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Die Skandale um Enron und Worldcom, gierige Investmentbanker und fragwürdige Bilanzierungspraktiken haben den Ruf der Banken auf globaler Ebene ziemlich lädiert. Nun müssen sie aufräumen.

In 2003 müssen die meisten Geldhäuser ihr Geschäftsmodell neu erfinden. Im Gefolge der Enron-Pleite droht ihnen eine beispiellose Prüfung ihrer Geschäftspraktiken. Auch für ihren eher laxen Umgang mit Interessenkonflikten werden sie sich rechtfertigen müssen. Viele von ihnen offenbaren ein erstaunliches Geschäftsgebaren - ohne das die Bankbilanzen in den achtziger und neunziger Jahren weit weniger glorreich ausgefallen wären.

Das betrifft komplexe Unternehmen wie die Citigroup oder J. P. Morgan Chase genauso wie Investmentbanken oder Maklerfirmen. Geschäftspraktiken, die noch 2002 gebilligt und sogar beklatscht wurden, sind im Jahr 2003 undenkbar - etwa die Genehmigung zinsgünstiger Kredite mit der Erwartung, dafür lukrative Banking-Gebühren hereinholen zu können. Aktienoptionen, die einst als effektives Mittel galten, um Mitarbeiter zu motivieren, erscheinen plötzlich verdächtig. Der Druck, sie als Ausgabeposten ehrlicher zu verbuchen, wächst. Die Konjunkturflaute seit Ende 2001, das gesunkene Handelsvolumen an den Börsen und der Rückgang tollkühner Fusionen und Akquisitionen haben die Profitabilität vieler Institute unterhöhlt, insbesondere solcher mit kleineren Marktanteilen.

Bankenchefs, die vom Absturz ihrer Aktien und Marktkapitalisierung peinlich berührt sind, suchen nach Wegen, um aus jenen Geschäftszweigen auszusteigen, die Analysten als Verlustbringer brandmarken. So verabschiedete sich die Deutsche Bank 2002 vom Geschäft der Wertpapier-Verwahrung, das einst ein Markenzeichen der großen Banken dieser Welt war. Andere Gruppen stießen ihre Einheiten für Vermögensverwaltung und das Versicherungsgeschäft ab, mit Ausnahme von Lebensversicherungen. Viele erkannten, dass Private Banking für wohlhabende Kunden schwieriger auszubauen ist, als sie noch im Vorjahr annahmen, in dem dieses Geschäft noch als der nächste große Trend gehandelt wurde.

Die größten Banken kämpfen mit der Erkenntnis, dass umso mehr schief gehen kann, je größer sie werden und je mehr Unternehmen und Investoren sie bedienen. Im neuen Jahr werden sie ihre Geschäftszweige entwirren und Teile verkaufen oder an Dritte als Auftragsarbeit vergeben.

Gleichzeitig stehen ihnen eine wachsende Zahl von Schuldnern ins Haus, die mit Umsatzeinbrüchen kämpfen oder denen gar der Konkurs droht. Umschuldungen nehmen bei den Banken immer mehr Zeit in Anspruch. Solche Umschichtungen sind auf Grund des komplexen Geflechts der widerstreitenden Ansprüche von Aktionären, Inhabern von Anleihen, Zulieferern, von Kreditversicherungen und Banken schwieriger geworden. Erschwerend kommt hinzu, dass einige der Leute am Verhandlungstisch gar nicht die Rettung eines Unternehmens im Sinn haben: Wer eine Kreditversicherung erwirbt, kann beispielsweise vom Kollaps einer Firma profitieren.

Die Antwort auf die Frage, wie eine Bank ihre Risiken verwaltet, lässt sich nicht länger vertagen. Schuldner, so viel ist sicher, werden sich auf weit weniger wohlwollende Behandlung und Betreuung von ernüchterten Geldgebern einstellen müssen.

Immerhin: Kredit-Derivate, eine Methode, um das Kreditrisiko in feine Scheibchen zu schneiden und an Kapitalmärkten zu handeln, sind für die verschiedensten Banken zu einem blühenden Geschäft geworden, in dem sie als Emissionshaus oder als Käufer auftreten. Die Profis sind überzeugt, dass dieser Markt auch 2003 weiter wachsen wird, da es noch keine Anzeichen für eine Nachfragesättigung gibt. Aber dieses Wachstum wird das gestörte Verhältnis zwischen Banken - den klassischen Kreditgebern - und ihren Kreditnehmern weiter verwischen. Wer mit Kredit-Derivaten handelt, will sein Geschäft natürlich in Schwung halten. Und wer an solchen Papieren verdient, egal, ob ein Schuldner überlebt oder nicht, und gleichzeitig Kredite vergibt, manövriert sich ins Dilemma. Wenn man diese Praxis bis zum Ende denkt, verlieren Banken so ihre Sonderrolle in der Volkswirtschaft und ihre Funktion als ein Puffer, der Firmen über schwierige Konjunkturlagen hinweghilft.

Das wirft die Frage auf, wie sich das Verhältnis zwischen Banken und Politik entwickeln wird: Großbanken besitzen so etwas wie eine unausgesprochene Regierungsgarantie, da auch die Politik ihren Kollaps nicht riskieren kann. Zudem nehmen die Banken eine willkommene anti-zyklische Korrekturfunktion wahr, weil sie mit ihren Krediten Unternehmen auch in schlechten Zeiten stützen. Geben sie diese Rolle auf und lassen sie sich genauso vom Markt treiben wie Makler und Hedge Fonds, denen egal ist, ob eine Firma oder ein Schuldner überlebt, dann müssen Regierungen ihr stillschweigendes Garantieverprechen überdenken.