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Die Arterien der Industrialisierung

Auf dem Wasser sind Lasten leichter zu transportieren als an Land. Deshalb bauten die Londoner Kanäle – quer durch die Stadt.




• Wie viele große Ideen hat auch diese ihren Ursprung in einer Kneipe. Im Percy Street Coffee House, nahe der Oxford Street, schlug der Geschäftsmann Thomas Homer im Mai 1802 dem Architekten John Nash beim Bier ein Geschäft vor: Er wollte den Grand Junction Canal im Nordwesten Londons mit dem Hafen im Südosten verbinden: eine Wasserstraße quer durch die Stadt, an der zahlreiche Lagerhallen entstehen sollten. Ganze Straßenzüge galt es dafür unter Wasser zu setzen. Ein gigantisches Projekt, für das Flächen gekauft, Gräben ausgehoben und Tunnel gebaut werden mussten.

Zwar war London zu dieser Zeit der größte Hafen der Welt, und der Handel mit den Kolonien blühte. Doch um Früchte, Getreide und Holz günstig in das Landesinnere verschiffen zu können, fehlte eine Verbindung durch die Stadt. Im Rest des Königreiches gab es längst ein Kanalsystem, da schwere Fracht einfacher auf dem Wasser zu transportieren war als an Land. Den Anfang hatte bereits 1759 der Herzog von Bridgewater gemacht. Per Kanal verband er seine Kohlebergwerke in Worsley mit Manchester. Als der Preis für den Brennstoff fiel, konnte der Herzog weiter rentabel liefern, da der Transport billig war.

Die Kanäle waren die Arterien der Industrialisierung. Aber ihr Bau in London sorgte für einen Infarkt. Für den von Homer und Nash geplanten Regent's Canal fehlte zunächst das Geld, dann veruntreute Homer selbst eine große Summe, Investoren mussten gefunden und Parlamentarier überredet werden. Der Bau wurde mehrfach unterbrochen, dauerte am Ende acht Jahre und kostete 772 000 Pfund - doppelt so viel wie kalkuliert. Dennoch wurde er für die Betreiber ein gutes Geschäft: Sie verdienten an der Maut, deren Höhe von der Art der Fracht abhing: Steine und Kohle waren billiger als gefertigte Waren.