Ganes

Südtiroler sind sehr musikalische Menschen. Der Disco-Titan Giorgio Moroder stammt ebenso aus einem der Täler wie die Volksmusik-Giganten Kastelruther Spatzen. Doch die Lieder des Südtiroler Trios Ganes sind selbst in diesem Vergleich speziell. Zu leicht fließenden Rhythmen erheben sich drei Stimmen in einem manchmal fröhlichen, manchmal zarten Harmoniegesang – den nur leider kaum jemand versteht. Denn das Trio singt in seiner Muttersprache: Ladinisch.


Im Gadertal in den Dolomiten, der Heimat der Schwestern Marlene und Elisabeth Schuen sowie ihrer Cousine Maria Moling, ist Ladinisch die Umgangssprache. Doch es ist ein bedrohtes Idyll: Nur noch etwa 30 000 Menschen verständigen sich in der Sprache, die dem Schweizer Rätoromanischen ähnelt. Für eine Popgruppe ist das sehr wenig Publikum. Doch als die drei Frauen 2010 ihre nach lokalen Sagengestalten benannten Gruppe gründeten, gab es für sie keine Alternative. Marlene Schuen erklärt, warum Ganes nach drei Alben noch immer auf Ladinisch singt.

„Wir singen in unserer Muttersprache, weil wir uns mit ihr am besten ausdrücken können – vor allem wenn es um Gefühle geht. Außerdem ist es eine sehr musikalische Sprache, die in dieser Hinsicht ein wenig an das Portugiesische oder Brasilianische erinnert. Die Sprache singt. In unserer Musik ist sie deshalb auch eine Art Klanginstrument.

In der Familie haben wir früher nur Ladinisch gesprochen. Durch den Tourismus und das Fernsehen sind wir früh mit anderen Sprachen in Kontakt gekommen, aber als Kinder wollten wir nie etwas anderes sprechen. Erst in der Schule haben wir Italienisch gelernt und dann Deutsch. Danach wurden die Nebenfächer in verschiedenen Sprachen unterrichtet: Geografie auf Italienisch, Geschichte auf Deutsch, Religion auf Ladinisch. Das wechselte jedes Jahr. Ich finde das System bis heute super. Man wird offener, wenn man mehrere Sprachen spricht. Und je mehr Sprachen man kann, desto leichter wird es, eine neue zu lernen.

Südtirol ist für Musiker eher schwierig. Natürlich gibt es ein großes Interesse an Musik, es wird viel musiziert. Aber eben Hausmusik. Jeder ist in irgendeiner Kapelle oder in einem Chor. Überall ist Musik. Deshalb verstehen viele Leute nicht, dass Musiker ein Beruf ist. Vielleicht im klassischen Bereich. Aber nicht in der Popmusik. In unseren Tälern zahlt man nicht für Musik – man macht sie.“