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Mit dem Herzen durch die Wand

Im Alter von 20 Jahren machte sich Gülsen Sariergin als Krankenschwester selbstständig - heute betreibt sie in Bremerhaven die Nordseepflege. Auf ihrem Weg ließ sie sich weder von der Pflegebürokratie noch von Banken aufhalten.




- Die Strecke zwischen Bremerhaven und Cuxhaven kennt sie auswendig. Eine halbe Stunde die A 27 entlang, immer nur ein kleines Stück von der Nordseeküste entfernt. Es gab Jahre, da sah Gülsen Sariergin die Strecke fast ausschließlich durch einen Schleier von Tränen. "Das war meine Heulstrecke", erin nert sich die heute 30-Jährige. "Rein in meinen alten grünen Fiat Punto, Musik angemacht, losgefahren und losgeheult. Ich wusste einfach nicht, wie ich das alles bewältigen sollte."

Damals, vor fast zehn Jahren, hatte sich die frisch ausgebildete Krankenschwester gerade mit einem ambulanten Pflegedienst selbstständig gemacht. Doch das Telefon in ihrem winzigen Büro klingelte so selten, dass sie bisweilen das tat, was sonst nur unglücklich Verliebte tun: Sie rief sich von ihrem Handy aus an, um sich zu vergewissern, dass die Leitung nicht tot war. Ihrer Bank schuldete sie einen sechsstelligen Betrag, die Miete konnte sie schon eine ganze Weile nicht mehr pünktlich bezahlen. "Den Begriff Insolvenz kannte ich damals gar nicht. Für mich war klar: Wenn es nicht bald besser wird, musst du wieder als Krankenschwester und parallel als Putzfrau arbeiten - dann kannst du es vielleicht schaffen, am Ende deines Lebens wieder aus den Schulden rauszukommen."

Während sich Sariergin an diese Zeit erinnert, kommen ihr tatsächlich noch einmal die Tränen, fängt ihre Stimme an zu zittern. Mit Jeans, Lederjacke und wallenden Locken sitzt sie in ihrem Büro in der Nordseepflege - dem Unternehmen, das inzwischen 104 Mitarbeiter hat und rund acht Millionen Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaftet. Hinter ihr an der Wand hängen klassische Motivationsposter amerikanischer Machart: drama tische Naturfotos vor schwarzem Hintergrund, darunter Schlagworte wie "Ideen", "Ziele" oder "Teamwork". Ein Poster, das in der Reihe fehlt, aber ihre Geschichte viel besser beschriebe als jedes andere, müsste sie in ihrem Fiat Punto zeigen. Darunter nur ein Wort: "Beharrlichkeit".

Im Leben sollte es mehr geben als eine Anstellung im Krankenhaus, denkt sie sich

Ihre Eltern kamen in den siebziger Jahren aus der Türkei nach Bremerhaven, 1984 eröffneten sie dort ein kleines Restaurant. Statt in den Kindergarten zu gehen, stand Gülsen Sariergin als Fünfjährige dort auf einer umgedrehten Cola-Kiste am Waschbecken und spülte ab. Die Gäste konnten ihren Namen nicht aussprechen und riefen sie deshalb "Blümchen". Der Vater hatte ihr streng verboten, Geld von ihnen anzunehmen, doch sie malte ihnen trotzdem kleine Bilder auf Bierdeckel und kassierte dafür heimlich zehn Pfennig. Mit sieben schickte ihre Familie sie auf ein privates Internat in die Türkei. Vor allem ihre Mutter wollte, dass sie eine bessere Ausbildung bekam als ihre älteren Geschwister. "Die Schule war eine Mischung aus Armee und Knast", erinnert sich Sariergin. "Schuluniformen, ein riesiger Schlafsaal voller Stockbetten, nur von Spinden getrennt, da herrschte Zucht und Ordnung." Doch als sich die Mutter stark nach der fernen Tochter sehnte, reagierte die nur bockig: "So sehr ich es dort am Anfang gehasst habe, so wenig wollte ich mich nach einem Jahr zurückholen lassen." Sie blieb zehn Jahre auf der englisch-tür kischen Schule, schloss sie mit Auszeichnung ab. Mit 17 kehrte sie nach Deutschland zurück, wurde vom Schulamt in die zwölfte Klasse eingestuft und machte das Abitur. Doch die Rückkehr in das Familienleben fiel ihr schwer: "Mein Vater pflegte seine Anweisungen mit einem , Weil ich es dir sage! ' zu begründen. Das reichte mir als Erklärung irgendwann nicht mehr - und als ich dann noch als einziges Kind in der Familie darauf bestand, meinen Führerschein selbst zu bezahlen, da war er endgültig geschockt."

Um sich diese und andere Freiheiten leisten zu können, arbeitete die junge Frau neben ihrer Ausbildung zur Krankenschwester am DRK-Krankenhaus in Bremerhaven als Helferin bei einem ambulanten Pflegedienst und übernahm zwei Putzstellen. An manchen Tagen hatte sie Frühschicht im Krankenhaus und anschließend Spätschicht beim Pflegedienst. Aber das Leben als Angestellte machte Sariergin - die zu dieser Zeit auch heiratete nicht froh: "Wertschätzung gab es, wenn überhaupt, nur von den Patienten. Dazu die Bezahlung strikt nach Tarif, egal, wie viel oder gut man arbeitete das war demotivierend. Ich dachte mir immer: Da geht mehr! "

Am 1. Juni 2000 machte sich Sariergin als Krankenschwester selbstständig, doch ihren Eltern erzählte sie davon kein Wort. "Ich besorgte mir einen alten Computer und ein kleines Büro in Cuxhaven und kämpfte mich durch 140 Seiten Richtlinien und Pflege verträge in für mich kaum verständlichem Anwaltsdeutsch." Sechs Patienten hatte sie anfangs, die sie in einer morgendlichen Runde abklapperte, mittags die Arbeit im Büro, nachmittags noch einmal dieselbe Tour. Abends saß die damals 21-Jährige oft lange im Büro, kämpfte mit Excel-Tabellen, in denen sie ihre Leistungen gegenüber den Krankenkassen abrechnen musste. Doch deren Mühlen mahlen bekanntlich langsam, und es vergingen bis zu vier Monate, bis die erbrachten Leistungen abgerechnet und bezahlt wurden.

Krankenhäuser mögen keine Konkurrenz - deshalb braucht es Fantasie, um Geld für das neue Unternehmen zu sammeln

Dazu kam, dass ambulante Pflege ein Geschäft mit hohen Eintrittsbarrieren ist: Die meis ten Patienten benötigen einen Pflegedienst, der zu ihnen nach Hause kommt, nach einem Unfall oder einer Erkrankung - meist also nach einem Aufenthalt im Krankenhaus. Nahezu jedes Krankenhaus hat jedoch einen angeschlossenen Pflegedienst, den man dem Patienten empfiehlt. "Die DRK-Klinik vermittelt ihre Patienten, die entlassen werden, an die DRK-Sozialstation, und die Arbeiterwohlfahrt vermittelt ihre Patienten an die eigene Sozialstation", sagt Sariergin. "Als unabhängiger Pflegedienst ist es sehr schwierig, an Patienten zu kommen." Das war die Phase, in der ihr auf der Autobahn regelmäßig die Tränen kamen.

Doch auf ihrer "Heulstrecke" kam die rettende Idee: Um den schleppend anlaufenden Pflegedienst liquide zu halten, eröffnete Sariergin einen Imbiss-Stand vor dem Media Markt in Bremerhaven. Viel blieb nicht übrig, wenn sie abends mit der Verkäuferin die Abrechnung machte und am nächsten Morgen, bevor sie zu ihren Patienten fuhr, die neue Ware einkaufte. "120 Mark am Tag, mehr war da nicht drin", erinnert sie sich. "Aber immerhin war das Geld sofort da."

Als in Bremerhaven ein neuer Hornbach-Baumarkt aufmachte, kam es zum Streit mit dem Vater: Der hatte dort bereits während der Bauarbeiten einen Imbisswagen pos tiert und die Bauarbeiter mit Grillwurst und Getränken versorgt - und spekulierte nun darauf, auch nach der Eröffnung die Mitarbeiter und Kunden zu versorgen. Doch seine Tochter machte ihm den Standplatz streitig und bekam vom Marktleiter schließlich den Zuschlag. "Das gab richtig Ärger mit meinen Eltern", sagt sie nüchtern. "Aber für mich war immer klar, dass man Familie und Geschäft trennen muss."

Mit ihrer Würstchenbude war Gülsen Sariergin so erfolgreich, dass die Hornbach-Kette sie bat, auch vor den Märkten in Bremen, Oldenburg und Wilhelmshaven einen Grill aufzustellen. Bis sie abends alle Patienten versorgt und anschließend alle Imbiss wagen abgefahren hatte, wurde es häufig 23 Uhr. Danach ging sie ins Bett, denn am nächsten Morgen stand dieselbe Runde in umgekehrter Reihenfolge wieder an. Freizeit hatte sie in all diesen Jahren keine - aber immerhin brachte sie mit den Einnahmen aus den Wurstständen die Nordseepflege über die Runden.

Sie war 23 Jahre alt und weinte immer noch beinahe jeden Tag im Auto, als sie den nächsten Schritt wagte: In Bremerhaven sah sie eine Baulücke in der Innenstadt und beschloss, dass sie genau hier ihren lang gehegten Traum verwirklichen würde: ein Haus, in dem alte Menschen selbstständig wohnen und auf Wunsch auch versorgt werden konnten. "Den Begriff , betreutes Wohnen' kannte ich damals gar nicht, aber ich wusste, dass es einen Bedarf gibt für dieses Mittelding zwischen ambulanter Pflege und einem klassischen Altenheim."

In jedem Fall bewies sie unternehmerisches Gespür, denn das betreute Wohnen ist bei Senioren eine sehr beliebte Form für das Leben im Alter, stellt sie doch eine umfassende ärztliche Versorgung sicher und gewährt dem Einzelnen gleichzeitig Autonomie. Kein Wunder also, dass in einer Erhebung der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) auf die Frage "Wo würden Sie im Falle einer Hilfs- oder Pflegebedürftigkeit im Alter wohnen wollen?" zwar die meisten Teilnehmer "zu Hause" oder "bei meiner Familie" antworteten. Gleich danach jedoch wurde die Möglichkeit des betreuten Wohnens als beliebteste Option angekreuzt.

Mit diesem Projekt - in der Bremerhavener Innenstadt ein Haus zu bauen, in dem sich die Senioren ganz normal einmieten und dann je nach Bedarf ärztliche Hilfe und Pflegeleistungen buchen können - stieß Sariergin schnell auf das nächste Hindernis: die Finanzierung durch die Stadtspar kasse. "Über den Daumen gepeilt, ging es um ein Investitionsvolumen von fünf Millionen Euro. Doch auf die Frage, was ich an Sicherheiten hätte, konnte ich bis auf meinen Fiat Punto nicht allzu viel vorweisen." Aufgeben aber wollte die Krankenschwester-Altenpflegerin-Imbissbudenbesitzerin nicht. Immer wieder löcherte sie ihren Sparkassenberater wegen des Kredits, bis sie schließlich einen Termin beim Vorstand bekam.

Fragt man die erfolgreiche Geschäftsfrau heute, ob sie jemals gegen Vorurteile zu kämpfen hatte, die ihr als Tochter türkischer Einwanderer entgegenschlugen, wird sie energisch: "Ich habe mich nie als Opfer von Vorurteilen gefühlt." Als 23-Jährige ganz ohne Sicherheiten einen Millionenkredit zu erhalten wäre wohl selbst für eine Krankenschwester mit deutsch klingendem Nachnamen eher unwahrscheinlich. Gülsen Sariergin schafft es - unter der Bedingung, dass sie die geplanten 42 Wohneinheiten vor Bau beginn vermietet.

Der Betreuungsmarkt wächst und mit ihm die Nordseepflege - und die Sorgen der Chefin

Für 70 Cent pro Stück kauft sie in einem Papiergeschäft Mietvertragsformulare, schaltet im örtlichen Anzeigenblatt eine Annonce und führt in den folgenden Wochen immer wieder Beratungsgespräche mit alten Menschen und deren Angehö rigen. "Ich zog mit den Grundrissen von Tür zu Tür, und wenn mich jemand fragte, ob denn die Finanzierung für den Bau überhaupt schon stünde, dann lächelte ich nur tapfer - und log, dass alles zu hundert Prozent von der Sparkasse abgesichert sei." Der Stress des Bluffens und die Angst, ihren Ruf zu ruinieren, falls das Projekt scheitern sollte, machten sie krank: Sie litt unter Schlafstörungen und knirschte nachts so stark mit den Zähnen, dass sie sich verschoben. Nach zwei Monaten jedoch konnte sie ihrem Bankberater 42 unterschriebene Mietverträge auf den Tisch legen, nach weiteren zwei Monaten Warte- und Leidenszeit bekam sie vom Vorstand grünes Licht.

Für die ersten beiden Jahre nach Fertigstellung des Hauses zog die Unternehmerin im eigenen Betrieb ein. In der kleinsten Wohnung übernahm sie regelmäßig nachts die Rufbereitschaft und erinnert sich: "Oft bin ich im Pyjama los, wenn einer der Bewohner geklingelt hat."

Ihre Imbisswagenkette hatte sie inzwischen verkauft, jeden Dienstag stand die Fortbildung zur Pflegedienstleitung (PDL) auf dem Programm. Das Logo für die Nordseepflege entwarf sie eigenhändig am Computer, einen Grafikdesigner konnte sie sich nicht leisten, eine Geschäftsführerin, die ihr hilft, den Laden zu leiten, auch erst viele Jahre später.

Inzwischen hat Sariergin etliche Einrichtungen gegründet. Zuerst 2004 in Bremerhaven einen Ableger ihres mobilen Pflegedienstes, dann übertrug sie 2007 ihr Konzept des betreuten Wohnens aus Bremerhaven auf ein zweites Haus in Cuxhaven. Dort hat sie im Oktober 2009 auch den Grundstein für ihr jüngs tes Projekt gelegt: eine Einrichtung zur Tagespflege - ebenso wie das betreute Wohnen ein modernes Konzept der Altenbetreuung. Die Tagespflege eignet sich beispielsweise für Paare, bei denen ein Partner nicht mehr allein zu Hause bleiben kann. Er kann dann an einzelnen Wochentagen tagsüber in eine solche Einrichtung gebracht werden, bekommt dort Mittagessen, wird beschäftigt - während der gesunde Partner genügend Zeit hat, um einzukaufen oder einen Arzt aufzusuchen. Mit der Pflegeversicherungsreform 2008 wurden die gesetzlichen Beihilfen für die Tagespflege erhöht, Sariergin erkannte einen neuen Markt und entschloss sich, die entsprechende Dienstleistung anzubieten. Im Juni 2010 wird sie in Cuxhaven so weit sein.

Mit jedem neuen Projekt wachsen für die Einzelunterneh merin die Investitionen, und damit wächst auch die Verantwortung. Ihr bislang größtes Vorhaben will sie 2011 fertigstellen: Im Frühjahr 2009 gewann sie eine europaweite Ausschreibung des Klinikums Bremerhaven für ein Patientenhotel.

Dort werden Patienten nach einem Klinikaufenthalt unter gebracht und von Ärzten umsorgt. Die Kosten übernimmt in der Regel die Krankenkasse. Solche Einrichtungen sollen einerseits dafür sorgen, dass Krankenhausbetten schneller wieder frei werden, andererseits den gefürchteten Drehtüreffekt verhin dern, der dafür sorgt, dass zu früh nach Hause geschickte Patienten schnell wieder in genau diesen Krankenbetten landen. Sariergin geht von Investitionen von acht bis neun Millionen Euro aus und sagt: "Es geht mir nicht ums Geldverdienen. Ich schränke mich eher mit jedem neuen Projekt weiter ein, was meine persönlichen Ausgaben betrifft. Ich hafte als Unternehmerin mit allem, was ich habe, und meine Angst, was ich meinen Mitarbeiterinnen erzählen soll, wenn ich mal meinen Raten nicht zahlen kann, ist viel zu groß."

Die intakte Gemeinschaft im Pflegeheim ersetzt die Verwandten

Derzeit sind alle Häuser der Nordseepflege in Bremerhaven und Cuxhaven voll belegt, es gibt sogar Wartelisten. Selbstverständlich ist das nicht. Das Gerede von der Altenpflege als "krisen sicherer Branche" mag Sariergin nicht mehr hören. "Es gibt genügend insolvente Pflegeheime. Das können Sie in jedem Handelsregister nachlesen. Es gibt einfach gute und schlechte Pflegeheime, wie es gute und schlechte Imbissbuden gibt."

Da es für Dienstleistungen wie betreutes Wohnen wenige festgeschriebene Qualitätsstandards oder amtliche Zertifizierungen gibt, hat sich Sariergin kürzlich von einem unabhängigen Unternehmen prüfen lassen. Als erster deutscher Pflegedienst überhaupt wurde die Nordseepflege im Juni 2009 mit fünf Sternen ausgezeichnet. Da es sich bei der Organisation "Sterne für Pflegedienste" jedoch um eine Initiative des privatwirtschaftlichen Fachverlags Vincentz handelt, war die Prämierung kostenpflichtig. Eine Tatsache, die Sariergin auch Kritik und den Vorwurf einbrachte, die Auszeichnung sei käuflich.

Noch heute kennt die - inzwischen "glücklich geschiedene" -Gülsen Sariergin jeden, den sie in ihren Häusern trifft. Ob es Bewohner sind wie der Hobbymaler Hans Jahnke, der sich nicht von seinen selbst gemalten Ölbildern trennen konnte (nun schmü cken sie ordentlich gerahmt die Flure in Cuxhaven) - oder Ange hörige der Senioren. Sie weiß, wer oft Besuch bekommt, und muntert diejenigen auf, um die sich niemand mehr kümmert. Ebenso weiß sie, dass die Gemeinschaft des betreuten Wohnens, die Bastelnachmittage, die gemeinsamen Mahlzeiten oder das Beisammensitzen für die Bewohner ebenso wichtig sind wie Besuch von Verwandten.

Nur das Verhältnis zu ihrer eigenen Familie bleibt für Sariergin schwierig. "Privat verstehen wir uns inzwischen wieder gut. Aber beruflich ist mein Vater immer noch gekränkt und eifersüch tig. Dass er stolz ist auf mich und auf das, was ich erreicht habe, hat er mir kein einziges Mal gesagt." Macht nichts, sagt sie. Vielleicht, weil sie das Leben führt, das er selbst gern gelebt hätte. Lob komme von anderen Leuten genug.

Dann wechselt sie das Thema. -

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Nachtrag: Wir haben Gülsen Sariergin im Oktober 2009 besucht, der Artikel erschien Ende Dezember 2009. Ungefähr zu dieser Zeit muss die damalige Chefin der Nordseepflege mit einem systematischen Abrechnungsbetrug begonnen haben, bei dem sie nicht erbrachte Pflegeleistungen in Rechnung stellte. Das Bremer Landgericht verurteilte Frau Sariergin im November 2016 deshalb zu einer Gefängnisstrafe von fünf Jahren. Sie hatte im Lauf des Verfahrens gestanden, in den Jahren 2009 bis 2016 in über 900 Fällen vorsätzlich falsch abgerechnet zu haben. Den Kassen und Sozialträgern entstand dadurch ein Schaden von rund 600.000 Euro.