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Päckchen für Päckchen

Wohl kaum eine deutsche Hochschule bietet mehr Flexibilität als die Europäische Fernhochschule Hamburg. Die Studenten entscheiden, wann, wo und wie schnell sie lernen. Kein Studium für akademische Feinschmecker - aber eines für Berufstätige, die weiterkommen wollen, ohne ihren Job aufzugeben.




- Hans-Heinrich Dammann war ein Bauer von echtem Schrot und Korn. Dass er das Lebenswerk seines Vaters und seines Großvaters auf dem südwestlich von Hamburg gelegenen 170-Hektar-Hof der Familie fortführen würde, stand für ihn außer Frage. Doch dann machte ein Spinnentierchen, mit greifzangenähnlichem Kiefer bewehrt und nicht einmal einen halben Millimeter groß, sämtliche Pläne zunichte. Nach 20 Jahren erfüllender Arbeit als Landwirt begann Dammann plötzlich unter allergischem Asthma zu leiden. Auslöser war die Vorratsmilbe, die sich auf jedem Bauernhof im Getreide und im Tierfutter findet. Die Beschwerden des Landwirts wurden immer schlimmer; Medikamente halfen kaum.

Er stand vor einer schweren Entscheidung.

Ein Dezemberabend, fünf Jahre später. Pünktlich um 16 Uhr verlässt der 47-Jährige seinen Arbeitsplatz bei der Lisega AG, einem Hersteller von Halterungssystemen für Kraftwerksrohre in Zeven zwischen Hamburg und Bremen. Er beeilt sich, denn er weiß, dass daheim, gut eine halbe Autostunde entfernt, ein Stapel Studienhefte auf ihn wartet. An diesem Abend kann er sich wahlweise mit der monetaristischen Erklärung der Nachfrage-Inflation befassen, mit Kondratjews Theorie der langfristigen Konjunkturzyklen oder mit dem Say'schen Theorem, nach dem jedes Angebot sich seine Nachfrage schafft. Viele Kurven, viele Tangenten, viele Formeln. Die Erzeugerpreise für Schweinefleisch, Zuckerrüben und Weizen interessieren ihn nicht mehr. Seine Äcker bewirtschaftet längst der Nachbar. Dammann hat den Hof vollständig verpachtet. Er ist kein Bauer mehr.

Damals hat er den Neustart gewagt, sich zum Industriekaufmann umschulen lassen und auch schnell eine Stelle bei der Lisega AG gefunden. Aber schon bald fragte er sich, ob seine berufliche Laufbahn denn wirklich so enden sollte. All die Jahre war er selbstständiger Unternehmer gewesen. Und jetzt Sachbearbeiter in der Materialbeschaffung. Das konnte es doch nicht sein.

Er begab sich auf die Suche nach einem Studium, bevorzugt Betriebswirtschaft, das er so flexibel wie möglich neben seiner Arbeit absolvieren konnte. Er hatte ja nicht nur den Job, sondern auch die Familie, seine Frau und drei Söhne. Alles, was nach starren Studienplänen klang, strich er gleich von der Liste. Schnell wurde ihm klar, dass nur ein Fernstudium infrage kam. Was auch sonst - wie sollte er denn bei seinem Vollzeitjob zu Vorlesungen und Seminaren fahren?

Nach intensivem Check aller Anbieter entschied sich Dammann für die Europäische Fernhochschule (Euro-FH) Hamburg. Dort studiert er seit zwei Jahren Europäische Betriebswirtschaftslehre. Die Hälfte des Studiums hat er hinter sich. Besonders wichtig war ihm, dass die Abschlüsse der Euro-FH bundesweit und international anerkannt sind und dass ein verpflichtendes zweiwöchiges Auslandsseminar zum Studium gehört. "Wir leben schließlich in einer globalisierten Welt", sagt er. Auch sein Arbeitgeber ist weltweit tätig, hat Niederlassungen in den USA, in Spanien, Großbritannien, Dänemark, Polen und China.

Gäbe es einen Preis für die flexibelste Hochschule Deutschlands, zählte die Euro-FH zu den Favoriten. Es ist ein Lehrinstitut für Menschen wie Dammann, die voll berufstätig sind und trotzdem studieren. Oder gerade deswegen. Auf jeden Fall eine ganz besondere Hochschule. Weil es weder Semester noch Trimester gibt, ist der Start ins Studium jederzeit möglich. Jeder Student entscheidet selbst, wann, wo und wie schnell er lernt - und ob er seine Ausbildung möglicherweise eine Zeit lang unterbricht. Wer wegen eines neuen Jobs umziehen muss, kann trotzdem an "seiner" Uni weiterstudieren.

Die eine Ausbildung reicht heute nicht mehr. Der Trend geht hin zum Immer-weiter-Lernen

Große Hörsäle sucht man auf den Fluren der Euro-FH vergeblich. Was soll man auch mit Hörsälen, wenn es keine Vorlesungen gibt? Nur vier- bis fünfmal während ihres Studiums müssen die Studenten zu einem zwei- bis dreitägigen Präsenzseminar anrücken. Es gibt keinen Examensstress am Studienende, sondern ein modular aufgebautes Studium mit Prüfungen nach jeder Lerneinheit. Wer alle Module erfolgreich abgeschlossen und seine Abschluss-Thesis bestanden hat, erhält automatisch seinen Hochschulabschluss.

Jede Prüfung kann monatlich an jedem der zehn bundesweiten Prüfungszentren sowie regelmäßig in Wien und Zürich abgelegt werden. Wer eine Prüfung versäumt, verliert also nicht ein ganzes Semester, sondern nur vier Wochen. Einer so hohen Dosis Flexibilität haben auch die anderen Fernhochschulen nichts entgegenzusetzen. Die meisten Wettbewerber prüfen quartalsweise oder klassisch zum Semesterende.

Primäre Zielgruppe sind Berufstätige: Mehr als 95 Prozent der Euro-FH-Studenten haben einen festen Job. Sie lernen nach Feierabend, in der Elternzeit oder nutzen, wie während der Wirtschaftskrise, Phasen der Kurzarbeit, um sich weiterzubilden. Wenn beispielsweise wichtige Projekte im Betrieb hohen Einsatz verlangen und Überstunden anfallen, können sie den Lernaufwand vorübergehend zurückfahren - um dann voll aufzudrehen, wenn es im Job wieder etwas ruhiger läuft.

Diese Flexibilität hat dem Fernstudium in den vergangenen Jahren bundesweit zu einem deutlichen Aufschwung verholfen. An 16 privaten Fernhochschulen sowie der öffentlichen Fernuniversität in Hagen sind derzeit fast 105 000 Studenten immatrikuliert (davon allein 73 000 in Hagen); der Zuwachs lag in den vergangenen Jahren bei knapp 19 Prozent.

Dabei hat die Zukunft des Fernstudiums gerade erst begonnen, denn die Veränderungen in der Arbeitswelt erfordern immer höhere Qualifikationen. Berufsbegleitende Fortbildung steht besonders hoch im Kurs. "Wer nach der Ausbildung übernommen wird und erst einmal bei seinem Arbeitgeber bleibt, merkt meist nach einiger Zeit, dass noch etwas passieren muss, wenn er wirklich weiterkommen will", sagt Jens-Mogens Holm, Präsident der Euro-FH.

In jüngster Zeit wundert er sich, wie jung die Leute in den Einführungsseminaren sind, viele erst Anfang 20. "Die fangen nach ihrer Ausbildung gleich an zu studieren, aber statt sich wie früher das Studium mit Kellnern oder Taxifahren zu finanzieren, bleiben sie lieber in ihrem Job."

An der Euro-FH überlegt man, die Vorteile des Fernstudiums in Zukunft noch besser zu verkaufen, vor allem bei den Arbeitgebern, die sich Mitarbeiter wünschen, die sich qualifizieren, ohne den Schoß des Unternehmens zu verlassen. Und noch ein weiterer Trend verschafft den Fernhochschulen Zulauf. Seit einiger Zeit proklamiert die Bildungspolitik die Akademisierung der Gesellschaft - und meint damit auch Menschen ohne Abitur. So sieht ein Beschluss der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2009 vor, dass künftig unter anderem Handwerksmeister, Fachschulabsolventen sowie Berufstätige, die eine Ausbildung und mindestens drei Jahre Berufspraxis vorweisen können, studieren dürfen.

Viele staatliche Universitäten sind auf diese bildungsemanzipatorische Offensive nicht vorbereitet. Sie klagen ja schon über die mangelnde Studierfähigkeit der Abiturienten. Und jetzt sollen sie ihre Hörsäle auch noch für Klempnermeister, Versicherungskaufleute und Krankenschwestern öffnen?

Die Euro-FH dagegen ist bestens vorbereitet. Der Anteil von Studenten ohne Abitur liegt dort heute schon bei 20 Prozent gegenüber rund einem Prozent an den öffentlichen Hochschulen. "Wir propagieren diese Option sehr stark", sagt Martin Hendrik Kurz, Kanzler der Euro-FH, "beispielsweise in Fernseh-Werbespots." Stolz verweist man an der Hochschule darauf, dass viele ihrer Studenten als Erste in der Familie einen akademischen Abschluss vorweisen können.

Wie muss ein Studium für jemanden aussehen, der einen Beruf hat und womöglich auch noch Familie? Für jemanden, der nicht für jede Klausur durch ganz Deutschland reisen kann? Das fragte sich Jens-Mogens Holm, als er vor etwa zehn Jahren begann, über eine Fernhochschule neuen Typs nachzudenken. "Damals entstand der Kerngedanke der Flexibilität", erinnert er sich. "Flexibilität ist seitdem die DNA der Euro-FH."

Als man im April 2003 den akademischen Betrieb aufnahm, hatten sich 300 Studenten für den einzigen Studiengang - Europäische Betriebswirtschaftslehre - eingeschrieben. Im folgenden Jahr waren es schon 1000 Anmeldungen, im Jahr darauf 1500. Derzeit begleitet Deutschlands am schnellsten wachsende Fernhochschule 5500 Studierende zu einem Bachelor- oder Master-Abschluss.

Mit den Jahren kamen fünf weitere Studiengänge hinzu - und auch in Zukunft will der Kanzler Kurz jedes Jahr zwei neue Studiengänge einführen. Ein Master-Studiengang Wirtschaftspsychologie beginnt im März, ein Wirtschaftsprüfungs-Master voraussichtlich im Sommer. Nach gründlicher Marktanalyse haben sich die Hamburger Fernlehrer eine Selbstbeschränkung auf wirtschaftsnahe Fächer auferlegt. So entstanden die Studiengänge Wirtschaftsrecht, Logistikmanagement sowie Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie.

Für technische und geisteswissenschaftliche Studiengänge dagegen existiert im privat finanzierten Fernstudium kaum ein Markt. Die Euro-FH finanziert sich ausschließlich durch Studiengebühren. Jeder Studiengang muss sich rechnen. "Wir können keine Nischen bedienen", so der Präsident Holm. "Pro Studiengang brauchen wir jährlich 120 Studenten, sonst ist unser Flexibilitätsangebot nicht darstellbar."

Für Grenzen des Wachstums sorgt vor allem der Mangel an qualifiziertem akademischem Personal. Nicht jeder Dozent an einer großen staatlichen Präsenzuniversität besteht den Fernstudiumstauglichkeitstest. Der klassische Forscher, dem Studenten eher lästig sind, ist hier genauso fehl am Platz wie der Dr. habil. mit dem Beamtenstatus als Ziel aller Wünsche.

"Den können wir nun mal nicht bieten", sagt Kurz. "Das bedeutet, dass es wenig Sinn macht, zu versuchen, Professoren von öffentlichen Hochschulen abzuwerben. Wir haben jene im Fokus, die noch nicht im System sind." Leute aus der Praxis vor allem, Dozenten, die als Unternehmensberater, Anwalt, Wirtschaftsprüfer oder Coach tätig sind oder waren. Solchen "Lehrbeauftragten mit Start-up-Geist" bietet die Hochschule Raum zur Entfaltung und kurze Entscheidungswege. So kam Christoph Berg, akademischer Leiter für Betriebswirtschaft und Wirtschaftspsychologie, vor gut einem Jahr auf die Idee, einen Master-Studiengang Wirtschaftspsychologie zu konzipieren - der in Kürze nach nur neun Monaten Vorbereitung akkreditiert wird. Eine für öffentliche Hochschulen undenkbar kurze Zeitspanne.

Den Hamburgern kommt zugute, dass sie die Infrastruktur ihres Schwesterunternehmens, des im Stadtteil Rahlstedt gelegenen Instituts für Lernsysteme (I LS), nutzen können. Mit jährlich 80 000 Fernschülern ist das ILS das mit Abstand größte Fernlern-Unternehmen Deutschlands; angeboten werden Lehrgänge von Hauptschulabschluss und Abitur über Heizungstechnik und Bilanzbuchhaltung bis zur Feng-Shui-Beratung und Astrologischen Psychologie.

Buchhaltung, EDV und Logistik der Euro-FH wurden einfach an das zur Klett-Gruppe gehörende ILS mit seiner perfekt eingespielten Infrastruktur angedockt. Dank der Unterstützung der großen Fernlern-Schwester erhalten die Studenten sämtliche benötigten Lernunterlagen binnen 24 Stunden nach Hause. Sobald ein Student eine Online-Bestellung absendet, laufen nach kurzer Prüfung des Auftrags die Druckmaschinen an.

Die größtmögliche Flexibilität hat auch ihren Preis: die Verschulung des Studiums

Eine bis anderthalb Millionen Seiten pro Monat kommen so zusammen. Nur bestellte Unterlagen werden auch gedruckt; es gibt kein Lager mit Regalen voller Studienhefte. Eines nach dem anderen fallen die Lernhefte fürs nächste Studienmodul in eine blaue Plastikbox, die über ein Förderband ruckelt. Zum Schluss kommen CD-ROMs und Bücher dazu, die der Student benötigt, ein Englisch-Wörterbuch Recht beispielsweise, die Arbeitsgesetze oder die Insolvenzordnung. Alles zusammen wird in einen Karton verpackt und geht auf die Reise.

Zum Beispiel zu Hans-Heinrich Dammann. Das Studium hat Takt und Tempo seines Lebens völlig verändert. Der späte Student hat sich Freiräume geschaffen, die er so effizient wie möglich nutzt. Damit er nachmittags um 16 Uhr zum Lernen nach Hause fahren kann, ist er morgens spätestens um kurz nach sieben am Arbeitsplatz. Er hat gelernt, weniger wichtige Aufgaben zu delegieren; der Azubi nimmt ihm mittlerweile vieles ab.

Und daheim hält seine Frau ihm den Rücken frei. Drei Stunden fürs Studium pro Abend sind fest eingeplant. Anders als früher sitzt er mit seiner Frau abends nur noch selten vor dem Fernseher. Seine drei Jungs sind alle im Sportverein. Es kommt vor, dass der Vater sie mal nicht zum Training fahren kann. "Natürlich versuche ich, mir Zeit für sie zu nehmen", sagt er, "aber nur so viel, wie nötig ist." Man vermisst ihn neuerdings auf der einen oder anderen Geburtstagsfeier im Freundeskreis. Auch das Wochenende ist größtenteils fürs Studium geblockt.

Selbstdisziplin und eigener Antrieb seien die Kardinaltugenden eines Euro-FH-Studenten, sagen Präsident, Kanzler, Lehrbeauftragte und Studenten fast unisono. Fokussieren, sich selbst geißeln, zielstrebig und standfest sein - darauf kommt es an. Die Lehrhefte werden nach Hause geliefert - aber sie wollen auch ausgepackt und bearbeitet werden. Manche stehen dafür mitten in der Nacht auf und lernen zwei Stunden, bevor sie sich zur Arbeit aufmachen. Andere pauken das ganze Wochenende durch.

Das Leben ändert sich. Das Wort "Verzicht" fällt häufig. Einige opfern fast ihr gesamtes Privatleben, gehen keine feste Beziehung ein. Sie folgen einem nüchternen Kalkül. "Unsere Studierenden wissen sehr genau, warum sie das machen", sagt der Kanzler. "Sie haben eine genaue Vorstellung, welchen Job sie damit anstreben, was sie dafür brauchen und welche Opfer sie bringen müssen."

Im Gegenzug erwarten die Studenten eine reibungslos funktionierende Dienstleistung. Das dürfen sie auch - schließlich sind sie Kunden und bezahlen ihr Studium, im Schnitt rund 12 000 Euro für einen Bachelor.

Nur in wenigen Fällen finanziert der Arbeitgeber die Ausbildung. Viele wollen das auch gar nicht. "Das ist mein Studium, mein Abschluss", sagt etwa Trung Kein Huynh, ein Student der Betriebswirtschaftslehre (BWL) aus der Schweiz beim Einführungsseminar. "Mein Dienstherr weiß noch gar nichts davon." Er wolle sich "nicht in Abhängigkeit begeben", begründet der junge Polizeibeamte seine Verschwiegenheit gegenüber den Vorgesetzten. Auch Hans-Heinrich Dammann hat seinen Arbeitgeber erst ein halbes Jahr nach dem Einstieg informiert. Er wollte sich nicht vor seinen Chefs blamieren: "Ich wusste doch gar nicht, ob ich diese Doppelbelastung auch durchhalte."

Damit ihre Studenten sich allzeit gut behütet fühlen, hat die Hochschule ein "Rundum-sorglos-Paket" geschnürt, wie eine Absolventin sagt: "Man wird regelrecht gepampert." Das Wohlfühl-Arrangement zielt vor allem auf jene, die nicht frisch von der Schulbank kommen, mit dem Abiturwissen im Gepäck, sondern das "Lernen erst wieder lernen müssen", wie Hochschulpräsident Holm es formuliert. Immer wieder sind Leute über 50 unter den Einsteigern. Und es gibt eine signifikante Abbruchwelle im ersten halben Jahr; insgesamt liegt die Quote in den Bachelor-Studiengängen bei 25 bis 30 Prozent "Oft sagen die Aussteiger, dass sie den zeitlichen Aufwand unterschätzt haben", berichtet der Kanzler. "Aber manche sind einfach auch inhaltlich überfordert." Wichtig sei es, den Einstieg zu finden: die erste Hausaufgabe einsenden, die erste Prüfung bestehen.

Die Hochschulleitung habe, so Holm, ihr Team "auf totale Service-Orientierung getrimmt". Es gibt für die Studenten keine tote Zeit, keine langwierige Literaturrecherche in Bibliotheken, kein Warten auf Sprechstunden, keine Seminarlisten nach dem Windhundverfahren, kein wochenlanges Warten auf Prüfungsergebnisse. "Wir nehmen ihnen die Planung und Organisation ihres Studiums ab", sagt Thomas Tegen, der nebenbei an der Euro-FH Wirtschaftsrecht unterrichtet. "Sie brauchen eigentlich nur Päckchen für Päckchen durchzulernen."

In den Paketen, die bei ihnen zu Hause ankommen, finden die Studenten tatsächlich alles, was sie für die nächste Prüfung brauchen. Keiner geht im Bücherchaos verloren oder verzweifelt an der Frage, was er wohl als Nächstes lernen soll. Entsprechend streng sind die inhaltlichen und formalen Maßstäbe an die Auswahl und Redaktion der Lehrhefte. "Ein altes Fachbuch oder Vorlesungsmanuskript als Lehrheft recyceln, das funktioniert hier nicht", stellt der Präsident Holm klar.

Eine "Autorenhandreichung" sorgt für die nötige Orientierung. "Bilden Sie kurze Sätze", wird dort dekretiert. "Formulieren Sie möglichst nur einen Gedanken in einem Satz." - "Streuen Sie kleinere und motivierende Übungen in den Text ein." Regelmäßig bewerten die Studenten die Qualität der Hefte mit einem Ampelsystem. Beim letzten Qualitäts-Check verpassten sie den Heften zur Volkswirtschaftslehre in puncto Verständlichkeit und Praxisbezug eine rote Ampel. In solchen Fällen ist eine schnelle Überarbeitung fällig.

Eine kleine Armada von Tutoren sorgt dafür, dass Prüfungen und Hausarbeiten zügig durchgesehen, kommentiert und benotet, Fachfragen innerhalb von 48 Stunden beantwortet und Abschlussarbeiten kompetent betreut werden. Die Hochschule ist jederzeit im Bilde, wo der Einzelne steht und wo Probleme drohen. Ein Online-Campus vernetzt die Studenten in Diskussionsforen und Chat-Räumen, wo sie sich über Prüfungsvorbereitungen, Mitfahrgelegenheiten, Unterkünfte fürs Auslandsseminar oder die Probleme alleinerziehender fernstudierender Mütter austauschen.

Per Online-Studienplaner behält jeder allzeit die Übersicht, wo er sich im Zeitplan befindet und welches die nächsten Etappen auf dem Weg zum Abschluss sind. Zusätzlich steht jedem Studiosus ein persönlicher Betreuer als Lern- und Organisationscoach zur Seite. "Wenn du ein Problem hast, melde dich!", lautet die Losung. Ein Angebot, das nicht alle in Anspruch nehmen. "Es gibt auch Super-Autodidakten", berichtet Christian Bönnen, Teamleiter Studien- und Prüfungsservice. "Die machen das alles allein und wollen in Ruhe gelassen werden."

Manche Dozenten sehen ihre Schützlinge etwas zu sehr umsorgt. "Der Student lernt nur für das Modul, nur was in der Prüfung drankommt", kritisiert Thomas Tegen eine gewisse intellektuelle Trägheit. Viele der Jüngeren, so sein für BWL zuständiger Kollege Ulrich Marquardt, "streben einen Abschluss mit großer Zielstrebigkeit und Leistungsbereitschaft an, scheuen aber eine kontroverse fachliche Diskussion". Etliche der Älteren wiederum, mit 15 oder 20 Jahren Berufserfahrung auf dem Buckel, müssten lernen, dem wissenschaftlichen Anspruch an ein Studium zu genügen. "Mein Geschäftsführer will Lösungen und keine methodischen Grundlagen" - so etwas hört Marquardt nicht selten.

Für Feinschmecker bietet ein Schwarzbrotstudium à la Euro-FH vermutlich eher wenig Freude. "Was vielleicht zu kurz kommt, ist der wissenschaftliche Diskurs", räumt der Hochschulpräsident Jens-Mogens Holm ein. "Fernstudenten sitzen halt nicht in der Mensa beim Latte macchiato und diskutieren das Hauptseminarreferat durch." Lernen und Prüfen an jedem Ort und zu jeder Zeit - das geht nur bei weitgehend standardisierter Lehre. Die Verschulung ist der Preis größtmöglicher Flexibilität.

Die meisten Studenten empfinden diesen Preis als angemessen - zumal sich für viele von ihnen das Studium schon vor dem Abschluss rentiert. Eine Befragung des Abschlussjahrgangs 2009 im Bachelor-Studiengang Europäische Betriebswirtschaftslehre ergab, dass 41 Prozent schon während des Studiums mehr Verantwortung oder neue Aufgaben im Job erhielten oder gleich einen richtigen Karrieresprung machten. Auch Hans-Heinrich Dammann, der noch mitten im Studium steckt, wittert schon Morgenluft. "Man hat nicht mehr diesen Tunnelblick", sagt er, "und man merkt sehr schnell, dass man mit den Leuten aus der Führungsriege zunehmend auf Augenhöhe diskutiert." -