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Geniale Außenseiter

Drei Menschen, die die Welt verblüffen.




Robert Evans, der Sternenjäger

Was er gelernt hat:

Evans studierte Philosophie und Neuere Geschichte und ließ sich zum Pfarrer ausbilden. Der 75-jährige Australier hat mehr als 30 Jahre für die methodistische Vereinigungskirche gearbeitet und sich als Autor religiöser Bücher einen Namen gemacht.

Was er sonst noch draufhat:

Der Geistliche sucht nach explodierenden Sternen (Supernovae) und hält den Weltrekord im Auffinden dieser Himmelskörper. Evans kennt die Sternbilder Hunderter Galaxien und registriert sofort, wenn im Nachthimmel für kurze Zeit ein neuer Lichtpunkt auftaucht. Das ist ungefähr so, als ob man bemerkte, wenn jemand auf einen schwarzen Tisch voller Salzkörner ein weiteres dazulegte.

Mit seinem Hobby-Teleskop hat Evans mittlerweile 42 Supernovae beobachtet. In einer Stunde kann er mehr als 50 Galaxien absuchen. Er war damit für lange Zeit einer der schnellsten Sucher der Welt. Für seine Arbeit erhielt er die australische Ehrenauszeichnung "Order of Australia" und wurde mit dem angesehenen "Amateur Achievement Award" ausgezeichnet. Evans ist Ehrenmitglied in der "Royal Astronomical Society of Canada".

Wie es dazu kam:

Schuld ist Evans Vater. Der zeigte seinem kleinen Sohn eines Nachts den Merkur, der gerade auf Sydney herableuchtete. Das erste Teleskop bastelte ihm sein Bruder aus Brillengläsern, Papphülsen und dem Okular eines Mikroskops. Fortan verbrachte der junge Evans Dutzende Nächte auf dem Flachdach seiner Eltern, tagsüber las er Bücher über Astronomie.

Als er sich als Pfarrer ein 10-Zoll-Teleskop leisten konnte und er professionelle Astronomen nach Himmelskarten fragte, hielten diese ihn für verrückt. Es dauerte weitere zwölf Jahre, bis Evans 1981 seine erste Supernova entdeckte und langsam Anerkennung fand. "Das Licht wandert Jahrmillionen lang durch den Weltraum, und gerade in dem Augenblick, wenn es auf der Erde eintrifft, richtet jemand den Blick auf das richtige Stückchen Himmel und sieht es", erklärt Evans seine Motivation. "Irgendwie ist es doch richtig, dass jemand Zeuge eines derart gewaltigen Ereignisses wird."

Hedy Lamarr, die geniale Diva

Was sie gelernt hat:

Die Schauspielerin Lamarr wurde 1933 in dem tschechischen Film "Ekstase" für die erste Nacktszene der Kinogeschichte berühmt. Die damals 19-jährige Österreicherin wurde über Nacht zum Sexsymbol.

1937 emigrierte die Jüdin Lamarr nach Hollywood und änderte ihren Geburtsnamen Hedwig Eva Maria Kiesler in Hedy Lamarr, sie sollte in den prüden USA nicht mit "Ekstase" in Verbindung gebracht werden. Auch in Hollywood wurde sie zum Star. Nach mehr als zwei Dutzend Filmproduktionen und sechs gescheiterten Ehen zog sich Lamarr immer weiter aus dem öffentlichen Leben zurück.

Was sie sonst noch draufhatte:

Im Jahre 1940 entwickelte Lamarr gemeinsam mit dem US-amerikanischen Avantgarde-Komponisten George Antheil eine Technik, die noch heute in abgeleiteter Form in Mobiltelefonen und Computern steckt: das sogenannte Frequenzsprungverfahren. Das US-Patent von Hedy Lamarr trägt die Nummer 2,292,389. Der Ruhm für die Erfindung kam jedoch spät. Erst 1997, als Lamarr bereits einsam in Florida lebte, verlieh ihr die Electronic Frontier Foundation (EFF) den EFF Pioneer Award und kürte ihren Geburtstag am 9. November zum Tag der Erfinder.

Wie es dazu kam:

Lamarr überlegte, wie sie die USA im Zweiten Weltkrieg unterstützen könnte. Nachdem sie in Hollywood George Antheil kennengelernt hatte, kamen sie gemeinsam auf die Idee, eine Technik zu entwickeln, mit der Torpedos von U-Booten störungsfrei ihr Ziel finden.

Antheil hatte in den Zwanzigerjahren versucht, 16 mechanische Klaviere mit auf Walzen geführten Lochkarten zu synchronisieren, ähnlich dem Prinzip einer Minidreh-Orgel, die immer dieselben Töne erzeugt. Dieses Verfahren wollten Lamarr und er auf die Lenkwaffen übertragen.

Nachdem die beiden dem amerikanischen Dachverband der Erfinder ihre Idee vorgelegt hatten, dauerte es nicht mehr lange, bis sie am 11. August 1942 ihr Patent für ein "geheimes Kommunikationssystem" in den Händen hielten. Das amerikanische Militär jedoch konnte zunächst nichts mit der Erfindung anfangen und ließ das Patent in der Schublade verschwinden. Erst 20 Jahre später, während der Kuba-Krise, machte ein weiterentwickeltes Verfahren die Schiffe der US-Marine abhörsicher.

Manfred Clynes, der Ur-Cyborg

Was er gelernt hat:

Der Pianist Clynes war 27 Jahre alt, als er 1953 einen Brief von Albert Einstein erhielt. "Ich bin Ihnen wirklich dankbar für den großen Genuss, den mir Ihr Klavierspiel bereitete", schrieb der deutsche Nobelpreisträger darin seinem Freund. Zu diesem Zeitpunkt war der gebürtige Wiener Clynes bereits mit seiner Familie nach Australien ausgewandert, hatte dort Maschinenbau, Mathematik und Musik studiert und sich trotz seiner Faszination für die Technik zunächst für eine Pianisten-Karriere entschieden.

Was er sonst noch draufhat:

Clynes hat den Begriff Cyborg erfunden. Mitte der Fünfzigerjahre hatte er sich den Wissenschaften zugewandt. Im Jahr 1960 präsentierte er an der Fakultät für Raumfahrtmedizin der US-amerikanischen Luftwaffe gemeinsam mit seinem Kollegen Nathan Kline ein seltsames Versuchsobjekt: eine weiße Laborratte. Sie hatte keinen Schwanz, sondern zog eine Infusionspumpe hinter sich her. Die Apparatur fütterte das Tier mit Nährstoffen und versorgte es bei Bedarf mit Schlafmitteln. Mitten im Raumfahrtzeitalter wollten Clynes und Kline mit ihrer Cyber-Ratte beweisen, dass die Zukunft den Maschinenmenschen gehört. In einem Fachartikel für das "Astronautics"-Magazin hatten sie ein paar Monate später auch den passenden Namen für die Mensch-Maschine parat: Cyborg.

Wie es dazu kam:

Bereits in seiner Schulzeit hatte sich Clynes als Erfinder versucht, aber erst nach den Jahren als Musiker heuerte er im Forschungslabor des Rockland State Hospital in New York an. Dort bastelte er aus ein paar Transistoren und einem Kassettenrekorder den ersten sogenannten CAT-Computer zusammen, mit dem sich Hirnströme messen lassen. Die Verbindung von Technik, Biologie und Raumfahrt faszinierte Clynes. Der Wissenschaftler war überzeugt, erst als Cyborg im Weltall habe der Mensch die Freiheit, "kreativ zu sein, zu denken und zu fühlen".