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Wenn das Kreativ-Team bei Jung von Matt das Werbethema der »Bild«-Zeitung erfährt, bedeutet das Hektik. Sieben Stunden später muss ein nagelneuer Werbespot auf Sendung gehen, zur Primetime auf SAT.1 und RTL.




11.00 Uhr
Stephan schiebt einen großen Rollkoffer durch die Tür. „Um fünf Uhr möchte ich bitte meinen Zug kriegen“, begrüßt er Oliver, den Artdirector. Es ist Freitag und da fährt der Werbefilm- und Videoclip-Regisseur abends immer nach Berlin, nach Hause. Stephan, Oliver und der Texter Kay sind heute für „Bild tagtäglich“ zuständig. „Da ist jeder aus der Agentur mal dran“, erzählt Oliver.

Seit 1994 ist die »Bild« einer der größten Kunden von Jung von Matt an der Elbe. Die Hamburger Werbeagentur hat den Spruch „Bild Dir Deine Meinung“ erfunden und den Film, in dem Winnetou und Old Shatterhand händchenhaltend in den Sonnenuntergang reiten und sich ihre Liebe gestehen. „Bild tagtäglich“ ist einmalig im deutschen Werbefernsehen: Mittags entwickelt ein Team aus Grafiker, Regisseur und Texter eine Idee und produziert in wenigen Stunden einen Spot, der abends im Werbeblock ein Thema vom nächsten Tag bewirbt. Da muss die Umsetzung schnell geschehen. Etwa mit Straßenumfragen oder mit Leuten aus der eigenen Agentur, die dann als Darsteller fungieren müssen.

11.30 Uhr
Regisseur Stephan sitzt in der Küche und raucht eine Zigarette, als das Fax von »Bild« ankommt. Die Redakteure haben jeden Tag um diese Zeit ihre Konferenz beendet. Das Thema steht fest, die Schlagzeile ist Vorgabe für den Spot. Sie lautet diesmal: „Steffi, pass auf!“ Gemeint ist, dass die Schauspielerin Liz Hurley und Nacktmodel Ruth Gordon hinter Steffi Grafs neuem Freund Andre Agassi her sein sollen. 11.38 Uhr
Oliver und Kay finden sich im Konferenzraum ein. Normalerweise haben die Konferenzräume bei Jung von Matt nur Stehtische, damit die Leute beim Konferieren nicht vor Gemütlichkeit einschlafen. Aber das „Bild tagtäglich“-Team macht es sich auf einer Empore mit Sitzkissen bequem. Steffi und Andre, eigentlich ein Traumthema, aber wie das so ist: Immer, wenn man besonders lustig sein will, fällt einem nichts ein. Vielleicht ein Herz, das von einer Säge entzweit wird? Ein Maschinengewehr, das auf das Herz schießt? „Es ist kein Problem, sich in der kurzen Zeit eine Idee auszudenken“, sagt Stephan. „Nur meistens scheitert es an der Umsetzung. Ich muss ja überlegen: Was schaffe ich an einem Nachmittag.“ 12.45 Uhr
Nach einer Stunde haben sich die drei geeinigt. Kay erzählt den Ablauf der Geschichte: „Auf ein Bild, auf dem Andre Agassi und Steffi Graf knutschend zu sehen sind, fällt ein gezeichnetes Gewicht à la „Monty Python“. Dann erscheinen kichernd die Hurley und das Nacktmodel und ziehen mit Agassi ab. Zum Schluss hört man nur noch Steffis Wimmern unter dem Gewicht.“ 13.05 Uhr
Stephan und Oliver haben ein Problem: Der Ansprechpartner von der »Bild«-Werbeabteilung meldet sich nicht. Laut seiner Sekretärin wollte er sich ein Brötchen holen. „So kann ich nicht arbeiten“, knurrt Stephan und blickt nervös zur Uhr. Jede Minute ist kostbar und ohne das Okay der Werbeabteilung können die beiden nicht anfangen. Kay hatte die Idee skizziert und zur Werbeabteilung der »Bild«-Zeitung gefaxt. Damit war sein Job erledigt, er durfte wieder zum Tagesgeschäft übergehen. Ihm hat es aber Spaß gemacht: „Das ist toll. Andere Spots dauern Monate, bis sie produziert sind, und werden ständig umgeschmissen. Nachher kann ich nach Hause gehen, den Fernseher anmachen und zu meiner Freundin sagen: ,Hey, guck mal, das habe ich heute gemacht’.“ 13.36 Uhr
Warten. „Sonst ist das normalerweise anders“, meint Stephan versöhnlich, holt sich den vierten Apfelsaft aus der Küche und setzt sich an den Tisch. 14.05 Uhr
Stephans Handy klingelt. Die Freundin ist dran. „Ich hab jetzt gerade keine Zeit“, nörgelt er, legt auf, zündet sich eine Zigarette an und wartet weiter. 14.30 Uhr
Herr Germer aus der Werbeabteilung meldet sich. Die Monty-Python-Idee gefällt ihm nicht. Das sei nicht seriös, findet er, schließlich sei die »Bild« kein Trash-Blatt. Er könnte damit leben, wenn statt des Gewichts die Frauen, also Liz Hurley und das Nacktmodel, auf das knutschende Liebespärchen Steffi und Andre herabfallen. Stephan und Oliver bestellen Bildmaterial, schreiben das Drehbuch um und bestellen beim Studio schon mal das Geräusch für die fallenden Frauen und was sie sonst noch benötigen. 15.00 Uhr
Nach einer sehr kurzen Mittagspause fahren Stephan und Oliver zum Fernsehstudio Telemaz Commercials am Hafen. Dort treffen sie auf Cutter Olli, der schon alles, so weit es geht, vorbereitet hat. Der Sprecher ist auch schon da. Er heißt Marc und ist ausgebildeter Nachrichtensprecher. Heute soll er sagen: „Steffi, pass auf: Diese zwei Luder sind hinter deinem Andre her. Die Schauspielerin Liz Hurley. Das Nacktmodel Ruth Gordon. Warum gönnen sie dir dein Glück nicht?“ Der Text ist von der »Bild« vorgegeben. Marc ist Profi, nach fünf Minuten ist alles aufgenommen. Kein Wunder: Jeden Tag spricht er die Texte, außer samstags. 16.00 Uhr
Per Kurier sind Farbkopien aus der Redaktion eingetroffen. Stephan und Oliver machen sich an die Bildauswahl. Die Reihenfolge: Erst Steffi und Andre knutschend, dann kommt Liz Hurley von oben angeflogen und verdeckt Steffis Gesicht. Nacktmodel Ruth Gordon sitzt auf einem Foto barbusig auf einem Pferd. Also soll sie wiehernd und galoppierend ins Bild geritten kommen und neben Agassi stehen bleiben. 17.59 Uhr
Der Cutter lässt das Foto der drallen Reiterin über den Bildschirm hoppeln. Stephan schaut auf seine Armbanduhr: „Mist“, sagt er, „das wäre jetzt mein Zug gewesen.“ Stattdessen muss er noch die Musik aussuchen, En Vogue mit „Whatta Man“ passt am besten. Die Sounds werden darübergelegt, der Galopp kommt von Oliver, der mit den Händen auf seiner Hose herumklopft. 18.30 Uhr
Der Spot ist fertig – gerade noch rechtzeitig – und wird per High-Speed-Datenleitung zu SAT.1 und RTL überspielt. Da werden ihn alle Mitwirkenden auch bald sehen können: Der erste läuft nämlich schon um 19 Uhr. Stephan wird ihn heute allerdings nicht angucken können: Er sitzt im Zug nach Hause.