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Sie arbeiten oft bis spät in die Nacht und können die 0190er-Werbungen mitsingen? Wir kennen was Besseres zum Abschalten.




•  Wo zwei Männer zusammenkommen, müssen sie sich messen. Stärke, Intelligenz oder na ja, Größe eben. Weil wir in einer Hochkultur leben, können wir nicht den ganzen Tag mit Zollstöcken, Baumstämmen oder Schwertern durch die Gegend laufen. Also spielen wir. Und alle, die nicht mitspielen, weil sie schon früher auf der Bank sitzen blieben oder mal wieder zu viel arbeiten, gucken zu. Oder fern. Nachts, wenn sie zerschunden von der Arbeit kommen und der vergeigte Tag im Kopf kreist.

Da zeigt das Deutsche Sportfernsehen nach Mitternacht im Sendeblock „Sport kurios“ das Schönste aus den USA, dem Land, in dem vom Rendezvous bis zur Präsidentschaft alles auf die Frage endet: „Wie war ich?“.

Was gibt es da zu sehen? Natürlich Wrestling, Karneval für schwule Bodybuilder, die immer wegen irgendetwas furchtbar beleidigt sind und deswegen abwechselnd aufeinander rumhüpfen. Kennen wir schon, gähn. Aber noch nicht umschalten, es wird besser. Es folgen Inline-Skater in bunten Ganzkörperkondomen, die sich in einer Radsportarena verfolgen und in rasender Geschwindigkeit anrempeln und umschubsen. Nicht schlecht. Aber dann, ein grimmiger Blick zu viel in die Kamera: Der Rollerball ist inszeniert! Catchen auf Rädern. Lahm.

Als hätte er es geahnt, wechselt der Student in der Sendezentrale das Band und sendet uns Schlammbeschleunigungsrennen ins Bett. Moderatoren, die jedes Wort so aussprechen, als hätten sie es gerade aus der Wundertüte gezogen. Die Rennfahrer sehen aus wie der Schrauber von nebenan, sind in Wirklichkeit aber schwerreiche Nerds. Ihren Autos geben sie zärtliche Namen, die mystische Kräfte wecken sollen, wie Top Gun, wegen der Geschwindigkeit, Terminator, das macht gefährlich, Mud Stud, unberechenbar und kraftvoll, oder Little Miss Dangerous, die gewinnt aber nichts.

Als die Schlammrenner zu versacken drohen, geht das Programm, mittlerweile ist es kurz vor zwei, frische Luft schnappen: ab in den Wald zu Timbersports mit den „Lumberjack Champions“. Dicke Bäume, breite Männer, große Sägen. Im Stihl Territory, benannt nach einem der Weltmarktführer für Männerspielzeug, in diesem Fall Sägen und Gabelstapler, treten sie in sechs Disziplinen gegeneinander an.

Bei der schönsten Disziplin, „Springboard“, auf deutsch „Hack-den-Stamm-ganz-oben-ab“, geht es darum, mit der Axt die Spitze eines drei Meter hohen Baumstammes zu kappen. Um da hoch zu kommen, basteln die Lumberjacks traditionelle Hilfsmittel. Sie treiben Kerben in den Stamm, verkeilen darin Planken, auf denen sie nach oben steigen. Eine Art Urform der Wendeltreppe.

Oben angekommen, fetzen sie mit ihren Superäxten brotgroße Stücke aus dem Baum, zerlegen ihn minutenschnell zu Kleinholz. Jeder normale Mensch würde für so was gut und gern einen halben Tag brauchen. Hinterher muss seine Frau ihn eine Woche lang loben, im Büro macht er einen auf Kerl und nervt alle mit seinen Schwielen.

Eingeschüchtert vom Kampf der Hormone und auch irgendwie beruhigt, dass es noch andere Menschen gibt, die hart arbeiten, werden wir langsam müde, als der Tape-Wechsler in München eine Sendung vom Vortag wiederholt: Takeshi's Castle.

Wo der Ami sich aufbläst, lacht der Japaner. Eine Horde von 150 Japanern, die sich für die Show in selbst entworfene Kostüme schmeißen, müssen das Schloss des Herrschers Takeshi erstürmen. Angeführt werden sie von dem bösen General Hayati Tani. Schlossherr Takeshi hält natürlich diverse Hürden für den Mob bereit, die genommen sein wollen.

Bei der Show geht es nur um eines: Die Spieler müssen kläglich an ihren Aufgaben scheitern und dabei so bescheuert wie nur möglich aussehen. Meist endet das mit rasanten Abstürzen in irgendwelche Schlammlöcher. Dabei tragen sie Schaumstoffkostüme aus dem Alltag: Erdbeeren, Panzer oder Kaffeetassen, die sie wunderschön in ihrer Bewegung einschränken. Alice im Wunderland zum Mitmachen. LSD-TV.

Es ist gleich drei, an den Augen Gewichte, und die nächste Show beginnt: eine Gameshow für Werber. Auf ehebettgroßen Toilettendeckeln müssen sie mit briefmarkengroßen Scheckkarten klumpiges Mehl zerhacken, die Körner verschieden einfärben und daraus die Umrisse der neuen Bundesländer legen. Die Verlierer werden an Plakatwände getackert, einer nach dem anderen. Dann unterbricht Wilhelm Wieben die Show für eine wichtige Mitteilung: Wim Wenders macht jetzt Spiel ohne Grenzen, sucht noch Statisten.

Wir schrecken auf. „Wo war ich?“ Nur dabei statt mittendrin. Ein Glück. Morgen wieder arbeiten gehen. Erholung von der kernigen Nacht mit DSF.  ---
Takeshi Kitano,
Showmaster von Takeshi's Castle, ist nebenbei gefragter Kinoregisseur. 1998 gewann er den goldenen Löwen in Venedig mit „Hana-bi“, einer melancholisch sanften Geschichte eines Polizisten und seiner todkranken Trau. Sein Film „Sonatine“ war Vorbild für Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs“. Takeshi's Castle
17.15 Uhr und 12.30 Uhr
(Wdh.), DSF Lumberjack Champions
unregelmäßig, zwischen 0.00 Uhr und 5.00 Uhr, DSF