Partner von
Partner von





Kombibox nennt Sonja Alhäuser die Kombination aus Bild, Objekt und ess- beziehungsweise trinkbarer Verführung. Das Bild, eine handkolorierte Lithografie, dient als Gebrauchsanweisung und ist zugleich Tür zu einem Gehäuse aus Kirschholz, das die abgebildeten Objekte der Begierde beherbergt.

Wir sehen, wie Vanille, Nelken, Apfelscheiben, Zimt und Zucker in einen Topf wandern und eingekocht werden. Darunter sind zunehmende, volle und wieder abnehmende Monde abgebildet als Piktogramme für die Zeit, in der die aus dem würzigen Sud gefilterte Flüssigkeit in einer Flasche zusammen mit 45-prozentigem Alkohol zieht, bis sie dann als fertiger Likör in die Kombibox wandert. Dazu kommen drei Trinkhörnchen aus Zartbitter-Schokolade, innen mit den Farben Grün, Gelb und Rot und außen mit entsprechenden Emblemen versehen. Die Formen für Flasche und Trinkhörnchen sind aus dem massiven Holzkörper ausgespart - er erinnert an ein Schmuckkästchen oder an ein rituelles Gefäß.

Es folgt die Gebrauchsanweisung für die Phase des Verzehrs. Doch bevor wir uns für eines der drei Trinkhörnchen entscheiden, sollten wir noch über die Farbsymbolik der Künstlerin Bescheid wissen: Grün steht für Hoffnung, Wachstum und Verbesserung, Gelb für Freude, Glück und Spaß, Rot schließlich für Sinnlichkeit und Erotik. Und außerdem sollten wir wissen, dass vom Likör der Sonja Alhäuser eine leicht enthemmende und auch aphrodisische Wirkung ausgeht.

Nachdem wir nun unseren Wunsch getan haben, wird der Likör in das entsprechende Schokoladenhörnchen gegossen und ausgetrunken. (Den Kopf dabei bitte weit in den Nacken legen!) Zum Abschluss des Rituals, den Sonja Alhäuser Versiegelung nennt, wird das Schokoladenhörnchen gegessen. Ende der Geschichte? Nein, auch vor dem Verdauungsvorgang macht Sonja Alhäuser nicht Halt, wir sehen, wie das Hörnchen zusammen mit dem Likör in den Magensäften versinkt. Herstellen, Verzehren und Verdauen, Werden und Vergehen gehören zum ewigen Kreislauf des Lebens - und zur Kunst von Sonja Alhäuser.

Ob unsere drei Wünsche in Erfüllung gehen, wer weiß? Dass richtiges Wünschen gar nicht einfach ist, zeigt uns das gleichnamige Märchen. Was uns bleibt, ist das Bild im Kirschholzrahmen als Erinnerung an jene drei Wünsche für das Jahr 2003.