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Die Krise der Computer-Industrie ist vorbei. Im Silicon Valley werden jetzt zwar kleinere Brötchen gebacken – aber Geist und Kapital sind schon in neue Hightech-Gefilde aufgebrochen.

Die Hightech-Industrie darf auf bessere Zeiten hoffen. Computerfirmen geben das Tempo vor, denn so schlank und hungrig waren sie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Im nächsten Jahr wird Hewlett-Packards Fusion mit Compaq erste Früchte tragen. IBM wird seinen Umbau vom Computerhersteller zum Anbieter von Dienstleistungen vollenden. Und Sun Microsystems wird endlich seine Vision "Das Netzwerk ist der Computer" mit einem Netzwerk-Betriebssystem in die Tat umsetzen, das alles mit jedem verbindet.

Auf der anderen Seite des Pazifiks haben japanische Firmen ihre Halbleiterfertigung bald so weit rationalisiert, dass sie Chipherstellern in Korea und den USA das Fürchten lehren werden. Fabriken in Taiwan, die Laptops für alle großen Marken herstellen, profitieren davon, dass tragbare Rechner mit den neuen Wi-Fi-, Bluetooth- und anderen drahtlosen Funktionen die Desktop-Ungetüme endgültig ablösen. Derweil wird Dell mit seinem Sortiment, das von Druckern über Server-Rechner bis zu persönlichen Organizern reicht, der Konkurrenz weiter die Butter vom Brot nehmen. Im eCommerce werden nach dem Sterben der letzten Dotcom-Goldgräber vernünftige Gewinne gemacht.

Ihren Tiefpunkt erreichte die IT-Rezession im vergangenen Sommer. Wenn der Kassensturz für 2002 vorliegt, dürften die Umsätze für Informationstechnologie und Dienstleistungen weltweit höchstens um vier Prozent zugelegt haben. 2003 könnten es neun Prozent werden. Dank einer ganzen Palette neuer Computer, Programme und Chips würde die Branche erstmals die Schallmauer von einer Billion Dollar durchbrechen.

Für den Arbeitsmarkt allerdings gibt es keine Entwarnung. Seitdem die Hightech-Blase im Frühjahr 2000 platzte, sind im Silicon Valley mehr als 100000 Jobs verschwunden. Früher kam dort jeder unter, der noch einen fühlbaren Puls hatte. Heute liegt die Arbeitslosenquote bei 7,6 Prozent, das ist deutlich höher als der US-Landesdurchschnitt von 5,7 Prozent. Und das wird sich so schnell nicht ändern, denn auch wenn das Geschäft besser läuft, werden die Unternehmen nicht im großen Stil neues Personal einstellen.

Ein interessantes Indiz für die Konjunktur in der Bucht von San Francisco sind die Verkehrsstaus. Die gingen vergangenes Jahr um zwölf Prozent zurück - der stärkste Rückgang, seit Kalifornien 1981 damit begann, Stau-Statistiken zu führen. Traurig, aber wahr: Der Verkehr wird wohl auch im kommenden Jahr in Silicon Valley erschreckend gut fließen.

Sicher ist, dass die Telekom-Firmen nicht zur Erholung der IT-Branche beitragen werden. Erst wuchsen die Unternehmen schneller als alle anderen, um dann ebenfalls schneller als alle anderen wieder zu schrumpfen. Und sie haben das Schlimmste noch nicht hinter sich. Nachdem die Vereinigten Staaten 1996 ihre örtlichen Telefonmärkte deregulierten, schuf die Branche in vier Jahren 330000 neue Arbeitsplätze. Der folgenden Krise in der Telekommunikationsbranche fielen dann mindestens eine halbe Million Jobs in Amerika - oder jeder achte Arbeitnehmer - zum Opfer. Die Branche steht weltweit mit einer Billion Dollar in der Kreide und sitzt auf gewaltigen Überkapazitäten. Einigen Experten zufolge besteht bis mindestens 2007 kein Ausbaubedarf.

So wie die Autostadt Detroit wird auch das Silicon Valley die Krise meistern

Die Karawane der Erfinder ist längst in neue Gefilde weitergezogen: Genomik, Bioinformatik, Neuro-Silikate und Nanotechnologie. Das Gros des Risikokapitals fließt zwar nach wie vor in die Software-Industrie, aber ihr Anteil am Kuchen schrumpft ebenso wie der der Halbleiter-Industrie. 30 Prozent des Risikokapitals kommt bereits Biotech-Firmen zugute. Zu den neuen Favoriten der Risikokapitalgeber haben sich Nanotech-Unternehmen gemausert. Im Jahr 2001 bekamen sie vier Milliarden Dollar, in Jahr 2003 wird es doppelt so viel sein.

In den USA entstehen bereits neue Hightech-Regionen, zum Beispiel auf dem Küstenstreifen zwischen San Diego und Los Angeles, wo gegenwärtig viele neue Genomik-Firmen ihre Labors und Büros einrichten. Diese Entwicklung bedeutet allerdings nicht das Ende für Silicon Valley. So wenig, wie der Siegeszug japanischer Fahrzeuge in den USA vor ein paar Jahrzehnten die Autohochburg Detroit zerstörte. Sicher werden die großen Namen der IT-Welt ein paar Dinge dazulernen müssen. Einige werden unter die Räder kommen, aber es ist keine Frage, dass die Überlebenden aus dem Feuersturm einer Rezession gestärkt hervorgehen werden.