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Wenn ich einmal reich wär' ...

Wer träumt nicht davon? Irgendwann von allen Geldsorgen befreit zu sein, alles tun zu können, auch das Richtige? Andreas Eschbach hat aus dieser Vorstellung ein Buch gemacht. Allerdings keines für Träumer.




brand eins: In Ihrem Buch "Eine Billion Dollar" geht es eigentlich um einen Menschheitstraum - ein armer Schlucker erbt diese ungeheure Summe und bekommt damit die Chance, sich seine Welt zu schaffen. Warum muss das dann so schiefgehen?

Andreas Eschbach: Vielleicht, weil Geld gar nicht das Mittel ist, um sich seine Welt zu kreieren? Wie man seine Welt sieht und empfindet, hat viel mehr mit einem selbst zu tun als mit dem Geld, das man zur Verfügung hat.

Um das zu erkennen, muss man es vermutlich erst einmal haben.

Es hilft schon, es sich vorzustellen. Was würde ich tun, wenn ich eine Billion Dollar erbte? Die Welt retten? Reicht das Geld dafür überhaupt?

2001, als das Buch erschien, hätte man das noch hoffen können inzwischen wissen wir, dass man mit der Billion gerade eben ein paar Banken retten kann.

Eine solche Finanzkrise zu beschreiben hätte ich mich damals nicht getraut. Ich hätte mir gedacht: Das kauft mir keiner ab, das ist blödsinnig.

Hat Sie die Entwicklung überrascht?

Nein. Für das Buch habe ich mich jahrelang mit Volkswirtschaft, Geldtheorie und Finanzwissenschaft beschäftigt. Und am Ende war ich überzeugt, dass es keine funktionierende Geldtheorie gibt. Was erstaunlich ist, denn das Geld ist eigentlich die einzige hundertprozentig menschliche Schöpfung. Dafür gibt es kein Vorbild in der Natur - es ist kulturell evolutionär entstanden. Dennoch beherrschen wir es nicht, es beherrscht uns.

Das werden Wirtschaftswissenschaftler anders sehen.

Ich bin auch nicht mehr sicher, ob es die Wirtschaft als Wissenschaft wirklich gibt. Schon diese Nichtunterscheidung zwischen Wirtschaft und Finanzwesen lässt mich zweifeln, denn eigentlich wäre es ganz einfach: Bei Finanzen geht es um das Geld, bei Wirtschaft um die Dinge, die man dafür kaufen kann. Und das Geld an sich ist etwas Virtuelles, an sich Wertloses, das nur durch die Möglichkeit wertvoll wird, es umzutauschen. Wären Sie auf einer einsamen Insel und hätten die Wahl zwischen einer Million Dollar und einem Fresskorb, der für 14 Tage reicht - kein Mensch, der seine Sinne beisammen hat, griffe nach dem Geld.

Dennoch gilt es vielen als Wurzel allen Übels, das sie am liebsten abschaffen würden.

Was hätten wir davon? Sicher, ohne Geld wären wir auch die damit verbundenen Probleme los - und hätten neue. Denn auf Geld könnten wir nur verzichten, wenn weltweit Überfluss herrschte. Bis dahin brauchen wir den Austausch, und der funktioniert nur über Geld.

Und wie retten Sie dann die Welt?

Muss sie denn überhaupt gerettet werden? Vielleicht ist das nur eine schiefe Wahrnehmung? Und wie sähe eine Welt aus, in der alles funktioniert, harmonisch ist, es keine Missstände mehr gibt? Was wäre der Preis?

Wir lebten im Paradies ...

... und müssten jeden Tag von zehn bis zwölf frohlocken. Im Ernst: Glauben Sie nicht, dass viel Unglück daher rührt, dass wir unverbrüchlich daran glauben, dass man etwas umsonst kriegen kann? Wir glauben an Perpetuum mobiles, an sich selbst vermehrendes Geld und daran, dass einer, der uns etwas zum Zehntel des normalen Preises verkauft ein Wohltäter ist und kein Halsabschneider.

Also lassen wir alles, wie es ist, und freuen uns, dass wir keine Billion erben?

Das ist nicht die Alternative. Es gibt genug zu tun, gerade auch, wenn man Geld hat. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben und dass es ungefähr halb so viel kostete, ganz Afrika zumindest mit einer rudimentären Wasserversorgung zu versehen als den Stuttgarter Bahnhof tiefer zu legen - da kommt man schon ins Grübeln und fragt sich, ob unsere Prioritäten eigentlich sinnvoll sind.

Dennoch zerlegen Sie in Ihrem Buch eine Weltenrettungs-Fantasie nach der anderen.

Ich sehe das eher als eine Warnung vor den allzu einfachen Lösungen. Und vor den Fanatikern. Die Weltenrettung ist ja heutzutage eine relativ weit verbreitete Religion geworden, mit aller Absolutheit, die Religionen eigen ist.

Und mit der Androhung des Untergangs, wenn man ihr nicht folgt.

Bei der Lust am Untergang kommt wohl noch etwas anderes dazu: Man fühlt sich wichtiger, wenn man im letzten Kapitel der Menschheitsgeschichte lebt und sagt, mit unserer Generation geht alles zu Ende. Dahinter steckt die Angst vor etwas, das noch viel schlimmer ist als der Weltuntergang: Dass man selbst stirbt - und alles geht ohne einen weiter. Das ist für viele die noch unerträglichere Vorstellung.

Was glauben Sie?

Es gibt die einen, die den baldigen Untergang predigen. Und die anderen, die Transhumanisten, die uns goldene Zeiten prophezeien. Zwischen diesen Extremen liegt irgendwo die Wahrheit. Und auch wenn ich den Untergang für wahrscheinlicher halte als das transhumanistische Szenario, sage ich mir: Die Menschen wurschteln schon seit Tausenden von Jahren so herum - und werden auch weiter so herumwurschteln. Und immer werden sie denken: So wie heute war es echt noch nie.-

Andreas Eschbach, 51, hat sich seinen Traum auch ohne Erbschaft erfüllt. Schon als kleiner Junge wollte er schreiben, studierte dann aber zunächst Luft- und Raumfahrttechnik, wurde Anwendungsprogrammierer, hatte seine eigene Firma - und verfasste nebenbei Science-Fiction-Romane. Mit dem Buch "Das Jesus Video" landete er 1998 einen mehrfach prämierten Bestseller, der auch verfilmt wurde. "Eine Billion Dollar" erschien am 11. September 2001 und wurde bisher eine halbe Million Mal verkauft, bisweilen auch an Lehrer, die den Roman für den Unterricht nutzen (siehe Auszug Seite 135). Seit 2003 lebt Eschbach als Schriftsteller mit seiner Frau Marianne in der Bretagne und unterhält eine auch für Nachwuchs-Schriftsteller interessante Website: www.andreaseschbach.de