Nikolaus Franke im Interview
Neu ist gut
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 01/2013.
brand eins: Herr Franke, täuscht der Eindruck, dass der Begriff Innovation ausschließlich positiv besetzt ist?
Nikolaus Franke: Das ist er in der Tat. In gewisser Weise ist das erstaunlich.
Warum?
Weil der Begriff Innovation als solcher neutral ist. Er sagt nur aus, dass Neues erfunden und verwendet wird. Dieses Neue kann gut oder schlecht sein. Man kann Impfstoffe gegen Krankheiten entwickeln oder neue Foltertechniken. All das sind Innovationen. Aber an negative Innovationen denken wir spontan nicht, wenn wir das Wort hören.
Wie erklären Sie sich das?
Der Mensch ist ein neugieriges Wesen. Wir sind interessiert an Dingen, die wir nicht kennen. Etwas Neues zu kreieren verschafft uns tiefe Befriedigung. Entwicklungsgeschichtlich hat der Mensch seine Position weder durch Muskelkraft noch durch besonders entwickelte Sinnesorgane erreicht. Unser Wettbewerbsvorteil war und ist kreative Intelligenz. Und angetrieben wird sie durch das Motiv der Neugier.
Wir halten also Innovationen per se für gut, weil sie neu sind und unsere Neugier anregen? Ist das nicht zu einfach?
Moment, Moment. Wir müssen uns zusätzlich klarmachen, was Innovation über den reinen Begriff hinaus heißt: Innovationen sind neue Lösungsvorschläge für menschliche Probleme. Irgendjemand findet, dass irgendetwas nicht so gut oder so schnell funktioniert, wie es könnte, oder nicht so gesund oder praktisch ist, wie es sein sollte, und entwickelt etwas Neues. Unsere Neugier treibt uns auch dazu, diese Innovation auszuprobieren. Durchsetzen wird sie sich normalerweise dann, wenn sie wirklich einen Nutzen bringt. Marktwirtschaften basieren ja auf dem Prinzip des freiwilligen Tauschs. Vereinfacht gesagt, machen neue Produkte und Dienstleistungen also unser Leben besser. Der Begriff der Innovation lädt sich dadurch immer wieder positiv auf.
Wir freuen uns, dass Ihnen dieser Artikel gefällt.
Er ist Teil unserer Ausgabe Neugier