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Paraguayischer Guaraní

… ist aus Plastik.





• Dass Geld kostbar ist, weiß Gustavo Marquez von Berufs wegen. „Es liegt vielleicht an der Erziehung“, sagt er. „Ich zerknittere die Scheine nicht und stecke sie nie in die Hosentasche.“ Bei ihm rührt der sorgfältige Umgang mit Geld daher, dass er weiß, wie mühsam es ist, welches zu beschaffen.

Marquez ist Schatzmeister der Zentralbank von Paraguay, einem Land, etwa so groß wie Deutschland und die Schweiz zusammen, in dem 6,7 Millionen Menschen leben. Die Landeswährung heißt Guaraní. Der größte Schein ist die 100 000-Guaraní-Note, umgerechnet rund 16,30 Euro.

Wegen des geringen Wertes der Scheine sind immer viele im Umlauf. Es ist daher wichtig, dass die Noten lange halten. Daher lässt Paraguay den 2000- und 5000-Guaraní-Schein nicht mehr auf Papier drucken, sondern auf Polymer. Ein wundersamer Stoff: Wenn man den Schein zerknittert, entfaltet er sich wieder von selbst, zudem ist er wasserabweisend.

Erfunden wurde das Plastikgeld in Australien. In den Sechzigerjahren tauchten dort viele gefälschte Noten auf. Der Premierminister persönlich ordnete an, das Geld sicherer zu machen. 20 Jahre lang suchten staatliche Experten nach einer Substanz, die als Zahlungsmittel verwendet werden kann und bedruckbar ist. 1988 brachten sie die erste Zehn-Dollar-Note aus Polymer in Umlauf. Für Fälschungssicherheit soll ein kleines Fenster sorgen: Wird der Schein fotokopiert, verfärbt es sich weiß.

Inzwischen hat sich viel getan. 23 Länder haben Polymer-Banknoten eingeführt. Und der einst staatliche australische Hersteller Innovia Security ist privatisiert. „Wir sind ein kleiner Teil der Branche“, sagt der Direktor Philippe Etienne. „Zentralbanken sind konservativ, Veränderungen geschehen langsam.“ Die Firma stellt keine Noten her, nur den Plastikfilm, auf den sich mit jeder Gelddruckmaschine die Muster auftragen lassen.

„Unsere Scheine sind fälschungssicherer, sie sind hygienischer, und sie halten viermal so lange wie Papier“, bewirbt Etienne sein Produkt. Doch dafür ist es auch teurer. Im Dezember 2012 kosteten 20 Millionen 5000-Guaraní-Scheine Paraguay 2,6 Millionen US-Dollar – der Wert der Scheine beträgt 22,64 Millionen US-Dollar. Das teure Geld bereitet dem Schatzmeister Marquéz zudem Kopfzerbrechen. „Unsere Zählmaschinen sind alt, die Scheine bleiben oft stecken.“ Hinzukäme, dass seine Landsleute achtlos mit dem Geld umgingen. „Sie zerknittern es, weil sie denken, es sei ein stabiles Material. Das macht mich verrückt.“

Zumindest Letzteres droht beim neuen Abnehmer der Noten wohl nicht. Im Herbst 2016 wird die Bank of England Abschied vom Papier nehmen. Für die Fünf-Pfund-Noten hat sie bei Innovia schon den Polymer-Film bestellt. Und weil die Briten an ihrem Pfund hängen, hat die Bank drei Monate lang in Einkaufszentren das neue Geld beworben. Dabei wurden die Briten auch gefragt, was sie von der neuen Idee halten. 87 Prozent gaben an, die Umstellung zu billigen. Die Chancen, dass sie sie dann sorgfältig behandeln werden, stehen gut. ---