Wilhelm Zörgiebel

Der agile Unternehmer Wilhelm Zörgiebel bringt reihenweise innovative Biotech-Firmen zum Laufen.




Als Wilhelm Zörgiebel 1990 aus München nach Dresden zieht, hat er wenig Ahnung von Biotechnologie – aber ein gutes Gespür für neue Themen. Der Wirtschaftsingenieur, der an der TH Darmstadt studiert und an der Harvard Business School über Innovationsmanagement promoviert hat, unterstützt nach der Wende große DDR-Kombinate bei der Privatisierung. 1992 schlägt er selbst zu und kauft mit zwei Partnern die historische Möbelmanufaktur Deutsche Werkstätten Hellerau. Es ist der Grundstein für eine Erfolgsstory – heute floriert die Möbelproduktion, das Gebäudeensemble ist saniert und ein Ort der Innovation geworden. Zörgiebel, mittlerweile 63 Jahre alt, hat in zwei Jahrzehnten ein kleines, feines Imperium von Biotech-Firmen aufgebaut: die Molecular Diagnostics Group mit 150 Mitarbeitern und 20 Millionen Jahresumsatz.

Mitte der Neunzigerjahre gründet der Neu-Dresdner mit dem umtriebigen Mikrobiologen Jörg Gabert zunächst die Labor Diagnostik GmbH Leipzig (LDL), ein Servicelabor für Tiermedizin. Man entwickelt schnelle Testsysteme für die Fleischverarbeitung, es geht um Salmonellen bei Schweinen und um BSE. Die LDL wird zu einem führenden Diagnostikanbieter – und gehört seit 2011 als veterinärmedizinisches Kompetenzzentrum zum Biotech-Konzern Qiagen.

1998 entdeckt Zörgiebel bei einer Israel-Reise mit dem Wirtschaftsministerium Start-ups, die mit Gentests hantieren. In dieses Wachstumsfeld will er auch und gründet mit seinem Kompagnon Gabert 1999 die nächste Firma, den DNA-Spezialisten Biotype. „Die Forensik war ein spannendes Feld“, sagt Zörgiebel heute. „Die Kriminalämter begannen, Täterdatenbanken aufzubauen, und wollten ein eigenes, deutsches Diagnostiksystem, keines aus den USA.“ Biotype wird ein weiterer Erfolg und geht 2009 eine Liaison mit Qiagen ein.

Als Nachfolgerin entsteht die Neugründung Biotype Diagnostic, sie überträgt die Gentechnik-Kenntnisse auf die Medizin. Das Unternehmen entwickelt Testsysteme für eine personalisierte Diagnostik, darunter ein Verfahren, das den Erfolg von Knochenmarktransplantationen überwacht. Und die Firmengruppe wächst weiter, 2014 kommt Rotop Pharmaka hinzu, am Forschungszentrum Rossendorf auf nuklearmedizinische Diagnostik spezialisiert. 2015 startet Biotype Diagnostic mit Qiagen die Biotype Innovation. Das Joint Venture entwickelt neue Testverfahren, beispielsweise für die Molekulardiagnostik zur Krebserkennung.

Zörgiebel, der schon Anfang des Jahrtausends die Firma Qualitype als Software-Dienstleister für biotechnologische Anwendungen gegründet hatte, ist ein unruhiger Geist geblieben. Die Entwicklung in Sachsen geht ihm manchmal zu langsam. „Wir sind ein Standort mit exzellenten Spielern und internationaler Wahrnehmung“, sagt er. „Aber ich wünschte mir mehr Flächen und Fonds für Gründer und eine aktive Führungsfigur, so etwas wie einen Innovationsmanager.“ Für die Rolle wäre Wilhelm Zörgiebel wohl auch selbst sehr qualifiziert.