Partner von
Partner von





Biomediziner haben zurzeit zwei erklärte Feinde: den HIV-Virus und den Malaria-Erreger. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass sie den Kampf gewinnen.

Impfstoffe haben eine dramatische Entwicklung durchgemacht, seit der Landarzt Edward Jenner entdeckte, dass man Rinder vor Pocken schützen konnte, wenn man ihnen eine kleine Wunde in den Arm ritzte und sie mit den Erregern in Kuhpocken-Eiter infizierte. Dank Schutzimpfungen sind viele gefährliche Kinderkrankheiten ausgerottet worden. Die Pocken gelten seit 25 Jahren als besiegt, und es bestehen gute Chancen, dass Kinderlähmung (Polio) im kommenden Jahr ebenso ein abgeschlossenes Kapitel in der Medizingeschichte werden könnte. Damit wäre eine weitere tödliche Krankheit von der Erde verschwunden.

Nach 20 Jahren Aids-Forschung gibt es nun Hoffnung

Zwei weitere spektakuläre Durchbrüche sind zu erwarten oder zumindest zu erhoffen. Gegenwärtig werden Impfstoffe gegen zwei der schlimmsten Plagen der Welt entwickelt: Aids und Malaria. Das kommende Jahr wird über ihren Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Das HIV-Virus wurde vor 20 Jahren entdeckt, und in dieser Zeit gab es dutzende von ernsthaften Versuchen, einen Impfstoff gegen HIV zu finden. Dieses Virus hat sich als besonders schwieriges Angriffsziel herausgestellt, da es schnell mutiert - ein Impfstoff gegen eine Variante wirkt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gegen andere Varianten. Das Virus integriert sein Erbgut in die Chromosomen menschlicher Zellen und tarnt sich so vor Attacken des menschlichen Immunsystems. Schließlich dringt das Virus in genau jene Zellen ein, die die Vorhut der körpereigenen Verteidigung bilden.

Bislang hat nur ein Impfstoff die dritte und letzte Phase einer klinischen Studie erreicht, die beweisen kann, ob er gegen HIV wirkt. Die Ergebnisse dieses Versuchs sollen im kommenden Jahr veröffentlicht werden und sind ein Meilenstein im Kampf gegen einen Erreger, der bisher mehr als 21 Millionen Menschen getötet und weitere 40 Millionen infiziert hat. Margaret Johnson vom britischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases warnt: "HIV breitet sich weiterhin in vielen Teilen der Welt ungebremst aus. Die größte Hoffnung, diese Ausbreitung zu stoppen, ist ein sicherer und wirksamer HIV-Impfstoff."

VaxGen, eine Firma aus dem kalifornischen Brisbane, begann die Phase III seiner klinischen Studie für einen Aids-Impfstoff bereits 1998. Die Studie ist in zwei Abschnitte unterteilt: Am ersten Abschnitt nehmen 5400 Personen in Nordamerika, Puerto Rico und den Niederlanden teil, am zweiten 2500 Freiwillige in Bangkok, dem Epizentrum der Aids-Epidemie in Thailand.

Beim ersten Versuch wurde ein so genannter zweiwertiger Impfstoff verwendet, der zwei Varianten des HIV-Virus, Typ B, angreifen soll, der in Nordamerika und Westeuropa vorherrscht. Die ersten Resultate werden Anfang 2003 ausgewertet. Der zweite Abschnitt der Studie in Thailand nimmt zwei HIV-Varianten ms Visier, die in Südostasien und den Anrainerstaaten des Pazifiks verbreitet sind. Die Ergebnisse der asiatischen Studie werden gegen Ende des Jahres erwartet.

An Tieren wirkt das Serum, aber erst der Test am Menschen entscheidet

Der Impfstoff basiert auf einem gentechnisch hergestellten Stück der Proteinmembran, die das Virus umgibt. In ersten Tierversuchen erwies sich das Serum als sicher und wirksam. Aber erst die Wirkung am Menschen zählt. Einige der Freiwilligen werden mit dem Impfstoff behandelt, einige mit einem Placebo. Niemand in dem Doppel-Blindversuch mit Placebo-Kontrollgruppe weiß, wer welche Substanz erhalten hat, bis Anfang 2003 die Ergebnisse ausgewertet sind. VaxGen muss eine Reduzierung der Infektionsrate in der geimpften Gruppe um 45 bis 65 Prozent vorweisen, um die Zulassung von der amerikanischen Arzneimittelaufsicht FDA zu erhalten.

Wissenschaftler warten gleichzeitig mit Spannung auf den Ausgang einer zweiten klinischen Studie - gegen Malaria, eine der ältesten Geißeln der Menschheit. Wie bei Aids haben sich viele Erfolg versprechende Versuche als Sackgassen herausgestellt. Eine neue Methode, mit deren Hilfe ein Impfstoff aus DNS-Fragmenten anstelle von Protein-Fragmenten hergestellt wird, gibt neue Hoffnung. Ein DNS-Impfstoff könnte die perfekte Antwort auf Malaria sein, da sich der komplexe Parasit bislang als besonders hartnäckig gegen Impfungen erwiesen hat. Der Durchbruch erfolgte 2002, als der genetische Code des Erregers und der Mücke, die ihn überträgt, entziffert wurden.

In Gambia proben Wissenschaftler den präzisen Angriff auf Malaria-DNS

Herkömmliche Impfungen bringen dem Körper bei, ein angreifendes Virus oder einen Mikroorganismus anhand bestimmter Proteine auf seiner Schutzhülle zu identifizieren. DNS-Impfstoffe hingegen trainieren die körpereigenen Killer, die so genannten T-Zellen, ein gefährliches Stück der DNS des Malaria-Parasiten zu erkennen. Der Impfstoff veranlasst das Immunsystem nur jene paar Dutzend aus Milliarden von Leberzellen zu identifizieren, die von dem Parasiten befallen sind. Mit dieser Information bewaffnet, können die T-Zellen ein präzise Attacke gegen die erkrankten Zellen starten.

Ein Team von Forschern an der Universität Oxford hat unlängst einen ersten Feldversuch mit einem DNS-Impfstoff gegen Malaria begonnen. Von 350 Bewohnern eines Dorfes im westafrikanischen Gambia, wurde die Hälfte mit dem neuen Serum geimpft, die andere Hälfte erhielt Impfungen gegen Tollwut. Anfang 2003 werden sich erste Ergebnisse ablesen lassen. Sollten die Nachrichten schlecht ausfallen, haben die Immunologen dennoch einen weiteren Schritt nach vom getan.