Differenzen.

Für die Kunden, da sind sich die Experten einig, zählt in erster Linie der Preis. Sie hätten „ein verstärktes Interesse an günstigen Mietkonditionen“, sagt Klaus Tusche, der bei Avis als Commercial Director für Deutschland, Schweiz, Österreich und Tschechien verantwortlich ist.

Oliver Roll, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Internationales Management an der Hochschule Osnabrück, schränkt das etwas ein: „Wenn Kunden privat mieten und keine besonderen Wünsche oder bisherige Erfahrungen mit einzelnen Marken haben“, sagt er, „achten sie vor allem auf den Preis.“ Das liege daran, dass man heute dank Internet die Mietkonditionen viel einfacher als früher vergleichen kann. Zugleich werben die Autovermieter verstärkt mit ihren angeblich besonders günstigen Angeboten.

Wie ergiebig ist der Preisvergleich? Wer ist der günstigste Anbieter? Wie groß sind die Unterschiede? Wir machen den Test, reservieren Autos bei den vier größten Autovermietern Avis, Europcar, Hertz und Sixt. Unsere Kriterien:

• billigstes Modell mit vier Türen

• Navigationsgerät, Kindersitz, zweiter Fahrer

• Vollkasko-Versicherung mit null Euro Selbstbeteiligung

•sofortige Onlinezahlung

• Abholung: Flughafen Hamburg Rückgabe: Flughafen München

• Zeitraum: vier Tage, 1. bis 4. Mai

Das erste Ergebnis nach Eingabe des Mietzeitraums und der Wahl des Automodells: Die Preisunterschiede sind beträchtlich (siehe Tabelle), fast 65 Euro liegen zwischen dem billigsten und dem teuersten Angebot.

Schnell wird klar, dass es nur die Basispreise sind. Ob Navigationsgerät, Kindersitz, Anmeldung eines zweiten Fahrers oder Versicherung ohne Selbstbeteiligung – alles Extras, die Geld kosten. Und zwar nicht wenig: Das Navigationsgerät etwa kostete je nach Anbieter zwischen 29 und 71 Euro; der zweite Fahrer schlug mal mit 29 und mal mit 43 Euro zu Buche; der Preis für eine Versicherung ohne Selbstbeteiligung lag zwischen 78 und 100 Euro.

Das zeigt: Die Preise, die sowohl auf den Websites der Anbieter als auch auf Vergleichsportalen dem Kunden als Erstes ins Auge springen, unterscheiden sich deutlich von dem, was er am Ende zahlen muss. In unserem Fall betrug die geringste Differenz zwischen Basis- und Endpreis 186,80 Euro, die größte 274,72 Euro.

Im Laufe der Buchung verändert sich die Endsumme durch die nach und nach bestellten Extras. Von der Transparenz, die die Vergleichsportale und Websites der einzelnen Anbieter suggerieren, bleibt dadurch nicht mehr viel übrig. „Je weiter der Kunde im Buchungsprozess kommt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er die Preise mit denen der Konkurrenz vergleicht“, sagt Gunnar Clausen, Partner bei der Strategieberatung Simon Kucher & Partners.

AvisEuropcarHertzSixt
ModellSeat Leon o. Ä.VW Polo o. Ä.Opel Astra o. Ä.Ford Focus o. Ä.
Basispreis256,63 Euro224,11 Euro288,68237,88 Euro
Endpreis456,71 Euro424,12 Euro563,40424,868 Euro
Kosten für Extras
Navigationsgerät39,04 Euro29,27 Euro71,35 Euro29,12 Euro
zusätzlicher Fahrer29,28 Euro34,14 Euro42,80 Euro29,08 Euro
Kindersitz48,80 Euro48,78 Euro60,65 Euro50,92 Euro
Reduzierung des Selbstbehalts82,96 Euro87,81 Euro99,92 Euro77,68 Euro
weitere Gebühren
Einweggebühr25 Euro17 Euro(nicht klar ausgewiesen)15 Euro
Standortzuschlag22 Prozent22 Prozent(nicht klar ausgewiesen)21,5 Prozent

Selbst wer vor der Buchung noch einmal die endgültigen Angebote aller Vermieter vergleicht, ist vor bösen Überraschungen nicht gefeit. Im vermeintlichen Endpreis des Autovermieters Avis beispielsweise sind die Kosten für den Ausschluss der Selbstbeteiligung nicht enthalten. Die kommen bei Abholung des Wagens noch drauf – pro Tag mindestens 17 Euro, abhängig vom Modell.

Bei Hertz fehlen nicht nur die zusätzlichen Versicherungskosten, sondern auch die für einen zweiten Fahrer. „Zusätzliche Gebühren (nicht in der Rate enthalten)“ steht auf der Website. Wer das überliest, wird sich später wundern.

Warum die Anbieter so vorgehen, dafür hat der Marketing-Professor Roll eine einfache Erklärung: „Unternehmen machen Sachen, die funktionieren.“ Soll in diesem Fall heißen: Wenn sich der Kunde bei seiner Entscheidung allein vom Preis leiten lässt, ist es nicht verwunderlich, dass die Unternehmen sich allerhand einfallen lassen, um sich als billigster Anbieter positionieren zu können.

Ein Gesamtpaket zu einem klar kommunizierten Fixpreis anzubieten würde zwar den Kunden vor bösen Überraschungen bewahren. Dem Unternehmen aber wäre damit nicht gedient. Das legt zumindest eine Marktstudie von Europcar nahe. Demnach lassen sich die meisten Kunden vom billigsten Angebot überzeugen, ohne darauf zu achten, welche Zusatzkosten noch dazukommen.

Schwer zu durchschauende Angebote sind die Folge: „Anbieter entbündeln ihre Produkte, um im Ranking möglichst attraktiv dazustehen und mit den Extras Geld zu verdienen“, sagt der Strategieberater Clausen. In unserem Test klaffen die Preise am Ende weit auseinander: Rund 140 Euro liegen zwischen dem billigsten und dem teuersten Angebot. Sixt und Europcar schneiden am besten ab. Verblüffenderweise liegen zwischen den Endangeboten der beiden Unternehmen nur wenige Cent.

Das heißt jedoch keineswegs, dass das immer so ist. Die Preise der Anbieter ändern sich ständig – die dafür verantwortlichen Faktoren sind für die Kunden nicht zu durchschauen.

Glaubt man dem Marketing-Professor Roll, wollen das die meisten auch nicht. „Kunden handeln nur begrenzt rational“, erklärt er. „Haben sie einmal gelernt, dass sie bei einem Unternehmen günstige Angebote bekommen, buchen sie dort beruhigter und können auch damit leben, wenn es am Ende doch geringfügig teurer ist.“

Der Kunde, heißt das, achtet bei Mietwagen zwar vor allem auf den Preis – wie hoch der am Ende ist, interessiert ihn aber gar nicht so genau. ---