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Werbetafel am Piccadilly Circus

Welche Länder erleben gerade einen Aufschwung? Welche einen Abschwung? Die Werbetafel am Piccadilly Circus gibt darüber seit mehr als hundert Jahren Auskunft.




• Die Immobilie wird zum ersten Mal in einem Gerichtsbeschluss erwähnt. Am 20. September 1614 wies das Westminster Court of Burgesses einen Hugh Parsons an, kein Bier und keinen Tabak mehr in einem Haus zu verkaufen, "das in der Nähe eines Ortes liegt, der Pickadilly Hall genannt wird". Dort ließ Robert Baker Hemdkragen schneidern (Piccadills). Das Grundstück hatte er wenige Jahre zuvor für 50 Pfund gekauft.

Fast 400 Jahre später ist der Piccadilly Circus das Zentrum der Weltmetropole London – noch immer dreht sich dort alles ums Verkaufen. Und seit mehr als hundert Jahren sind die Werbeflächen an dem Platz ein Gradmesser der Globalisierung. An ihnen lassen sich die Kräfteverschiebungen der Weltwirtschaft ablesen.

Der erste Mieter einer Leuchtfläche war 1908 die französische Wassermarke Perrier. Mit Guinness, Bovril und Schweppes folgten weitere europäische Getränkehersteller.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselten die Mieter, es begann das amerikanische Jahrhundert. Seit 1955 ist Coca-Cola mit einem 32 mal 6,60 Meter großen Schriftzug vertreten. In den Siebzigerjahren begann der Aufstieg Japans, und es erstrahlten die Namen von Canon, Fuji und TDK auf der Tafel. 1978 kam Sanyo dazu.

Im vergangenen Jahr dann eine weitere Wachablösung: Sanyo wurde durch die südkoreanische Marke Hyundai ersetzt. Zum ersten Mal demonstriert ein einstiges Schwellenland seine Stärke.

Für den Besitzer der Immobilie am Piccadilly Circus ist das hochprofitabel: Fünf Millionen Pfund jährlich soll sich Hyundai den Stolz kosten lassen. Die Leuchtreklame glänzt beständig. Abgeschaltet wurden die Piccadilly Lights nur viermal: zur Beerdigung von Winston Churchill 1965 und von Princess Diana 1997, zur Lights-Out-Kampagne 2007 und zum Welt-Tag der Erde der Umweltorganisation WWF 2012.