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Marshall Gitarrenverstärker

Marshall-Gitarrenverstärker haben Rock-Geschichte geschrieben - das Unternehmen spinnt sie clever fort.




- Es ist nicht leicht, Uwe Halbe zu erreichen, denn der 46-jährige Marshall-Produktmanager ist nebenbei auch für Kundenanfragen zuständig. Wenn jemand zum Hörer greift, weil er mit der Technik Probleme hat, meldet sich bei der Musik Meyer GmbH in Marburg, die die Marke hierzulande führt, muckerszenenadäquat "der Uwe". Es kommt auch vor, dass Halbe grundsätzlich werden muss. So beschwerte sich ein Kunde darüber, dass seine E-Gitarre "so verzerrt" klinge. Er hatte sie, wie sich herausstellte, am Overdrive-Eingang des Amplifiers (Verstärkers) angeschlossen - der eigens für Übersteuerungseffekte vorgesehen ist.

Dreckig, rau, laut: So soll er sein, der Marshall-Sound. So wollten Pete Townshend, Eric Clapton, Jimi Hendrix und all die anderen großen Gitarreros klingen. In ihrem Auftrag hatten Jim Marshall und sein Mitstreiter Ken Bran 1962 ihren ersten Verstärker entwickelt. Die Kundschaft war angetan und machte im Gegenzug die "akustische Artillerie" ("New York Times") - Wände aus Verstärkern und Lautsprecherboxen auf den Konzertbühnen mit dem unübersehbaren Marshall-Schriftzug - weltberühmt. Von solch coolen Markenbotschaftern können andere Firmen nur träumen. Die Briten mit Fabrik in Bletchley, 70 Kilometer nordwestlich von London gelegen, pflegen ihren Rocker-Mythos liebevoll und bauen ihr Geschäft konsequent darauf auf.

Mittlerweile macht das Unternehmen den Löwenanteil des Umsatzes mit erschwinglichem Equipment für Garagenbands und Hobbygitarristen. Einsteigermodelle sind für wenig Geld zu haben. Halbe, der seit 16 Jahren für die Marke zuständig ist, sagt, dass der Absatz stetig gewachsen sei, und fragt scherzhaft: "Wo bleibt all das Zeug nur?"

Ein kleiner, feiner Teil der Produktion aus Bletchley landet bei Sammlern wie Siegbert Merker, der im niedersächsischen Reckershausen in einer Scheune ein privates "Marshall Amp Museum" eingerichtet hat. Rare historische Stücke wie der 1974x werden heute hoch gehandelt und zuweilen auch gefälscht. Nicht zu reden von jenen Marshalls mit starken Gebrauchsspuren, die Pete Townshend von The Who mit seiner Gitarre und roher Gewalt immer wieder demolierte. Auch der Kundenkreis der Kenner und Könner wird von den Briten bedient; für Leute, die sich den Spaß leisten wollen, hat man handverdrahtete Nachbauten historischer Röhrenverstärker im Programm.

Halbe betont, dass man - ganz in der Tradition des Gründers, der den Penny zu ehren wusste - keine Produkte gratis zu Reklamezwecken an Bands abgebe. "Wer einen Marshall-Amp haben will, soll ihn sich kaufen." Andererseits sei aber natürlich jeder Verstärker aus dem eigenen Hause, "der irgendwo auf der Bühne steht und gut klingt, Werbung für die Marke". Besonders freut ihn, dass neben der Kernzielgruppe der Rock- und Bluesgitarristen auch modernere Bands wie etwa die Söhne Mannheims auf Marshall-Equipment stehen. Grundsätzlich aber schwimmt die Firma prima mit auf der großen Nostalgiewelle. "Der Trend", so Halbe, "geht eindeutig hin zum Retro-Sound." -

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Jim Marshall hat ein Händchen für Musik, Technik und das Business. Das Startkapital für seinen Musikalienladen, den er 1960 eröffnet, verdient er sich mit Schlagzeugunterricht unter anderem für Mitch Mitchell, der später bei der Jimi Hendrix Experience trommeln wird. Marshalls Geschäft läuft sofort. Musiker wie Pete Townshend animieren ihn, einen Gitarrenverstärker zu entwickeln, weil ihnen alles, was damals auf dem Markt ist, zu leise, sauber und zahm klingt. Der später als "Father of Loud" verehrte Tüftler löst das Problem und wird dank Gitarrengöttern wie Jimi Hendrix in wenigen Jahren zum weltweit führenden Hersteller. Er setzt auf Qualität Made in England, erweitert ständig das Sortiment und erobert den Markt für Amateurmusiker. Queen Elizabeth II. verleiht ihm gleich zweimal den Export Award. Erst sehr spät entschließt sich Marshall, auch Halbleiter in seinen Verstärkern zu verbauen. Das erste Modell kommt im Januar 2010 auf den Markt. Zu dieser Zeit ist der Workaholic bereits schwer krank. Marshall stirbt im April 2012. Seine Marke gilt ebenso wie die Giganten des Rock längst als unsterblich. Marshall Amplification plc Mitarbeiter: 162; Umsatz 2011: etwa 26 Millionen Euro; Gewinn: knapp 995 000 Euro