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Das geht - Robocop aus Pankow

Warum sollte ausgerechnet in Berlin-Pankow der erste Sicherheitsroboter vom Band laufen? Darum.




Die Zukunft sieht aus wie ein Ascheimer, jedenfalls die von Jens Hanke und Ulf Stremmel. Die beiden haben den ersten serienmäßig gefertigten Sicherheitsroboter der Welt konstruiert: Mosro 1, zylinderförmig, 1,18 Meter groß und 25 Kilo schwer. Er wird von der Berliner Firma Robowatch Technologies hergestellt, die sich auf intelligente Service- und Sicherheitsroboter spezialisiert hat.

Jens Hanke, Entwickler und Chef von Robowatch, bastelte, ganz klassisch, in seiner Garage den ersten Prototypen, ging mit ihm auf Investorensuche und traf auf Menschen, die nicht an seine Idee glaubten. Dann traf er Ulf Stremmel. Und siehe: Die genialisch visionäre Welt des Tüftlers hatte eine Schnittmenge mit der bodenständigen, durchstrukturierten des Managers Stremmel.

Der leicht kantige Robowatch-Slogan, Jedes Resultat beginnt mit einer Vision" trifft exakt, was die Firma im Innersten zusammenhält und für ihren Erfolg sorgt. Das Fraunhofer-Institut jedenfalls lobt die Wachroboter wegen ihrer Effizienz in Sachen Preis-Leistung. Und mehr noch: Inzwischen hat Robowatch nicht nur die Aufmerksamkeit einiger Fachleute erregt, auch international ist er bekannt. Was kein Wunder ist - Geschäftsführer Stremmel kommt aus der Sicherheitsbranche und weiß, wonach der Markt verlangt: nach intelligenten Maschinen, die übermüdetes Wachpersonal bei ihrer monotonen Arbeit unterstützen und gefährliche Jobs erledigen. Zeit also für einen mobilen Sicherheitsroboter, kurz: Mosro. Der erste wurde vor einem Jahr verkauft. Inzwischen rollen 40 Exemplare durch Werkshallen und Firmengebäude, um sie zu bewachen. Sicherheitsdienstleister wie die Schweizer Securitas haben bereits einige Exemplare geordert, DaimlerChrysler und BMW testen sie, auf dem Gelände von BASF und der Berliner Messe sind sie im Dauereinsatz.

"Der lernfähige Roboter hat auch ohne sich zu bewegen eine Fläche von etwa 1000 Quadratmetern im Blick", erklärt Hanke. In Schrittgeschwindigkeit patrouilliert er bis zu 18 Stunden auf einer vorher gelernten Strecke. Die behält er durch ein dem neuronalen Netz des Menschen nachempfundenen Algorithmus. Seine Radar-Sensoren melden ungewöhnliche Bewegungen, Gas, Rauch, Schall, Gerüche - das Gerät kann mit bis zu 240 Sensoren ausgestattet werden. Unterstützt wird der automatische Wachdienst von Infrarot-Bewegungsmeldern und einer Kamera, sodass Menschen auch anhand ihres Wärmebildes erkannt werden - also früher, als jeder Wachmann es könnte. Alles Informationen, die längst an die Zentrale weitergegeben sind, bevor ein Eindringling den Blechmann außer Gefecht setzen könnte. Etwaige Störer fordert Mosro vorher mit einer sehr netten weiblichen Stimme in bis zu 24 Sprachen auf, sich mit Fingerabdruck zu identifizieren. Gelingt dies nicht, schlägt er mit seiner Sirene Alarm. Die digitale Petze kostet in der Basisversion für den Innendienst 15 400 Euro. 50000 Euro muss man für die wetterfeste und geländegängige Variante bezahlen.

Gerade mal 20 Mitarbeiter beschäftigt Robowatch, davon sind 15 Physiker, Informatiker und Maschinenbauer - die Entwicklungsmannschaft. Produktion, Vertrieb und Wartung wurden ausgelagert, allein die Endabnahme geschieht im Haus. "So können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: die Entwicklung", erklärt Stremmel. Die UN-Wirtschaftskommission für Europa (UNECE) rechnet bis zum Jahr 2005 mit einer starken Verbreitung von Service-Robotern im professionellen und privaten Bereich. Derzeit wuseln laut UNECE etwa 177000 Putz-, Mäh- und Spielroboter herum. 2005 sollen es zwei Millionen sein. Eine schrumpfende Wirtschaft schadet da nicht: Roboter sparen teures Personal ein. Um von dem prognostizierten Boom zu profitieren, soll Mosro auch für den Heimanwender angepasst werden, ein am PC steuerbares, via SMS und Handy seiner Wach- und Meldepflicht nachkommendes Haustier.

Es herrscht Optimismus: Allein im Januar gingen für 1,3 Millionen Euro Aufträge ein, überwiegend aus dem Ausland. Für das laufende Jahr sind fünf Millionen Euro Umsatz angepeilt, im nächsten Jahr soll in zweistellige Sphären vorgedrungen werden. Egal, wie groß der Erfolg sein sollte, mehr als 50 Mitarbeiter wird Robowatch wohl nie zählen. Mit dem Thema Lohnarbeit sollen sich andere herumschlagen. Da ist es nur konsequent, dass die Geschäftsführer auf eine repräsentative Firmenzentrale verzichten. Bei allem hat Ulf Stremmel immer ein Ideal im Hinterkopf: "Bewunderns- und erstrebenswert finde ich Drei-Mann-Unternehmen, die Milliarden umsetzen."

Keine Frage: Robowatch will mit möglichst wenig Aufwand am großen Rad drehen. Und die entworfene Zukunft der Sicherheitstechnik sieht nicht schlecht aus. Roboter Mosro wurde für seine Form mit dem Red Dot Award für herausragendes Industriedesign ausgezeichnet - von wegen Ascheimer.

Kontakt:
Robowatch Technologies GmbH,
Pankstraße 8-10, Haus C,
13127 Berlin
Telefon: 030/47 49 88 60,
Fax: 030/47 49 88 66,
info@robowatch.de,
www.robowatch.de