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Die Kneipen-Freundschaft

Es begann in der Autowerkstatt und führte zu 34 Kneipen. Ende nicht abzusehen




Gerd Schüler peitscht seinen dunkelblauen Mercedes durch die Frankfurter City. Den S600L hat ihm ein Freund, bei Daimler, ein klein wenig gebraucht zum Freundschaftspreis überlassen.

Das Wort Freund ist von hohem Stellenwert im Wortschatz des Gerhard Schüler. Er benutzt es oft und meint es ernst. Er hat viele Freunde und er hält zu ihnen. Deshalb ist der Name des Daimler-Freundes sicher. Schüler ist loyal und stockt, bevor er Namen und Funktion des Freundes nicht über die Lippen bringt. Sein Instinkt sagt ihm, er solle das nicht tun. Alles, was er zuvor unbedacht erzählt hat, spricht dafür, dass es ein hohes Tier ist und das Auto mit dem Faxgerät auf der Mittelkonsole fast geschenkt war.

Loyalität, Instinkt, das sind auch Worte, die häufig verwenden muss, wer Gerd Schüler beschreibt. Kreativität noch. Und Stil. Und ganz sicher fällt das Adjektiv kommunikativ.

Dieser meist schwarz und teuer gekleidete, kleine, durchgeknallte Junge mit der Lücke zwischen den oberen Vorderzähnen und den nach hinten gegelten dunklen Haaren ist – jetzt kommt eines seiner Erfolgsgeheimnisse – vielen ein loyaler, kommunikativer Freund. Und ein Raser. Er gibt Gas, wenn andere bremsen, die Kraft der Beschleunigung drückt ihn oft in die Polster. Wenn er bremst, dann kurz und hart. Er überholt schamlos rechts, lacht, wenn er bei Gelb über die Ampel zischt, brettert auf Bus- und Taxi-Spuren und singt laut, lustvoll und falsch ein Lied von Simply Red mit, das im Radio läuft.

Die Beratungsfirma boomt. Viele hoffen auf Gewinn durch Genuss.

So gut gelaunt, dreht er mit Michael Presinger ein großes Rad. Zu den 34 Betrieben kommt noch der Überbau, also die Mini-Verwaltungen. Und die Consulting-Firma, die brummt wie eine riesige Horde wilder Bären.

„Das nimmt ständig zu. Wir können die Anfragen nicht alle bedienen. Consulting-Unternehmen gibt es ja in Mengen. Was uns einzigartig macht, lässt sich nicht durch Struktur erklären, das ist eng an uns beide geknüpft. Aber wir haben natürlich Leute für Analysen, externe Architekten, Berater für Küchen und Einrichtung.“ Das wird gleich Michael Presinger mit seiner tiefen Stimme sagen.

Die Schüler Presinger Consulting GmbH berät für Geld. Aber, sagt Gerd Schüler, er gebe bei, klar, Freunden schon mal kostenlos Rat. Die Liste der zahlenden Kunden ist lang, verblüffend und nicht annähernd komplett: Steffi Graf, die über ein Grand-Slam-Sport-Bistro nachdenken lässt. Peek & Cloppenburg, die Textilkette, die überlegt haben will, ob mit Gastronomie mehr Leute in die Filialen zu locken sind. Die Sony, die ihren Großbau am Potsdamer Platz in Berlin gern lebhaft und als Besuchermagnet haben würde. Centro in Oberhausen. Zeil in Frankfurt. Flughafen Frankfurt. Der Nestle-Konzern, der, den amerikanischen Coffee-Shop-Boom für Deutschland voraushoffend, eine Kette von „Nescafes“ aufbauen will.

Schüler und Presinger testen in Frankfurt für die Schweizer ein Pilotcafe, eröffnen bald ein zweites, haben eine Option auf Beteiligungen an den Nescafes, die da wahrscheinlich kommen werden, wollen sich aber eher im Überbau engagieren. Franchise- und Kettengeschichten mögen sie nicht.

Auch auf der Liste: der Heinrich Bauer Verlag, der sich eine „Bravo“-Cafe-Kette vorstellen könnte. Daimler-ChrysIer, die in einem toten Winkel der Stuttgarter Innenstadt namens Zeppelin-Carre einen Merchandising-Shop haben und Schüler und Presinger „unterstützen“. Auf das Wort legen sie Wert: „Sponsern ist irgendwie falsch“, der Autoriese unterstützt also Schüler und Presinger, damit die dort ihr Cafe „Amici“ betreiben und für Laufkundschaft sorgen. Das ehemalige Deinhard-Gelände in Koblenz, das eine Touristenattraktion werden soll. Dazu die eigenen Betriebe.

Genug gerast. Schüler parkt. Im absoluten Halteverbot, auf dem Bürgersteig, direkt vor dem Hochhaus der Europäischen Zentralbank in Frankfürt. Er eilt ins „Living“. Dort sitzt Michael Presinger an einem der Bistrotische. Raspelkurze Haare, dunkelbraunes Sakko, schwarze Jeans, schwarze Turnschuhe. Einen Mini-Laptop vor sich. Arbeitend. Presingers Büro ist in Mannheim, Schülers in Frankfurt, sie telefonieren viel, sehen sich mehrmals die Woche.

Das Living ist, tja, eine Disco, ein Restaurant, eine Kneipe, ein Mischmasch aus allem. Die beiden nennen alles Betriebe. Unten, halbdunkel, eine Tanzfläche mit einigen Bistrotischen am Rand. Drumherum stehen größere Tische. Dann geht es steil drei breite Stufen, alle voll mit Tischen, halbrund hoch. Am Rand ein Discjockey-Stand. Oben, an den Glaswänden andere Tische mit Blick nach draußen. Das Living ist halb voll. Anzugsbanker speisen in Gruppen, hier, im Untergeschoss der Europäischen Zentralbank.

Auch Presinger hat, stellt sich abends heraus, im Halteverbot geparkt, in der gleichen Straße, auf der anderen Seite, ein paar hundert Meter weiter. Er hat das wie Schüler gemacht, ohne sich den Kopf zu zerbrechen und, effektiv, wie er nun mal ist, ohne nur einen Hauch Zeit zu verschenken. Der analytische Organisator hat abends einen Strafzettel am Auto, diesen aber vorab eingeplant. Der spontane Sunnyboy Schüler bekommt keinen, er hat auf sein Glück vertraut, sich den Kopf wegen so einer Lapalie nicht zerbrochen. Das ist einer der Unterschiede zwischen den beiden.

Presinger ist zwölf Jahre jünger als Schüler, vermittelt den Eindruck, ein harter Arbeiter und zäher Kämpfer zu sein, wirkt trotz der grauen Haare wesentlich jünger. Man kann ihn sich, groß und breitschultrig, gut boxend vorstellen. Aber er läuft, fährt und schwimmt Triathlons. „Manchmal bleibe ich einfach zu Hause bei meiner Frau und klinke mich aus“, sagt er, „aber eigentlich reicht es mir nur zu wissen, ich könnte das machen.“ Er kann sich nicht erinnern, wann er sich zuletzt ausgeklinkt hat. Der Mann ist ein harter Knochen.

Er kam mal in einen Frankfurter Schüler-Presinger-Betrieb, stellte seine Aktentasche an der Bar ab und nahm den entgegengestreckten Telefonhörer. Als er auflegte, war die Aktentasche weg. Zwei Tage später hatte er sie wieder. „Ich habe unsere Discjockeys angesprochen, die kennen sich nachts in Frankfurt aus.“ Und bekannt ist er auch. So kam die Tasche schnell zurück.

Nicht aus Prinzip, sondern aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen scheut Presinger keinen Konflikt. Als er noch studierte und für Schüler nebenbei eine Disco in Landau managte, kamen Schutzgelderpresser. Am nächsten Abend standen Türsteher aus seinem Heimatort Mannheim an der Tür. „Mannheim ist ein rauhes Pflaster, da geht es härter zu als anderswo“, sagt Presinger. Das Thema Schutzgeld war aber bald erledigt, denn die hatten sich den Falschen ausgesucht.

Die Nebenkosten sind ein Drama. Aber Gastronomie lebt von Menschen.

Presinger wirkt, verglichen mit seinem Partner, dem Lebemann, eher kalt, dennoch ist er es, der den human touch und die psychologischen Kniffe betont: „Der Gast nimmt lieber ein Glas mit Lippenstift und einer wirklich netten Entschuldigung, dann hat er gleich eine Beziehung zum Lokal, sucht keinen Fehler mehr, er hat ja einen gefunden, fühlt sich besser, ist jetzt großzügig.“ Und: „Wir arbeiten mit Menschen. In der Gastronomie ist der menschliche Faktor der wichtigste. Wir können da nicht rationalisieren. Die Lohnnebenkosten sind für uns ein Drama, aber wir können nichts machen. Wir brauchen die Leute.“ Der Umgang mit den eigenen Leuten dürfe deshalb nie professionell sein. Nur menschlich. „Was uns ausmacht, sind die Mitarbeiter. Gut sein heißt, in der Lage sein, gute Leute zu finden, zu halten, zu motivieren. Geben Sie uns 50 gute Leute und wir machen 50 neue Lokale auf.“ Sie haben – alles verändert sich ständig bei Schüler und Presinger – zwischen 700 und 800 Mitarbeiter. „Overhead 15 Leute, die in keinem Betrieb arbeiten, uns beide inklusive“. Um Presinger genauer zu beschreiben, muss man das Wort Struktur benutzen. Er benutzt es oft und wenn er es nicht benutzt, umschreibt er es. Er ist Strukturfetischist. Aber einer, der sich im Griff hat. Was er so sehr liebt, scheint er auch zu hassen, will er klein machen. „Wir haben eine regionale Arbeitsteilung“, sagt Presinger. „Gerd Frankfurt, Wiesbaden, Bad Homburg, ich Mannheim, Heidelberg, Stuttgart. Aber wir durchbrechen das oft. Das Amici in Stuttgart zum Beispiel, da kümmert sich Gerd gerade drum. Dann haben wir eine sachliche Arbeitsteilung, ich bin mehr für die Administration zuständig. Die kreative Seite ist eher bei ihm. Aber dieses Prinzip ist nicht durchgängig, wird ständig durchbrochen. Wenn komplizierte Strukturen zu verhandeln sind, mach das eher ich, Rechtsverkehr, Behörden, so was läuft meist über mich.“ Sie wollen Erlebnisgastronomie. Ketten lehnen sie ab.

Kunden beschreibt er als Wirtschaftsfaktor. „Es gibt keine Zielgruppe mehr im herkömmlichen Sinn, nur noch Verhaltensmuster, jeder gehört am Tag mindestens fünf der alten Zielgruppen an.“ Er deutet auf eine Horde Banker. „Jetzt haben die Anzüge an, heute abend machen sie in Jeans sozialen Dienst im Knast oder gehen zum Heavy-Metal-Konzert in die Festhalle.“ Schüler sagt: „Seit etwa 32 Jahren beschäftige ich mich mindestens einmal am Tag mit der Frage, wie die unterschiedlichen Zielgruppen in einen Gemischtwarenladen zu locken sind.“ Die Frage ist kniffelig, weil alle Gruppen zerbröseln.

Presinger, der sich als „Troubleshooter“ bezeichnet, ist, klar, zuständig für Struktur. Was witzig ist, weil es eine Struktur ist, die für einen Außenstehenden nicht existent scheint. Das liegt daran, dass kein Schüler-Presinger-Betrieb einem anderen gleicht. Die beiden betreiben keine Kette. Presinger brummt drohend: „Bei unserer Art von Erlebnisgastronomie ginge Kette nur auf Ballermann-Niveau, und das wollen wir nicht. Wir haben keine gleichen Betriebe, weil wir, abgesehen vom Spaß, den Anspruch und den Ehrgeiz haben, die Location auf den jeweiligen Markt vor Ort zuzuschneidern. Dazu muss die Struktur der einzelnen Betriebe autark sein.“ Aber eine Firmenstruktur gibt es doch? Jein, sagt er: „Es gibt Betriebe, da gehe ich abends mal zufällig hin, komme in eine Veranstaltung mit 2000 Leuten und habe davon nichts gewusst. Gut so. Wir haben aber auch Betriebe, die müssen jeden Handzettel einreichen zur Kontrolle. Wir haben nur eine operative Struktur. Wir kämpfen gegen den Kettengedanken bei Mitarbeitern. Wenn ich höre: ,Das machen die in Frankfurt auch so' oder ,Das kommt aus Mannheim', gehen bei mir die Lichter an, das ist ein Alarmsignal.“ Verglichen mit Presinger, schwebt Schüler eher über den praktischen Dingen, seinen unstrukturierten Arbeitsstil und seinen Antrieb erklärt er so: „Ich leide manchmal darunter, dass ich etwas nicht so perfekt machen kann, wie ich will. Ich bin absolut erfolgsorientiert. Die Frage ist immer, kann das jemand ausfüllen, reicht mein Input? Erfolgsorientiert heißt, Ziele erreichen, nicht unbedingt Geld machen.“ Er war von 1962 bis 1974 Rennfahrer, Werksfahrer von Ford und Alfa Romeo, deutscher Meister in verschiedenen Klassen, fuhr in der einstigen Formel-Super-V. Er überlebte in Monza einen Unfall, knapp, mit einigen kaputten Wirbeln. 1968 eröffnete er seine erste Disco. „Alfa wollte mir eine Vertretung geben, ich hab lieber eine Disco aufgemacht. Bald hatte ich drei, ich bin abgehoben, Allüren, bis nichts mehr lief. Das war der Schritt vom Kneipier zum Unternehmer. In eine habe ich meine Frau gestellt, in eine die Freundin, in eine mich selbst. Bis sie wieder liefen.“ Das hat er vorhin im Auto erzählt und plötzlich auf eine Radiotaste gehämmert. Die CD springt an, Ambient Music, beruhigend, was ihn nicht am Rasen hindert. „Läuft in unseren Discos, in den Chill-out-rooms.“ Wenn ein 58-Jähriger das sagt, sollte es, weil Musik selbst heute noch was mit Generationskonflikt, Abgrenzen zu tun hat, komisch klingen. Bei ihm nicht. Er ist jung. War gestern bis vier Uhr bei der Eröffnung des Louis-Vuitton-Ladens in Frankfurt. „Hat mir gefallen, aber die Musik, na ja, hätte mutiger sein können.“ Vor kurzem war er bei einer Joop-Eröffnung, „da lief House und mir hat es gut gefallen“.

Ab und zu geht er in ihre Disco „Dorian Gray“ am Frankfurter Flughafen, „um die Kids am frühen Morgen bei 200 Beats per Minute zappeln zu sehen. Das ist nun wirklich nicht meine Musik, das ist Musik, zu der die Kids ihr Ecstasy fressen.“ Schüler spricht seine provokant-unterhaltenden Sätze langsam und überlegt, was ein starker Widerspruch zu allen anderen an ihm wahrzunehmenden juvenilen Eigenschaften ist. Im Dorian Gray wurde Claudia Schiffer entdeckt. In einer anderen seiner Discos legte Sven Väth, heute Deutschlands teuerster DJ, erstmals auf. Auf beides angesprochen, fragt Schüler: „Echt?“ Die Firma? Ein strukturiertes Chaos. Und ständig im Fluss.

Er wird zu einem Clown, wenn er zu Geschäftspartnern geht. „Ich habe mal einen Freund mitgenommen zu Verhandlungen bei Daimler-ChrysIer. Der hat danach gesagt: Die freuen sich ja, wenn du kommst. Wenn ich wohin komme, geht es nur um Zahlen, da freut sich niemand.“ Die Geschichte über Gerd Schüler und Michael Presinger wird nie fertig. Keine Chance. Sie kann nur eine Annäherung sein, weil die beiden das Chaos regieren und, das ist eine nahe liegende Vermutung, vom Chaos getrieben werden. Alles ändert sich durchgehend. In ihren Betrieben ist alles im Fluss, nichts wirklich stabil. Sie schließen und öffnen und verschmelzen und steigen ein und lassen sich auszahlen, immer und ständig. Jeden Tag verhandeln die beiden irgendwo rum. Schüler sagt: „Rufen Sie in ein paar Tagen mal an, dann kann ich sagen, ob aus der Geschichte was wurde.“ Oder: „Genaues kann ich noch nicht sagen, bald mehr.“ Die Nebengeschäfte kosten oft Geld. Und machen viel Spaß.

Die Betriebe sind GmbHs, aus Sicherheitsgründen. Wenn ein Laden nicht läuft, muss er irgendwann sterben, so sehr sie auch betonen, wie hart sie um jeden einzelnen kämpfen, wie lange sie durchhalten. „Wir machen natürlich ab und zu Fehler, unsere Erfahrung ist hart erarbeitet.“ Wegen der GmbH bleibt nichts kleben.

Schüler hat, so sagt er, immer etwa zehn Projekte laufen. Er ist im Vorstand des Deutsch-Zentralasiatischen Kulturvereins. Wenn irgendwelche Usbeken, Tadschiken oder Kasachen nach Deutschland zum Business kommen, hilft er ihnen. Mit einigen hat er zwei Millionen Mark in den Sand gesetzt, er wollte ein Abfallprodukt der russischen Raumfahrtforschung nutzen, indem er einen dort entstandenen Stoff auf Leuchtröhren und Glühbirnen kleben ließ, damit die gesunde Strahlen von sich geben. „Naturheilverfahren, gute Sache, leider war unser Marketing-Approach falsch, den zweiten starten wir bald.“ Er ist begeistert, deshalb macht er so etwas. Scheiß auf die Verluste.

Noch ein kleiner Exkurs, um zu zeigen, was für ein Aus-dem-Bauch-raus-Geschäftsmann Schüler ist: Mit zwei Freunden hatte er mal Millionen in die Spielbank Marienbad investiert. Der Ostblock wackelte, die Grenzen öffneten sich und morgens um drei klingelt bei ihm das Telefon. Zwei seiner Freunde sind dran, sagen, „komm, wir haben eine Idee“ und er fährt im Morgengrauen ins tschechische Marienbad. „Schlimme Sache, wir haben Geld geliehen, gebaut, haben aber die entscheidende Genehmigung nicht er bekommen. Ich habe jede Nacht mit diesen Behördenarschlöchern gesoffen, wir haben sie trotzdem nicht bekommen, die waren noch aus dem Stalin-Regime. Hat mich fast umgebracht. Darmverschluss, Notoperation, wirklich gerade noch überlebt. Dann ging das zum Glück doch mit der Genehmigung, über einen zwischenmenschlichen Kontakt. Als es lief, bin ich raus.“ Ja, seine Freunde. Dazu passt, was er als Plus von Schüler und Presinger bezeichnet: „Im System Backscratching sind wir stark.“ Und: „Ich hab viele Freunde, denen dies oder das gehört, die hier und da sitzen.“ Er fragt aber entsetzt: „Wieso klingt das mafiotisch? Das sind Freundschaften.“ Schüler beschreibt Presinger als „hochintelligenten Menschen, zurückhaltend, ein toller Verhandler“. Die beiden sind völlig unterschiedlich, ergänzen sich. Sie sind oft getrennt unterwegs, aber, gesamtgeschäftlich gesehen, geht einer ohne den anderen kaum. Sie sind dicht beieinander, ihre Freundschaft kommt, wie bei alten Ehepaaren, ohne viele Worte aus, und selbst, wenn sie über Buchprüfungen sprechen, schwingt immer „wir beide und die da draußen“ mit.

Schüler hat Presinger kennen gelernt, als er vor der Rennfahrerkarriere eine Ausbildung im Kfz-Betrieb von Presingers Vater machte, der Sohn kam da gerade in die Grundschule. Während seines Wirtschaftsingenieur-Studiums jobbte Presinger in den ersten Discos von Schüler. Als er seinen Abschluss hatte, bot ihm der Menschenkenner und Freund Schüler eine gleichberechtigte Partnerschaft an. Das war ein unorthodoxer Schritt, aber auf lange Sicht ein lukrativer. Der eine hat die Gabe des anderen erkannt und ihn an sich gebunden, koste es vorerst, was es wolle.

Sie trinken Kaffee im Living und harmonieren. Schüler, der Unterhalter, erzählt: „Früher hieß dieser Betrieb ,Euronet', da hatte jemand Millionen investiert, aber es hatte den Charme einer öffentlichen Toilette. So was geht in Frankfurt nicht, hier gibt es nicht genug Kreative. Seit wir übernommen haben, läuft es. Das ist eines unserer Erfolgsrezepte: Der Zweite hat es meistens leichter.“ Das macht aus ihnen passionierte Sanierer, sie lassen sich gern rufen und bitten, übernehmen zu angenehmen Konditionen schlecht laufende Betriebe in guter Lage, machen Goldgruben daraus.

Ein zweites Erfolgsrezept ist das „Sich-raus-kaufen-lassen“. Sie hatten in der Frankfurter Zeil, ganz oben einen großen Betrieb. Jürgen Schneider, der später unter anderem über die Zeil-Passage stürzen sollte, kaufte sie raus, für viel Geld, weil sie einen sehr guten Vertrag ausgehandelt hatten und die Idee nahe lag, dass ihr Nachfolger mehr Miete zahlen würde. Schneider machte schlapp, eine Tochterfirma seines Hauptkreditgebers, der Deutschen Bank, übernahm und bat die beiden, doch bitte dort wieder was zu machen und für Laufkundschaft zu sorgen. Gem. Sie gingen wieder rein, zu günstigen Konditionen und verdienten bestens.

Bei der Deutsche-Bank-Tochter machte sich eines Tages aber der Gedanke breit, da müsse eine Planet-Hollywood-Filiale rein. Also wurden Schüler und Presinger wieder teuer abgelöst. Planet Hollywood kam dann doch nicht, wird nie kommen. „Und jetzt könnte es sein, dass wir wieder reingehen. Wir verhandeln“, sagt Presinger.

In Frankfurt sind sie fast überall drin. Oder verhandeln, ob sie reingehen.

Überall entsteht gerade was Neues, entwickelt und verändert sich was. Am besten erkennt man das mit Schüler auf dem Dach seines Hauses. In Frankfurt am Stadtrand ist eines der beiden Zentralbüros, in einer schönen Villa arbeiten fünf Leute im hellen Keller. Darüber ist eine ganze Etage Büro von Schüler mit großformatiger Kunst an den Wänden und großen, voll gepackten Tischen. Hier sitzt er, meist hat er eine Schale mit grünem Tee vor sich, die Tür zum Garten ist offen, Leute kommen rein, gehen durch, ohne dass er sich umdreht, um zu schauen, wessen Schritte zu hören sind.

Die nächste Etage ist auch Büro, „wenn ich in Ruhe arbeiten will“. Ganz oben ein kleiner gläserner Raum mit Bett, weil er ab und an im Büro übernachtet. Er rast auf die Dachterrasse, dann die Metalltreppe rauf, ganz hoch. „Da rechts in dem Haus ist unser Apartment.“ Er hat auch welche in Kitzbühl und Florida, „aber die meiste Zeit sind wir hier“. Eine kleine Drehung nach links: Man sieht die berühmte Skyline, den Messeturm, den Fernsehturm, die Börse – ein Börsencafe steht oben auf der Schüler-Presinger-to-do-Liste, „da verhandeln wir gerade“ – die Europäische Zentralbank, den Dies-Turm und den Das-Turm.
„Fast überall sind wir drin, waren wir mal drin oder verhandeln gerade, ob wir reingehen.”__ //

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Schüler Presinger Consulting GmbH
Sachsenhäuser Landwehrweg 263
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