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Wie eine Duschkabine auf Schienen

Ein Stuttgarter Unternehmer hat sich mit viel Aufwand einen ungewöhnlichen Wunsch erfüllt. Und mit etwas Glück kann sein Outdoorlift sogar als Geschäftsidee funktionieren.




- Vom Parkplatz am Hang im Stuttgarter Süden bis zur Haustür sind es gerade einmal 180 Meter, nur ein Katzensprung. Wer sich hier eine Immobilie leistet, der geht zu Fuß und meidet das Extravagante - wir sind schließlich in Schwaben. Er gibt eine stabile und zugleich gefällige Treppe in Auftrag. Nicht so Gat Ramon. Der wünschte sich einen Lift durch seinen Garten.

Diese Entscheidung liegt nun sieben Jahre zurück. Und schon damals wusste der Neu-Stuttgarter, dass die gängigen Modelle für ihn nicht infrage kamen. Sie erschienen ihm zu massiv, hässlich und unflexibel. Heute gleitet sein Lift auf Schienen dahin und erinnert eher an eine schwebende Duschkabine als an Seilbahnen oder Aufzüge, wie man sie aus Skigebieten kennt.

"Das Ganze war ein Spiel", berichtet Ramon. "Als wir angefangen haben, den Lift zu bauen, wussten wir nicht, was am Ende herauskommen würde." Es wurde ein teures Experiment. In den sieben Jahren, in denen er und sein Techniker Frank Scholz jeden freien Abend und jedes Wochenende dafür nutzten, um ihre Idee zu verwirklichen, in denen sie so lange schraubten und sich immer wieder neu besannen, bis der Lift endlich Fahrt aufnehmen konnte, liefen Kosten von einer halben Million Euro auf. Gut möglich, dass sich die Investition trotzdem einmal bezahlt macht: Ramon hat mit der Firma L-Tec in der Schweiz einen Partner für den Vertrieb gefunden.

Ursprünglich hatte der 57-Jährige Tierarzt werden wollen. Mit 22 Jahren verließ er sein Geburtsland Israel, um in der Schweiz zu studieren, sattelte schließlich aber um, als ihm das Geld ausging. "Ich war nie Angestellter", sagt er im Rückblick. Er gründete und betrieb etliche Unternehmen und blieb dabei einer Branche treu: "Alle Firmen hatten etwas mit Verpackungen zu tun."

Gat Ramon und Frank Scholz könnten als Partner nicht unterschiedlicher sein. Scholz ist ein stiller, in sich gekehrter Mann, der lange nachdenkt, bevor er etwas sagt. Geboren und aufgewachsen ist er in Weira, einer 400-Seelen-Gemeinde in Thüringen, die für ihn Heimat und Rückzugsort zugleich ist. Für Ramons Firma Cabka, die auf die Herstellung von Kunststoffpaletten spezialisiert ist, entwickelt und modifiziert er Maschinen, meist in seiner Heimwerkstatt.

Gat Ramon dagegen, der mit Frau und drei Kindern fünf Jahre lang in den USA gelebt hat, ist ein weltläufiger Typ und neigt zur Ungeduld, als könne er es nicht abwarten, seine Ideen unter die Leute zu bringen. Er habe sich die kindliche Neugier bewahrt, sagt er, und akzeptiere keine Grenzen. Der Unternehmer erzählt schnell und viel, mit einem unüberhörbaren Schweizer Tonfall. Frank Scholz, der zurückhaltende Techniker, hört lieber zu und versucht, all die Ideen technisch umzusetzen.

An einem sonnigen Herbstnachmittag unternimmt das Duo wieder gemeinsam eine Testfahrt mit dem Prototyp durch den Garten. Oben am Parkplatz drückt Scholz den Knopf - von unten am Haus setzt sich die Kabine in Bewegung. Genau wie in einem Hochhausaufzug lassen sich auch im Outdoorlift verschiedene Haltepunkte festlegen, an denen Mitfahrer ein- oder aussteigen können. Die Schienen sind unauffällig am Rand des Gartens verlegt, wie es der Bauherr gewünscht hat, der sich den "Blick ins Paradies" nicht verschandeln lassen wollte.

Bis zur Endstation Haustür dauert die Fahrt drei Minuten, womit der Aufzug schneller ist als herkömmliche Plattformlifte für Rollstuhlfahrer. Bis zu vier Personen finden Platz. Trotz Hanglage besteht niemals Sturzgefahr: Die Kabine bleibt waagerecht, unabhängig von der Neigung des Untergrunds. Neu ist der von Scholz entwickelte Antrieb, mit dem der Lift Kurven in einem Radius von bis zu zehn Metern nehmen kann. Am Hauseingang angekommen, zählen beide auf, was an Komfort alles möglich ist: Sitzbänke, eine Klimaanlage, sogar ein Fernsehgerät.

Den Lift haben sie zum ersten Mal im September 2009 auf einer Messe präsentiert. "Davor habe ich fast kalte Füße bekommen", erzählt Ramon. "Ich dachte, die lachen mich aus." Aber er stellte sich den Fachbesuchern - und niemand hat gelacht. Mit der neuen Technik des Liftes erregte er vielmehr die Aufmerksamkeit der Konkurrenz.

Ramon und Scholz sind sich sicher, mit ihrem Lift eine Nische gefunden zu haben. Für wohlhabende Hausbesitzer auf Hanggrundstücken oder Hotelbetreiber an Steilküsten sei der Lift als Investition interessant. Kein Baum müsse dafür gefällt werden; der Aufzug sei jedem Gelände anzupassen und bewältige auch Kurven. Die anspruchsvolle Kundschaft könne sich auf Qualität und Service verlassen. "Wir stellen den Lift ausschließlich in Deutschland und in der Schweiz her", sagt Ramon. Seine Entwicklung sei ein Luxusprodukt. Das müsse perfekt sein, und Perfektion habe ihren Preis: ab 300 000 Euro, in der Standardausstattung. Ein Hotelbetreiber auf den Seychellen hat inzwischen das erste Exemplar bestellt. -

Kontakt:
L-Tec Swiss AG
Bühlstr. 15
CH-8200 Schaffhausen
www.ltec-outdoorlift.com