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Was denkt er bloß?

Helmut Kohl

#__ Ich sitze das aus, ist doch klar. Ich habe schon ganz andere Sachen ausgesessen. Etwa in den achtziger Jahren, als mich die Koblenzer Staatsanwälte wegen uneidlicher Falschaussage und Untreue rankriegen wollten. Da hatte ich Mist gebaut, zugegeben. Es war einfach nicht glaubwürdig, dass ein zweistelliger Millionenbetrag ohne mein Wissen verteilt wird. Der Geissler hat damals herausposaunt, ich hätte bei der staatsanwaltlichen Vernehmung einen Blackout gehabt. Als ich ihn deswegen zur Rede gestellt habe, sagt dieser verschlagene Jesuit doch scheinheilig, er hätte mich nur raushauen wollen.




Für Geissler und Konsorten war ich der unbedarfte Saumagenfresser aus Oggersheim, aber ich habe es allen gezeigt. Diese Talkshow-Kasper mit den laschen Nerven jubeln jetzt natürlich. Aber warten wir mal bis zu meinem 70. Geburtstag. Am 3. April 2000 werden sie mich wieder als Kanzler der Einheit feiern. Die Ratings gehen ja jetzt schon in den Keller, wenn die Kohl-Hasser in den Talkshows geifern. Wer mich fertig machen will, wird sein blaues Wunder erleben.

Was wäre wohl gewesen, wenn ich nicht gewesen wäre? Der kleine Mann weiß es besser als diese windigen Typen. Wie zum Beispiel der Schäuble, der feige Hund. Der sich nicht traut, zuzustechen, weil er natürlich weiß, dass ich weiß, dass er alles gewusst hat. Oder doch fast alles. Wenn er jetzt den Ahnungslosen spielt, macht er sich nur lächerlich. Man soll die Wähler nicht für dumm verkaufen. Jeder weiß doch, dass ohne Geld in der Politik gar nichts läuft. Deswegen habe ich das ja auch zugegeben im ZDF, dass ich zwei Millionen weitergegeben habe. Oder fast zwei Millionen.

Wie viel Bimse es wirklich war, geht niemanden etwas an. Jedenfalls habe ich keinen Pfennig in die eigene Tasche gesteckt. Dazu bin ich viel zu vorsichtig. Ich lasse mich auch nicht mit der Gemahlin auf Kosten der LTU in die Ferien fliegen oder von Herrn Piech zum Wiener Opernball einladen. Ich habe im Kanzleramt die Briefmarken für meine Privatpost selbst bezahlt, das kann meine Sekretärin beschwören. Ich schmeiße mich auch nicht vor den Fernsehkameras an irgendwelche Konzernbosse heran. Das ist politisch instinktlos. Natürlich gibt es niemanden, der mehr Freunde in der Großindustrie hat als ich. Aber die verdienen alle das Zehnfache von dem, was ich als Bundeskanzler verdient habe. Und keiner hätte es gewagt, mich bestechen zu wollen.

Ich brauche keine Anzüge von Brioni. Ich bin mit der Macht zufrieden. Ich habe dafür gesorgt, dass die Unternehmer in unserem Land ungestört Geld verdienen können. Und dafür haben sie mir geholfen, die CDU auf Vordermann zu halten. Ohne mich wäre dieses Land im sozialistischen Sumpf erstickt, das muss doch mal in aller Deutlichkeit gesagt werden. Dass da Geld geflossen ist, ist doch selbstverständlich. Wenn nun ein paar Idioten behaupten, ich hätte die Leuna-Werke gegen Schmiergeld verschachert, zeugt das doch nur von ungeheurer Ahnungslosigkeit. Mein Freund Mitterand und ich hatten längst beschlossen, die anglo-amerikanischen Multis aus dem Deal rauszuhalten. Das wussten die Elf-Bosse nicht und so haben die eben ordentlich was lockergemacht. Ich wäre doch blöd gewesen, wenn ich auf den Zuschuss verzichtet hätte.

Das könnte den Medien so passen, dass ich mich in ihren Talkshows als Plaudertasche interessant mache und Herrschaftswissen preisgebe. Aber ich habe schließlich einen Amtseid darauf geleistet, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Und dabei bleibt es. Ich werde die Männer nicht verraten, die sich als großzügige Spender in schweren Zeiten für unser Land verdient gemacht haben. Beugehaft – dass ich nicht lache. Am 3. April 2000 sehen wir uns wieder! __ //