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KUKA

Als der Roboterhersteller KUKA von chinesischen Investoren übernommen wurde, diskutierte das Land wieder mal über den Abfluss von Wissen und den Ausverkauf des Abendlandes. Die Mitarbeiter spüren davon wenig – und erfinden einfach weiter.




• Zunächst ein kleines Experiment: Drücken Sie Ihren Zeigefinger gegen etwas Festes, Senkrechtes, zum Beispiel eine Wand. Nun bewegen Sie Ihren Handrücken himmelwärts, ohne den Finger von der Stelle zu nehmen. Jetzt den Ellbogen. Und nun heben Sie Ihre Schulter an. Wunderbar. Drei Gelenke, jedes einzeln ansteuerbar. Und nun versuchen Sie das ohne Wand oder Türrahmen. Der Zeigefinger soll wie zuvor an derselben Stelle bleiben – nur in der Luft … Es gibt eben Dinge, die Roboter besser können.

Mit Tischtennisstars China erobern

Der Zugspitzstraße im Augsburger Stadtteil Lechhausen fehlt in ihrem nördlichen Abschnitt jeder Anflug schwäbisch-bayerischer Gemütlichkeit. In seelenlosen Gewerbegebietsflachbauten hat sich ein ambulanter Pflegedienst eingemietet und eine Autowerkstatt, ein Billig-Discounter findet sich und eine Schreinerei für Büromöbel, eine Fitness-Quälanstalt für „Ladys“ und für Zocker die „Vegas World“. Fahrradfahrer in Malerkleidung treten müde die Pedalen. Der Fahrtwind der Tram weht eine leere Pizzapappe empor.

Kaum zu glauben, dass hier eines der modernsten Produkte der Welt entsteht: In den Werkhallen gegenüber der Vegas World werden Roboter gebaut. Keine „Star Wars“-Statisten, sondern Industrieroboter. Kleine, mittlere und große, dumme und intelligente, mit Sonderlackierung, in Edelstahl oder jenem Orange, in dem auch die Riesenlettern am neuen Hauptgebäude in der Zugspitzstraße leuchten: KUKA.

Keller und Knappich Augsburg (KUKA) ist einer der Weltmarktführer in Sachen Robotik. Weit mehr als 20 000 Maschinen hat der Konzern 2017 verkauft. Und auch sonst ist die vor 120 Jahren gegründete Firma ein Star der Branche: KUKA-Roboter laserten schon James Bond ein Loch in den Pulli, gaben dem US-Präsidenten Obama die Hand, tanzten beim European Song Contest und den Paralympics in Rio. Ein Video, in dem sich der Sportler Timo Boll mit einer KUKA-Maschine duelliert, wurde auf Youtube mehr als zehn Millionen Mal geklickt. Den jüngst zum Welt-Tischtennisspieler des Jahres gekürten Boll würden hierzulande wohl nur wenige erkennen, doch im Pingpong-vernarrten China ist der Deutsche ein Star – und dorthin zielt die Kampagne.

Denn die Musik der Zukunft spielt im Reich der Mitte: Bis 2020 sollen in und für China zusätzlich eine halbe Million Roboter werkeln. KUKA hilft bei der Automatisierung des Landes gern – und will zugleich ihren dortigen Umsatz binnen rund drei Jahren auf eine Milliarde Euro verdoppeln.

Ein Spaziergang durch die Hallen

Armin Kolb stößt die Brandschutztür von Halle 10 auf wie einer, der schon tausendfach hier durchgegangen ist. Kolb kennt jede Schraube in der Firma. Im September wird er 40 Jahre bei KUKA sein: als gelernter Handwerksmeister, als Betriebswirt, als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft. „Die wichtigen Teile im Roboter stellen wir hier selber her“, ruft Kolb. „Damit haben wir Qualität und Know-how im Griff. Diese A-Teile machen ungefähr 40 Prozent aus. Den Rest kaufen wir zu. Die Schrauben zum Beispiel, die sind Massenware.“ Im Hintergrund bearbeiten Mensch und Maschine lautstark Metalle, es wird geschliffen, gefräst, gebohrt. Neben Kolb gleitet in einer Art Kabine ein orangefarbener Arm hin und her, er sortiert Bauteile.

Die Luft, eben noch dick vom Maschinenöl, ist draußen regenfrisch. Armin Kolb drückt die Tür hinter sich zu, die den metallenen Lärm dämpft. Dafür surrt nun etwas heran. Ein Gabelstapler, orange und verdreckt, trägt einen mannshohen Gegenstand vor sich her wie eine Monstranz. Auf der Palette schimmert unter einer Schutzfolie ein weißer Roboter.

„Wenn man in Wolfsburg in die Hallen kommt und sieht 500 KUKA-Roboter – vorne kommt’s Blechle hinein, hinten kommt’s Auto heraus“, sagt Armin Kolb und macht eine kleine Pause, während er dem Roboter hinterherschaut, „dann ist das selbst für einen wie mich, der seit Jahrzehnten hier arbeitet, noch faszinierend.“ Auch Halle 7 ist vom Grundrauschen der Maschinen erfüllt. Doch hier quietscht und ächzt und kreischt es weniger. Stattdessen: ein konstruktives Klicken und Klacken, ein Sirren, Schieben und Rollen. Hier wird nicht weggeschnitten und ausgebohrt – hier wird zusammengesetzt. Gleich vorn wartet in einem Käfig ein metallener Titan auf ebenso metallenes Futter. Etwas weiter dreht der enorme Arm eines Roboters mühelos ein Getriebe und verschraubt es mit einem enormen Stahlbein.

„Hier bauen wir die Achse 1, die unterste Achse des Roboters“, erklärt Kolb. „Der Pneumatikschrauber weiß, welche Schrauben er verwenden muss, wie viele und vor allem mit welchem Drehmoment. Was wirklich gut ist, denn dies hier ist der körperlich schwerste Prozess. Das Werkzeug, die Getriebeschalen – das wiegt ordentlich. Unsere Leute mussten das früher händisch machen. Das ging auf den Rücken. Als wir uns fragten, welchen Prozessschritt zu automatisieren am meisten Sinn macht, kamen wir zuerst auf diese Zelle.“

1978 hat Kolb in der Feinmechanik zu lernen begonnen. Er weiß, was Rückenschmerzen sind, und achtet als Betriebsrat seit Jahren darauf, dass seine Kollegen dort arbeiten, wo sie ihre Fähigkeiten einbringen können – statt ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen. „Bestimmte Dinge kann ein Roboter schneller, präziser, sicherer und kostengünstiger“, sagt Kolb. „Aber viele Dinge kann er auch nicht.“

Um den Käfig des Titanen stehen mehrere Rollkästen voller Bauteile. Ein Arbeiter rollt eine leere fort und schiebt die nächste heran wie ein Pfleger das Futter im Zoo. Der Roboter greift zu. „Hier geht die digitale Welt richtig los“, fährt Kolb fort. „Sobald sich der Kunde entschieden hat, konfiguriert unser System den bestellten Roboter und prüft, ob alle nötigen Teile da sind. Denn der Kunde will seinen Quantec oder Agilus zehn Wochen später auf dem Hof sehen.“

Ein weiterer Fortschritt: Früher hat ein Werker auf einem Klemmbrett abgehakt, wie viel eine Maschine produziert hat. „Heute geht das digital, und der Kollege hat’s gleich auf dem Tablet – er muss nicht vor Ort sein.“ Sondern vielleicht im Bereitschaftsdienst im Freibad? Armin Kolb grinst. Schwer zu sagen, ob ihn die Vorstellung belustigt oder ob er sich freut, dass KUKA bei der Industrie 4.0 ganz vorn dabei ist.

In Zukunft sollen die Augsburger auf ihrem Tablet in jeden KUKA-Standort auf dem Globus zoomen können, hinein in jede Fabrikstraße, heran an jede Maschine, um Arbeitsprozesse zu betrachten und zu überwachen – live mit allen Kennzahlen. Noch forschen die KUKAner daran, doch bald wird es so sein. Und dann werden sie diese Prozessbeobachtung ihren Kunden anbieten. Inklusive Wartungsverträgen.


Armin Kolb (links) ist seit fast 40 Jahren bei KUKA und von den Maschinen immer noch beeindruckt. Rainer Bischoff, Chef der Forschungsabteilung, sorgt dafür, dass das so bleibt.

Industrie 4.0 im Alltagsgeschäft

Was die Geschäftsfelder betrifft, ist KUKA seit jeher erfinderisch. Die Augsburger bauten schon Schweißbrenner, Acetylenapparate, Geschosshülsen, Kessel- und Müllwagen, Granatwerfer, Strick- und Schreibmaschinen, Schweißstraßen für Kühlschränke oder die Automobilindustrie – und 1973 die ersten Industrieroboter. Als der IR 601/60 wenige Jahre später in Serie ging, begann Armin Kolb gerade seine Lehre.

Heute hat KUKA weltweit 14 000 Mitarbeiter und setzte 2017 3,3 Milliarden Euro um. Das Unternehmen ist einer der Vorreiter der Industrie 4.0 – übrigens die einzige Stufe der industriellen Revolution, die von Historikern nicht im Nachhinein erkannt, sondern bereits vorher ausgerufen wurde.

Egal ob Robotik, Anlagenbau oder Dienstleistung: Am Standort Augsburg wird bei KUKA nicht bloß über die Fertigung der Zukunft geredet – sie wird praktiziert: Roboter bauen Roboter. Das erhöht die Glaubwürdigkeit bei Kunden enorm. Als führe der Händler, der einem das neue Auto verkauft, abends mit dem gleichen Modell nach Hause.

Vom Käfig des Titanen führt Armin Kolb zum LBR iiwa, einem meterlangen silbern-orangefarbenen Roboterarm, der am Werktisch zusammen mit einem Arbeiter Ringe in Lagerschalen setzt. LBR steht für Leichtbauroboter, iiwa für „intelligent industrial work assistant“. Weich und fließend sind seine Bewegungen, ohne scharfe Kanten – der ganze Vorgang ist eine Sensation. Als weltweit erstes Unternehmen hat KUKA vor vier Jahren eine Mensch-Roboter-Kollaboration geschaffen und so die nächste Stufe der Industrie 4.0 gezündet.

„Ein starrer Sechsachs-Roboter wie der Titan da drüben, der macht sein Ding. Wenn du da im Weg bist, dann liegst du in der Ecke“, erklärt Kolb. „Deshalb steht er auch hinter einem Schutzzaun. Aber der LBR hat Sensoren, sogenannte Gelenkmomentensensoren. Falls ein Mensch in den Arbeitsprozess gerät, merkt der Roboter den Widerstand und bleibt einfach stehen. Für den brauchen wir keinen Käfig mehr.“

Obwohl er bei der Führung immer wieder von den Möglichkeiten schwärmt, die die Fabrik der Zukunft bieten wird, ist dem erfahrenen Arbeitnehmervertreter Kolb eines wichtig: „Wenn Sie alles automatisieren und digitalisieren, müssen Sie aufpassen, dass der Werker nicht in eine Überwachungsschleife gerät. Denn Sie können immer überprüfen, ob er gerade Material für den Roboter bereitstellt oder am Bildschirm eine Checkliste abhakt. Sie können also ständig sagen: Wo ist er gerade? Wie schnell ist er? Deshalb haben wir bei KUKA eine direkte Leistungsüberwachung ausgeschlossen. Der Betriebsrat muss der Anwendung solcher Daten zustimmen.“ Kolb rät, den Datenschutz mitzudenken. In Deutschland ist das schwierig genug. In China erst recht.

Chinesische Firmen auf Einkaufstour

Im Mai 2016 erklärte der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea, seinen Aktienanteil an KUKA von gut 13,5 auf mehr als 30 Prozent erhöhen zu wollen – mit einem sehr großzügigen Angebot von 115 Euro pro Anteilsschein. Zugleich beruhigte Midea-Chef Paul Fang damals: „Wir haben nicht vor, das Unternehmen zu beherrschen oder zu übernehmen.“ Es hatte bekanntlich auch niemand die Absicht, eine Mauer zu bauen. Ein Vierteljahr später hielt der Investor fast 95 Prozent der Aktien. Gesamtkaufpreis: 4,5 Milliarden Euro.

Midea will mit KUKA den chinesischen Markt aufmischen, dort in Sachen Industrieroboter die Nummer eins werden (bislang ist man Dritter) und ein weiteres KUKA-Werk neben dem in Schanghai bauen. KUKA-Vorstandsvorsitzender Till Reuter zeigt sich entsprechend zuversichtlich.

Das gehört zu Pekings großem Plan. Unter dem Claim „Made in China 2025“ rüstet China derzeit zehn Schlüsselindustrien auf. Mit vielen Milliarden sollen Fabriken direkt ins smart vernetzte Zeitalter versetzt werden. Ob neue Informationstechnologien oder Medizintechnik, ob Raumfahrt, Schienenverkehr oder Industrierobotik: In allen Bereichen sollen neue Marktführer entstehen – technologisch wie betriebswirtschaftlich. Dafür braucht es Erfahrung, Wissen und Geld. Also gehen chinesische Firmen auf Einkaufstour – im Westen. Allein 2016 nahmen die chinesischen Investitionen in Deutschland im Vergleich zu 2015 um mehr als 2000 Prozent zu. Darunter war auch die KUKA-Übernahme.


In der digitalen Produktion lässt sich alles überwachen, die Maschinen ebenso wie die Arbeiter. Bei KUKA stehen alle Maschinen unter Dauerbeobachtund, die Menschen aber nicht – sie zählen eben doch mehr als die Roboter. 

Was die Automatisierung der Arbeitswelt angeht, ist China ein Schwellenland. Weltmeister war 2016 Südkorea mit 631 Industrierobotern auf 10 000 Arbeitskräfte, rechnet der Weltroboterverband IFR vor. Dahinter kommen Singapur (488), Deutschland (309) und Japan (303). In den USA sind es 189 Roboter. Und in China? Dort arbeiten erst 68 Roboter pro 10.000 Beschäftigte. Die Chinesen holen allerdings auf: 2013 waren es bloß 25.2020 sollen es schon 150 sein. „China ist bei Weitem der größte und am schnellsten wachsende Markt für Roboter“, sagt IFR-Präsident Joe Gemma.

Made in China 2025 sieht außerdem vor, dass Mitte des kommenden Jahrzehntes 70 Prozent der Industrieroboter im eigenen Land gefertigt werden. Midea soll dazu beitragen. Der Konzern aus der südchinesischen Provinz Guandong, bei uns allenfalls Experten ein Begriff, produzierte bislang eher Low-Tech, Klimaanlagen und Kühlschränke. Das allerdings erfolgreich: Mit gut 126 000 Mitarbeitern und 24 Milliarden Dollar Umsatz wird Midea in diesem Jahr voraussichtlich zum dritten Mal in der Fortune Global 500 gelistet werden, also unter den 500 größten Unternehmen weltweit.

Chinas gigantischer Markt verspreche hohe Renditen, sagt der deutsche Botschafter in Peking Michael Clauss. Er sieht aber auch einen „Haken an der Sache: Je fortschrittlicher die chinesische Industrie dank deutschem Know-how und nicht immer freiwilligen Technologietransfers wird, desto schneller wandelt sich die Partnerschaft zur Konkurrenz.“ Das Mercator Institute for China Studies in Berlin (MERICS) rät Hightech-Produzenten aus dem Ausland, sich nicht von kurzfristigen Gewinnen täuschen zu lassen: Am Ende wolle Peking sie durch chinesische Technologie verdrängen.

Doch zumindest die nahe Zukunft ist für KUKA gesichert: In einer Investorenvereinbarung hat Midea zugesagt, dass bis Ende 2023 alle Jobs sowie die Konzernzentrale in Augsburg bleiben. „Die Verhandlungen waren hart, aber fair. Das Entscheidende ist, dass die Chinesen uns unser Ding machen lassen“, sagt Konzernchef Reuter. „Midea hat sich außerdem verpflichtet, 100 Millionen Euro in den Augsburger Standort zu investieren. Wenn Sie Kollegen fragen, werden die sagen, dass sie wenig von Midea merken. Und wir wachsen weiter. Das alles scheinen mir Zeichen zu sein, dass die Zusammenarbeit sehr gut läuft.“

Dass kürzlich Fehler im Anlagenbau gemacht und zu lange unter der Decke gehalten wurden, sodass in dieser Sparte durch Umstrukturierung 250 Jobs wegfallen, sei sehr hart, sagt Reuter. Mit der Übernahme durch die Chinesen habe es aber nichts zu tun.

Keine Angst vor dummen Robotern!

Abends im Planetarium. Dessen Leiter Gerhard Cerny steht im Halbrund der Kuppel, über sich einen künstlichen Abendhimmel, um sich herum zwei Dutzend Grundschüler, die in ihren Kippsesseln lümmeln. Sie tuscheln, giggeln, kippeln, vor, zurück, vor, zurück. Doch der Planetariumsleiter lässt sich nicht irre machen. Routiniert entführt er die Kinder zu den Sternen. Hunderte Schulklassen hat er durchgeschleust, das wäre doch gelacht. Cerny wirft die Illusionsmaschine an: Eine Ariane 5 startet mit mächtigen Schubwolken und bringt uns ins All. Die Milchstraße glitzert. Spielend holt er den Jupiter heran und den Mars. Bald hat er die Kinder dort, wo wir alle gern sind: beim Oh! und Ah! und Boah!

Die KUKA AG nutzt den Abend im Rahmen der European Robotics Week für ein Heimspiel: Im Augsburger Planetarium erzählen zwei Mitarbeiterinnen aus der Forschung von dem, was KUKA drei Kilometer östlich von hier herstellt. Ebenso kindgerecht illustriert Gerhard Cerny, dass Roboter im Weltall nützliche Helfer sein können, weil sie zum Beispiel ohne Substanzverlust zum Mars reisen können und dort weder Sauerstoff noch Nahrung benötigen. Thematisch passt das, auch wenn KUKA-Produkte bislang nicht ins All geflogen sind. „Anders als zum Beispiel im technikbegeisterten Japan gibt es in Europa viele Vorbehalte gegenüber Robotern“, sagt Vorstandschef Till Reuter. „Das ist wohl eine Art ‚Terminator-Angst‘. Um die abzubauen, machen wir Aktionen, Werksführungen und Vorträge wie diesen hier.“

Rainer Bischoff fand am Nachmittag die zunehmende Angst vor der vermeintlich übermächtigen Maschine abwegig. Der große Mann im karierten Hemd, der die Forschungsabteilung von KUKA leitet, zeigte auf einen Roboter, der einen Holzzylinder nach dem anderen aus einer Kiste nahm und daneben abstellte. Er sagte: „Das hier zeigt uns, wie leistungsfähig maschinelles Lernen sein kann. Bisher mussten wir Roboter sehr genau programmieren. Aber der hier hat 35 Stunden lang das Greifen von Gegenständen geübt. Er hat 12 000 Versuche gemacht – und mittlerweile gelingen ihm 90 Prozent. Außerdem greift er die Klötze nicht nur an der kurzen Seite, sondern auch an der langen – das hat ihm keiner gesagt! Das heißt: Wenn man geeignete Grundregeln aufstellt, kann sich ein Roboter vieles selber beibringen.“

Also werden Roboter tatsächlich schlau und schlauer? „Ja und nein. Die Roboter in der Massenfertigung werden dumm bleiben. Da reicht die starre Automatisierung: Die machen tagein, tagaus dieselben Bewegungen, mit großer Präzision und einer Kraft, die nur ein Roboter hat. Aber es wird zunehmend veränderliche Prozesse geben, für die man mobile Plattformen oder Roboterarme braucht, die mit Kameras ausgestattet sind und wissen, wohin sie greifen.“

Und das ist nur der Anfang. „Der Roboter soll irgendwann seine Aufgabe verstehen und sie im Verbund mit anderen Robotern erledigen. Erst wenn sich alle Maschinen darüber verständigen können: ‚Was kannst du, was kann ich, wie können wir diesen Auftrag gemeinsam erfüllen?‘ Erst dann sind wir in der Fabrik der Zukunft angekommen.“ Und wann sind die Maschinen so vielseitig wie der Mensch? „Früher habe ich gesagt: In 20 Jahren sind wir so weit. Aber das lasse ich mittlerweile. Dass Roboter eine menschenähnliche Performance haben – das wird noch sehr, sehr lange dauern.“

Maschinen suchen auf dem Mars nach Wasser, spielen Roboter-Fußball oder assistieren bei der Seniorenpflege. Der weltbeste Schachspieler ist ein Computer, der weltbeste Go-Spieler auch. KUKA-Roboter schweißen, schrauben, kleben. Doch das sind allesamt Spezialisten. Sie stoßen rasch an ihre Grenzen, wenn es gilt, eine Tür sanft zu öffnen, ein Kühlregal einzuräumen oder einer alten Frau Trost zuzusprechen.

Bei den Kindern im Planetarium tragen die KUKAner ohnehin Eulen nach Athen: von Angst keine Spur. „Meine Mama macht auch KUKA“, kräht eine Mädchenstimme. Dass hier KUKAner-Kinder sitzen, ist kein Wunder bei fast 4000 Angestellten allein in Augsburg. Auf die Frage, welchen Roboter sie sich wünschen, fliegen die Finger in die Höhe: „Einen, der meine Hausaufgaben macht.“ – „Einen, der für mich in die Schule geht.“ – „Einen, der meiner Mama die Spülmaschine einräumt.“

Letzterer ist „einer der meistgenannten Wünsche“, sagt Robotik-Forscher Rainer Bischoff. „Und es ist eine der schwersten Aufgaben für Roboter. Das werden wir Menschen auf Jahre noch besser können.“ Egal ob Mama, Papa oder Kind. //