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Senf & Friends

Der Name Händlmaier steht für süßen Mostrich. Und für die Überwindung des Weißwurst-Äquators.




• Wenn es wahr wäre, dass Senf dumm macht, träfe Franz Wunderlich eine gehörige Mitschuld an der grassierenden Einfalt. Seine Firma Händlmaier versorgt von Regensburg aus ganz Deutschland mit Senf und ist bei der süßen Variante Marktführer. Doch der 44-jährige Geschäftsführer gibt sich ahnungslos: Die Mär von der fatalen Wirkung des Mostrichs sei ihm unbekannt, sagt er. Glücklicherweise ist wohl auch nichts dran: Senf-Öle, die – im Übermaß genossen – tatsächlich das Gehirn schädigen können, kommen in Senf gar nicht vor (sondern beispielsweise in Bittermandeln und Bambussprösslingen).

Überhaupt ist Wunderlich kein Mann, der sich gern unnötige Gedanken macht, sondern ein Verkaufstalent, das den Preußen süßen Senf schmackhaft gemacht hat. Und der Beweis dafür, dass die dritte Generation eine Familienfirma nicht notwendigerweise herunterwirtschaften muss. Nachdem der Enkel der Gründerin Luise Händlmaier Ende der achtziger Jahre zunächst als Vertriebs-Chef in das damals von seiner Mutter geführte "Mini-Unternehmen" eingestiegen war, eroberten die Senfgläser mit dem charakteristischen und seit Jahrzehnten unveränderten Etikett zunächst Bayern und später die ganze Republik.

Als idealer Weißwurst-Begleiter profitiert Händlmaier's Mos trich vom Siegeszug dieser ur-bayerischen Spezialität, die heute auch im hohen Norden gern verzehrt wird. Die Weißwurst gelte nämlich – ähnlich wie das Dirndl – als "traditionell und trendy zugleich", so Wunderlichs Erklärung. Sichtlich stolz ist er, den deutlich älteren und einst übermächtigen Konkurrenten Develey aus München, der die Erfindung des süßen Senfs für sich reklamiert, überholt zu haben.

Dem Händlmaier-Chef fehlt es nicht an Selbstbewusstsein. Reklame etwa hält er für überflüssig, denn: "Starke Marken brauchen keine Werbung." Sein kleines Unternehmen, über dessen Umsatz er eisern schweigt, könnte sich wohl auch kein aufwendiges Marketing leisten. Da trifft es sich, dass ein Trupp Freiwilliger den Job gratis und aus wahrer Liebe erledigt: der Verein "Händlmaier's Freunde Niederbayern e. V." – einziger Senf-Fanclub der Welt mit mehr als 150 Mitgliedern. Ihr Mekka ist Regensburg, wohin die Händlmaier-Jünger regelmäßig pilgern. Von so etwas kann die Konkurrenz nur träumen.

Damit die weiter schön auf Abstand bleibt, hat die Firma mittlerweile etliche Varianten im Sortiment. So gibt es erstaunlicherweise auch einen extra Weißwurstsenf, wiewohl der Hausmachersenf genau diesen Zweck erfüllt. Die Produktvermehrung diene auch dazu, im Supermarktregal ebenso stark präsent zu sein wie die Wettbewerber, räumt Wunderlich ein.

Echte Innovationen wagen die Regensburger jedoch ebenso. So lancierten sie vor drei Jahren unter dem Namen "Wild Africa" exotisch-scharfe Saucen in Flaschen mit Zebra-Design. Zur Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und der Grillsaison im kommenden Sommer rechnet Wunderlich gewohnt offensiv mit dem Durchbruch der Zweitmarke: "Das wird ein Riesenerfolg! " •

Weil sie ihren Kunden etwas Besonderes bieten will, beginnt Johanna Händlmaier – die Ur-Großmutter von Franz Wunderlich – 1914 in der Metzgerei ihres Mannes in Regensburg, süßen Senf anzurühren. Das Rezept vererbt sie ihrer Schwiegertochter Luise. Als die 1964 nach dem Tod ihres Mannes das auf sechs Filialen gewachsene Geschäft verkauft, bekniet der neue Eigentümer sie, doch bitte weiter den in der Region beliebten Senf herzustellen. So wird aus der Metzgerwitwe eine Mostrichfabrikantin. Dazu zermahlt sie von Hand Senfkörner, fügt Branntweinessig und einige geheim gehaltene Zutaten hinzu, kocht die Masse unter ständigem Rühren auf, lässt sie acht Tage ruhen und füllt sie dann in Gläser ab. Das zunächst bescheidene Geschäft weitet sich allein dank Mundpropaganda immer weiter aus; die Senfküche in der Altstadt platzt irgendwann aus allen Nähten. Anfang der neunziger Jahre investiert das Unternehmen unter der Leitung von Franz Wunderlichs Mutter und ihm in eine moderne Fabrik am Stadtrand und zieht dorthin um. Seitdem expandiert Händlmaier enorm und exportiert bis nach Japan. Auch für Handelsmarken der Discounter produzieren die Regensburger, "allerdings nur mittelscharfen Senf", wie Wunderlich betont. Der süße Klassiker bleibe exklusiv. Luise Händlmaier GmbH & Co. KG Mitarbeiter: 60
Jahresproduktion: rund 10 000 Tonnen
Marktanteil bei süßem Senf in Bayern: 77 Prozent; bundesweit: 68 Prozent