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Reiche Länder können sich eine Menge leisten. Zum Beispiel eine Landwirtschaft, die sechsmal so viel Geld verschlingt wie ihre Entwicklungshilfe.

Eckdaten Subventionen:

Europa lässt seinen Landwirten im Jahr knapp 93 Milliarden Euro an Subventionen zukommen. Das radiert jeglichen positiven Effekt der 25 Milliarden Euro an Entwicklungshilfe an die Dritte Welt aus.

Die USA hat radikale Pläne, die Exportunterstützung für Agrarprodukte abzuschaffen sowie Schutzzölle und Subventionen für Landwirte weltweit zu reduzieren. Damit ließen sich fast 100 Milliarden Euro an handelsverzerrenden Fördermitteln einsparen, der durchschnittliche weltweite Zoll auf Agrarprodukte sänke von 62 auf 15 Prozent.

Der Stahlmarkt ist einer der am meisten protektionierten Märkte der Welt. George Bushs Entscheidung, auf Importe 30 Prozent Zoll zu erheben, hat die Lage nur verschlimmert: Sie sorgte für eine Erhöhung der Stahlproduktion im Inland um 11,6 Prozent und damit für ein noch größeres Überangebot. Die US-Regierung schlägt jetzt die weltweite Abschaffung von Subventionen vor, da die Branche ihrer Meinung nach unter 200 Millionen Tonnen überschüssiger Kapazität leidet. Die Entwicklungländer werden allerdings erst einmal abwarten, ob die US-Zölle gesenkt werden, bevor sie ihre Subventionspolitik ändern.

Eine der großen Ungerechtigkeiten dieser Welt ließe sich leicht beheben, reduzierte man die Zuschüsse reicher Länder an ihre Landwirte. Wohlhabende Staaten schützen ihre Agrarsektoren mit Zollbarrieren gegen Nahrungsimporte und Anbauprämien für ihre Bauern - entweder in bar oder durch künstlich gestützte Preise. Die Summen, um die es geht, sind ungeheuerlich. EU-Kühe bekommen mehr Unterstützung (Subventionen plus Schutzzölle), als die Hälfte der Weltbevölkerung zum Leben hat. Ein Drittel des Einkommens aller Bauern in der Ersten Welt stammt heute aus Subventionen. Im Jahr 2001 zahlten die westlichen Agrarländer umgerechnet 282 Milliarden Euro an Agrarunterstützungen - sechsmal so viel wie ihre gesamte Entwicklungshilfe.

Solch unverblümter Protektionismus hat eine ganze Reihe schädlicher Nebenwirkungen. Entwicklungsländer können ihre Ernten nicht mehr an die EU, die USA und Japan verkaufen. Schlimmer noch: Subventionierte Lebensmittel verderben die Preise in ärmeren Ländern und drängen einheimische Bauern aus dem Geschäft. Die Subventionspolitik ist zudem ein gewaltiger Betrug. Eine durchschnittliche vierköpfige Familie in der EU zahlt Woche für Woche 26 Euro an Steuern und unnötig hohe Preise für Nahrungsmittel.

Der weitere Erfolg der 2001 in Doha, Kuwait, begonnenen Handelsgespräche hängt davon ab, dass diese Preiskontrollen wenigstens in Ansätzen abgebaut werden. Die Europäische Kommission (EK) und die amerikanische Regierung haben Vorschläge unterbreitet, sind aber auf den Widerstand der Agrarlobbys gestoßen. Französische Bauern, die größten Profiteure der EU-Subventionspolitik, werden besonders rabiat, wenn sie um ihre Pfründe fürchten.

Man sollte sich immer vor Augen halten, dass fast alle gewinnen, wenn der Agrar-Protektionismus fällt. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass eine weltweite Liberalisierung der Landwirtschaft sofort ein Wachstum von rund 120 Milliarden Euro freisetzen würde und noch mehr in den Folgejahren.