Partner von
Partner von

Visionen der sechziger Jahre

Vision 01-2000/Die Weltstadt

Aus der Sicht der Menschen der sechziger Jahre musste die Welt im Jahr 2000 mit einem massiven Bevölkerungsproblem kämpfen. Die UNO rechnete damals die mögliche Weltbevölkerung im 21. Jahrhundert auf 15 bis 19 Milliarden Menschen hoch.




Als Folge der Überbevölkerung prophezeite Paul Ehrlich („The Population Bomb”, 1968) Hungersnöte und Seuchen und regte dadurch Städteplaner zu ungewöhnlichen Konzepten an. Das Bemerkenswerteste ist wohl das Projekt „Ecumenopolis“ des griechischen Städteplaners und UN-Beraters Constantinos Doxiadis, das Ende der sechziger Jahre entstand.

Um die Menschheit zu retten, wollte er die Erde des Jahres 2000 in drei Reservate einteilen: in eine „Naturzone”, die praktisch unbevölkert bleiben sollte und die Hälfte der Erdoberfläche einnehmen müsste. Trinkwasservorräte und die für die Biosphäre nötigen Grünflächen sollten hier unter dem Schutz der UN stehen. Nahrungsmittel würden in einer „Landwirtschaftszone“ mit einer Bevölkerung von maximal zwei Milliarden Menschen produziert. Diese Agrarflächen würden 45 Prozent der Landmasse einnehmen. Nur der Rest, fünf Prozent der Fläche, würden für mehr als 90 Prozent der Menschen als Habitat zur Verfügung stehen: eine „Universalstadt-Zone„, eine weltumspannende Stadt mit dem Namen Ecumenopolis. Bis zu 15 Milliarden Menschen sollte diese Weltstadt zählen.

Tatsächlich wurde am 15. Oktober 1999 der sechsmilliardste Erdenbürger geboren. Nach den aktuellen UN-Prognosen werden zur Mitte dieses Jahrhunderts höchstens 8,9 Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Kein Grund, in den Untergrund zu gehen, wie dies Herman Kahn der Menschheit 1967 empfahl: Zur Schonung der Umwelt erdachte der berühmteste Zukunftsforscher des 20. Jahrhunderts die düstere Vision unterirdischer Wohn- und Arbeitsstädte.

Vision 02-2000/Architektur

Um so viel ökologischen Lebensraum wie möglich zu erhalten, mussten nach den Konzepten der sechziger Jahre so viele Menschen wie möglich auf so wenig Platz wie möglich leben. Die Idee der „Wohnmaschine“ war in der technologisch orientierten Architektur der Sechziger und frühen Siebziger allgegenwärtig.

Das menschenfreundliche „Intrapolis“-Konzept des Schweizers Walter Jonas sah für das Jahr 2000 Trichterstädte vor. Dabei würden drei Dutzend 40-stöckige, sich zum Boden hin verjüngende Trichterhäuser eine überschaubare Stadt für 100.000 Einwohner bilden. Durch die Trichterform der Wohn- und Bürosiedlungen sollte die Stadt -die trotz ihrer Größe nicht einmal einen Kilometer Durchmesser hätte – überschaubar und menschenfreundlich sein. Zehn Minuten Spaziergang vom Stadtzentrum sollten genügen, so meinte Jonas, um im Grünen zu sein.

Das technokratischste Konzept legten die amerikanischen Planer Vemal M. Tyler und Carl Asiala vor: Die beiden Architekten waren in den sechziger Jahren mit der Entwicklung von Mondbasen für die NASA beschäftigt. Für den weltlichen Städtebau entwickelten sie Wohnmaschinen-Parks aus zwei Dutzend ringförmig angeordneten Türmen. Jeder Turm sollte rund 25 000 Menschen samt Energieversorgung aufnehmen, die Türme sollten mit Röhren miteinander verbunden werden. Damit entwickelte Tyler und Asiala die optisch umstrittenste Variante der Jahr-2000-Stadt, aber auch die umweltschonendste: Jeder Turm hätte nur eine Grundfläche von 160 Metern gebraucht, für 250.000 Menschen würde die verbaute Fläche damit weniger als einen halben Quadratkilometer betragen. Im Inneren der Türme sollten Funktionslandschaften mit Holographie-Systemen und mit Computern vollgepackte Plastikwände entstehen, die jeden erdenklichen Automations-Komfort versprachen.

Vision 03-2000/Verkehr

Der ultimative Expresszug wurde 1966 von der amerikanischen Denkschmiede Rand Corporation ersonnen. Seine Geschwindigkeit: 15.000 bis 20.000 Stundenkilometer, also rund 20-fache Schallgeschwindigkeit.

Schnell genug, um in einer halben Stunde von Los Angeles nach New York zu kommen – Zwischenstopps inklusive. Dabei würden komfortable Kabinen in einer luftleeren Tunnelröhre auf supraleitenden Magneten dahingleiten, eine Kombination, die praktisch ohne Reibungswiderstand abläuft. Das sollte nebenbei auch Energie sparen helfen. Der britische Autor und Wissenschaftler Arthur Charles Clarke (2001-A Space Odyssey) träumte von einer Antigravitations-Maschine, die im Jahr 2000 wie eine fliegende Untertasse – extrem schnell und extrem manövrierfähig – Flugzeuge und Hubschrauber ersetzen würde und uns „der Tyrannei der Vertikalanziehung entrinnen ließe“. Heraus käme ein Wundervehikel, das alles kann: Ein solches AFO (Antigravitations-Flugobjekt) würde um sich herum ein eigenes Gravitationssystem bilden und damit die Erdanziehung außer Kraft setzen. Im Inneren würde ein eigenes Schwerkraftsystem für die Passagiere zur Simulation „erdähnlicher Verhältnisse“ eingerichtet werden. Ein AFO könnte niemals mit einem anderen AFO zusammenprallen, weil sich die jeweiligen Gravitationsschirme der AFOs gegenseitig abstoßen würden. Außerdem, so die vom amerikanischen Physiker Joseph Weber 1969 entwickelte Theorie der bisher nicht realisierten AFOs, könnten die Dinger im Bruchteil einer Sekunde aus höchster Beschleunigung stoppen und umgekehrt vom Stand aus Höchstgeschwindigkeit erreichen. Eigentlich recht praktisch.

Vision 04-2000/Robotik und Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz & Robotik: So sollten wir denken und arbeiten lassen. Es ist die technologische Traumvision des 20. Jahrhunderts schlechthin: Von Fritz Langs „Metropolis“ bis zu „Star Trek“ war nichts brennender als der menschlich verständliche Wunsch, mit Hilfe intelligenter Roboter zu faulenzen, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Bereits 1939 präsentierte Westing-house auf der New Yorker World's Fair den Roboter „Elektro“ und seinen Kumpel, den mechanischen Hund „Sparko“ (Fünkchen). Doch ausgeklügelte Mechanik war nicht genug. Waren Roboterträume bis zur Mitte des Jahrhunderts noch stupide Handlanger aus Blech, stellte man sie später – unter dem – Einfluss der erstarkenden Computerwissenschaft – als intelligente Systeme dar, die eigenständig denken sollten. Diese Künstliche Intelligenz (KI) sollte spätestens im Jahr 2000 die Menschheit nicht nur von der Verrichtung gefährlicher, schwerer und stupider Arbeit befreit haben. Weil die Roboter wissen sollten, was zu tun wäre und was nicht, würden die Menschen sich auch ihrer Verpflichtung, diese Maschinen zu warten, zu reparieren und zu reproduzieren, entziehen.

Im Jahr 1965 erklärte der amerikanische KI-Forscher Herbert Simon, dass künstlich intelligente Roboter noch vor Ende des Jahrhunderts einen Nobelpreis erhalten und außerdem jede menschliche Arbeit überflüssig machen würden. Die Verheißungen wurden vom KI-Guru Marvin Minsky folgendermaßen beschrieben: „Massenproduktion bedeutete, dass sich jeder einen Satz Kleider leisten konnte – vorausgesetzt, sein Körper passte in die offiziellen Größen. Diese Epoche geht nun zu Ende. Die neuen Maschinen werden sich den Menschen anschauen und ihm dann einen Anzug fertigen, der auf ihn zugeschnitten ist.“ Wenngleich sich Minsky so was nur mit Hilfe Künstlicher Intelligenz vorstellen konnte, ist diese Vision im Internet, was Information anbetrifft, bereits Wirklichkeit geworden.

Vision 05-2000/Umwelt

Die Wettermacher Anfang der siebziger Jahre stellte Thomas Malone von der amerikanischen National Academy of Sciences eine bemerkenswerte Planung auf: Noch in den siebziger Jahren sollten die Menschen lernen, jederzeit und überall künstlichen Regen zu erzeugen, um die Wasserprobleme des Planeten zu lösen. In den achtziger Jahren sollten Hagel, Schnee und Blitze in jeder Erdregion durch künstliche Eingriffe verhindert werden, wenn dies gewünscht würde. Im Jahr 2000 wäre man in der Lage, Hurrikane und Stürme zu beherrschen. Nun könnte man an die Veränderung des globalen Klimas gehen. Weitere Visionen beschäftigten sich mit der Kontrolle von Smogs und lokalem Klima. Der amerikanische Architekt Buckminster Fuller legte Pläne für die Überdachung New Yorks mit einem Plexiglasdach vor, ein Projekt, das im Jahr 2000 zu verwirklichen gewesen wäre. Darunter sollte permanentes Frühlingsklima herrschen, angetrieben von Atomreaktoren. Der deutsche Architekt Otto Frei plante eine riesige künstliche Biosphäre für die Arktis – in der ein Kernreaktor eine gewaltige Kunststoffkuppel, die eine 45000 Menschen beherbergende Stadt überdachen sollte, mit Warmluft versorgt. Die Forscher haben mittlerweile eine verhaltenere Sicht. Nicht einmal Supercomputer vermögen die komplexen Vorgänge in einer einzigen Regenwolke zuverlässig zu berechnen. Die Ursachen der Veränderung des Weltklimas sind unter Wissenschaftlern weiterhin umstritten – ob Mensch oder Natur hinter globalen Klimaänderungen stecken, kann niemand mit letzter Sicherheit sagen.

Vision 06-2000/Neue Welten im All

Durch die Erfolge des Raumfahrtprogrammes Apollo lag es zu Ende der sechziger Jahre auf der Hand, dass als nächster Schritt die Kolonisierung des Mondes und des Mars in Angriff genommen werden sollte. Wernher von Braun ließ NASA-Forscher „Mondfarmen“ planen. Der Grund: drohender Rohstoffmangel auf der Erde. Deshalb sollten die von Meteoren auf die Mondoberfläche gebrachten Rohstoffe Eisen, Nickel und Phosphor ausgebeutet werden. Nach Nasa-Plänen sollte 1975 eine feste bemannte Mondstation für sechs Mann errichtet werden, 1985 ein „Mond-Fort“ mit 48 permanent stationierten Wissenschaftlern entstehen. Parallel sollte der Mars erobert werden. Aus der Perspektive von 1967 schien eine bemannte Landung auf dem Mars im Jahr 1980 als machbar. Ein Jahrzehnt später sollten vier Dutzend Mars-Kolonialisten nachrücken und eine permanente Versorgungskette zwischen der Erde und dem roten Planeten entstehen. Der amerikanische Weltraumforscher Carl Sagan empfahl überdies das „Terraforming“, das Bilden erdähnlicher Planeten. Erster Kandidat für Sagan war die erdnahe Venus: Raketen mit Mikroben sollten auf die Venus gebracht werden. Sie würden sich dort vermehren und im Lauf der Zeit, so die Hoffnung, für ein Abregnen der 20 Kilometer dicken, giftigen Wolkenschicht des Planeten sorgen. In weiterer Folge wurde die Venus eine klare Atmosphäre erhalten, deren Zusammensetzung von weiteren kunstlich eingebrachten Mikroorganismen menschengerecht gemacht werden könnte. Der deutsche Raketenpionier Hermann Oberth schlug in den Sechzigern vor, riesige Weltraumspiegel zur Beleuchtung und Energiegewinnung in den Orbit zu bringen. Eine Idee, die 1998 von der russischen „Energij'a“-Gruppe aufgegriffen wurde. Die will Städte auf der nördlichen Halbkugel mit Sonnenspiegel-Flutern auch im Winter heller machen.

Vision 07-2000/Gesundheit

Vor 100 Jahren betrug die durchschnittliche Lebenserwartung 60 Jahre. Im Jahr 1970 hatten Medizin und Pharmakologie weitere zehn Jahre für die Bewohner westlicher Wohlstandsstaaten herausgeholt. Im Jahr 2000 sollte sie 100 Jahre betragen (tatsächlich sind daraus 77 Jahre geworden).

Heute sollten nach Ansicht der Forscher vor drei Jahrzehnten die wichtigsten Krankheiten besiegt sein, vor allem Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu wurden enorme Hoffnungen in die Organtransplantation gesetzt – die Ende der sechziger Jahre durch die erste Herztransplantation 1967 des südafrikanischen Arztes Christian Barnard zum Allheilmittel gegen tödliche Erkrankungen hochstilisiert worden war. Im Jahr 2000 sollte aber bereits nicht mehr mit den Mitteln der Reparatur, sondern durch Klonen eine Vielzahl an riskanten Erkrankungen unschädlich gemacht werden. Tatsächlich ist die Arbeit an der Grundlage für medizinische Durchbrüche durch Veränderungen des menschlichen Genoms, das „Human Genome Project“, erst frühestens 2001 abgeschlossen. Zur Eindämmung und zum Wachstumsstopp von Karzinomen wird das künstlich erzeugte Gen p53 eingesetzt. Dieses Gen ist nach den Erkenntnissen der Forscher bei Krebspatienten defekt und verursacht so ungehemmtes Tumorwachstum. Hoffnungsträger wie die Hormonforschung stellten sich allerdings als nicht so vielversprechend heraus, wie man Ende der sechziger Jahre noch meinte. Die Rolle der heute wieder stärker auftretenden Infektionskrankheiten wurde unterschätzt. Für das Jahr 2000 sollte ein komplexer Schutz des Immunsystems existieren, der jede Art von Infektionskrankheiten unmöglich machen sollte.

Vision 08-2000/Künstliche Nahrungsmittel

Zum Ende der sechziger Jahre war klar geworden, dass die Kapazitäten der globalen Landwirtschaft nicht ausreichen konnten, um eine immer größere Bevölkerung zu ernähren. Gleichzeitig hatten die Forscher begriffen, dass die Eroberung von Brachland – etwa die seit den dreißiger Jahren diskutierten Projekte zur landwirtschaftlichen Nutzung von Wüstenzonen der Sahara und Gobi – zu einem massiven Anstieg der Umweltverschmutzung durch Kunstdünger führen würde. Im Jahr 2000 sollte die Mehrheit der landwirtschaftlichen Produktion in so genannten „Farmfabriken“ ablaufen. Das sind nicht gewöhnliche Glashaus-Plantagen, sondern künstliche Biosphären, die auf besonders schnellen und besonders großen Pflanzenwuchs abzielen: Gurken von vier Metern Länge und sechs Getreideernten pro Jahr sollten sich damit erzielen lassen. Noch bedeutender schien aber die künstliche Erzeugung von Lebensmitteln. Mit Rohöl-Reststoffen, etwa Altöl, sollten Mikroben gefüttert werden, die sich in chemischen Fabriken zu Eiweiß verwandeln ließen. Das Ergebnis sollte in Formen gepresst als Fleisch auf den Markt kommen. Die künstliche Eiweißgewinnung wird in der Fleischproduktion heute durchaus angewandt – allerdings enden die Mikroben nicht als Steak, sondern in den Mägen von Schweinen und Hühnern, die mit dem Eiweißgemisch gefüttert werden. Im Meer sollten gewaltige Fischfarmen entstehen, riesige, tief in den Ozean versenkte Kunststonkäfige, in denen Fische ohne Gräten und Schuppen gezüchtet werden sollten. Schwimmende Fabriken würden die Tiere mundgerecht aufbereiten. Davon ist man im Jahr 2000 nicht weit entfernt: Doch immerhin expandieren Fischfarmen weltweit und helfen damit auch, die für die Meere zerstörerische Wirkung von Großfangflotten einzudämmen.

Vision 09-2000/Energie

In den sechziger und frühen siebziger Jahren zitterte man dem nahen Ende allen Erdöls entgegen. Der für seine Fehlprognosen berüchtigte Club of Rome orakelte das Versiegen der Energiequelle Nummer eins für Mitte der neunziger Jahre. Deshalb musste energisch an die Entwicklung von Alternativen für das Jahr 2000 gegangen werden – was zum massiven Ausbau der Kernkraft führte. Das US-Kernforschungszentrum Oak Ridge errechnete Anfang der siebziger Jahre einen Reaktorenbedarf für das 21. Jahrhundert: 24000 Stück kamen dabei raus (440 sind es letztlich geworden). Schwimmende Atominseln im Ozean sollten weitab von der bewohnten Küste die nötige Energie beschaffen. In der 1964 veröffentlichten ersten „Delphi“-Studie der amerikanischen Zukunfts-Werkstätte Rand Corporation ging man zuversichtlich von einer Nutzung der sauberen Atomkraftvariante, der Kernfusion, aus. Tatsächlich ist mit einer flächendeckenden Nutzung der Kernfusion vor dem Jahr 2050 nicht zu rechnen. Wenn überhaupt.

In Forschungszentren wie dem Genfer CERN ging man daran, die Möglichkeiten von Antimaterie-Kraftwerken auszuloten, die bis heute kaum weiterentwickelt wurden. Die NASA plante Anfang der siebziger Jahre den Bau eines gewaltigen Kraftwerks im All: Im geostationären Orbit, 36000 Kilometer über Grund, sollte eine 32 Quadratkilometer große Fläche mit Solarzellen Energie erzeugen, in Mikrowellen umwandeln und diesen Energiestrahl auf die Erde „beamen“.

Vision 10-2000/Globale Wohlstandswirtschaft

Herman Kahn, der Übervater der Futurologie und Chef des Hudson Institute, prophezeite vor drei Jahrzehnten für das Jahr 2000 blühende Landschaften allerorts: Nordamerika, Skandinavien, Deutschland, Frankreich und die Beneluxstaaten wie auch Japan würden in der „postindustriellen Wohlstandsgesellschaft“ leben. Jeder zwölfte Bewohner dieser Staaten würde auf dem Wohlstandsniveau eines Millionärs der sechziger Jahre sein Auskommen gefunden haben. Die Vier-Tage-Woche sollte allgemein eingeführt sein, etwa die Hälfte der Bevölkerung würde ganzjährig vollzeitbeschäftigt sein, 20 Prozent schwarzarbeiten, zehn Prozent Teilzeitarbeit ausführen. Etwa 20 Prozent würde überhaupt nicht mehr arbeiten. Aus der hoch konjunkturellen Perspektive der Zeit schien das eine wunderbare Verheißung. Tatsächlich gibt es die Vier-Tage-Woche als Arbeitsplatz erhaltende Maßnahme, und wenigstens in den neuen Bundesländern mit Arbeitslosenquoten von fast 17 Prozent hat sich die Prognose vom beschäftigungslosen Fünftel bitter erfüllt. Die Globale Wohlstandswirtschaft des Herman Kahn ist ein typisches Opfer der weitläufigen Interpretation, der praktisch alle Zukunftsprognosen unterliegen. So nahm man vor drei Jahrzehnten einfach ganz selbstverständlich an, dass der durch technologischen Fortschritt erzielte Wohlstand auf alle sozialen Gruppen gleichmäßig umverteilt werden würde.__//