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Aids - eine Chronologie

Um 1900
Inzwischen gilt als gesichert, dass bereits Anfang des 20. Jahrhunderts ein Urtyp des HI-Virus von Affen auf den Menschen übertragen wurde. Als Vorgänger des Erregers wurde das bei Schimpansen vorkommende SI-Virus identifiziert. Experten gehen davon aus, dass seine Verbreitung vermutlich in der Region Westafrika begann.


1959
Im Kongo wird einem Mann Blut abgenommen. Untersuchungen der Blutprobe ergeben Jahrzehnte später, dass sie HIV-Antikörper enthält. Es handelt sich um die erste nachgewiesene HIV-Infektion bei einem Menschen. 1978
In Deutschland wird bei einem Patienten eine rätselhafte Erkrankung festgestellt. Wie sich bei späteren Analysen herausstellt, war der Patient mit dem HI-Virus infiziert. Es ist der erste dokumentierte Aids-Fall hierzulande. 1981
Ein Wissenschaftler der University of Los Angeles (UCLA) berichtet in einem Fachartikel über eine ungewöhnliche Konstellation von Pilzinfektionen und speziellen Lungenentzündungen. Betroffen sind fünf offenbar sonst gesunde, homosexuelle Männer. Wenig später erscheint in der New York Times ein Artikel über eine Reihe ähnlicher Krankheitsfälle bei Homosexuellen mit Kaposi-Sarkomen. 1982
Das neue Krankheitsbild wird jetzt auch in Europa beobachtet. Die Erkrankung erhält einen Namen: Auf einer Konferenz in den USA einigen sich die Fachleute auf Acquired Immune Deficiency Syndrome, kurz Aids. Der Wissenschaftler Ro- bert Gallo, der am amerikanischen National Cancer Institute forscht, stellt die Hy- pothese auf, dass Aids durch ein Retrovirus ausgelöst wird. Es stellt sich heraus, dass Aids auch bei heterosexuellen Frauen und bei Drogenkonsumenten auftritt. Erstmals wird die Infektion bei einem Patienten in Deutschland diagnostiziert. Mitte 1982 sind in den USA 452 Erkrankungen gemeldet und 177 Todesfälle. 1983
Dem Team um den Wissenschaftler Luc Montagnier gelingt in der virologischen Abteilung des Institut Pasteur in Paris der Nachweis eines Retrovirus. Im Mai ver- öffentlicht Luc Montagnier ein Bild des neuen Erregers im Fachmagazin Science. Zudem schickt er Proben des Virus an Robert Gallo in die USA.
In den USA steigt die Zahl der gemeldeten Erkrankungen auf 3064, davon sind sieben Prozent Frauen. Die Zahl der Todesfälle steigt auf 1292. 1984
Die amerikanische Gesundheitsministerin Margaret Heckler gibt zu Protokoll: „In ein paar Jahren wird es eine Impfung gegen Aids geben. Wir werden innerhalb der nächsten beiden Jahre Heilungsmethoden gefunden haben.“ In Deutschland kom- men die ersten HIV-Antikörper-Tests zum Einsatz. Ende 1984 gibt es in den USA 7699 gemeldete Erkrankungen, die Zahl der Toten ist auf 3665 angestiegen. 1985
Die Gesundheitsbehörde der USA lässt den ersten HIV-Antikörper-Test zu. In Atlanta findet die erste internationale Aids-Konferenz statt. Der erste HIV-Patient erhält im Rahmen einer Studie den Wirkstoff AZT. Die Substanz blockiert das Enzym Reverse Transkriptase, das für die Umschreibung der Virus-Erbinformation in menschliche DNA wichtig ist. 1986
Der amerikanische Kongress beschließt die Gründung eines Netzwerks für Aids- Forschungseinrichtungen und stellt dafür rund 50 Millionen Dollar zur Verfügung. Bei 29.003 US-Bürgern ist Aids diagnostiziert, die Zahl der Toten steigt auf 16.301. 1987
Die amerikanische Gesundheitsbehörde lässt AZT unter dem Namen Retrovir als erstes Medikament gegen Aids zu. Die Behandlungskosten betragen rund 10 000 Dollar im Jahr. Damit ist die Therapie die bis dahin teuerste der Medizingeschich- te. Die Wirksamkeit des Medikaments hängt von einer akribischen Verabreichung ab: Es muss rund um die Uhr exakt alle vier Stunden genommen werden.
47.743 Aids-Erkrankte leben mittlerweile in den USA, 27.909 sind gestorben. 1989
Der Vertrieb des neuen Medikaments ddl, das ebenfalls antiretroviral wirkt, wird in den USA bereits vor der Zulassung genehmigt.
Die Zahl der registrierten Aids-Fälle in den USA liegt jetzt bei 117.781. 1990
Die amerikanische Gesundheitsbehörde erlaubt bereits vor der Zulassung die Ver- schreibung von ddC, einer weiteren antiretroviralen Substanz. Es soll Patienten helfen, bei denen AZT keine Wirkung zeigt und die an keiner klinischen Studie teil- nehmen können. Die Zahl der an Aids Erkrankten in den USA liegt bei 161.073, insgesamt sind seit Juni 1981 bereits 100.813 Patienten gestorben. 1992
Die FDA genehmigt den sogenannten Parallel Track. Damit bekommen HIV-Patienten die Möglichkeit, auch noch nicht zugelassene Medikamente zur Bekämpfung der Krankheit einzusetzen. Voraussetzung dafür ist, dass die herkömmliche Therapie bei ihnen keinen Erfolg zeigt.
Aids ist für US-Männer zwischen 25 und 44 Jahren die Todesursache Nummer 1. 1993
Die über mehrere Jahre laufende europäische Concorde-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass AZT in der Monotherapie keinen zusätzlichen Nutzen bringt. Die Hälfte der Patienten hat sofort nach der Diagnose AZT bekommen, die andere zunächst ein Placebo und erst später AZT. Bei den früh mit AZT behandelten Patienten kam es zu mehr Todesfällen und wegen schwerer Nebenwirkungen weit öfter zum Abbruch der Therapie. Die ursprünglich empfohlene Dosierung wird nach Veröffentlichung der Untersuchung stark gesenkt.
361.164 Aids-Diagnostizierte in den USA, 220.736 Tote. 1994
Eine Pilotstudie zeigt die Überlegenheit der Kombinationstherapie zur Monotherapie. Aids ist die Haupttodesursache für alle US-Amerikaner zwischen 25 und 44 Jahren. 1995
Studien zeigen endgültig, dass der Einsatz von AZT in Kombination mit ddI oder ddC gute Ergebnisse bringt. Ein erster Proteasehemmer wird von der FDA zur Kombinationstherapie zugelassen. Zum Jahresende ist bei 513.486 US-Bürgern Aids diagnostiziert, 319.849 Menschen sind bislang gestorben. 1996
Zwei weitere Proteaseinhibitoren werden von der FDA zugelassen. Die hochaktive antiretrovirale Therapie HAART (Highly Active Anti-Retroviral Therapy), in der AZT, ddI oder ddC mit einem Proteasehemmer kombiniert werden, wird zum Behandlungsstandard. Sie verhindert die bis dahin immer wieder auftretenden Resistenzen. Der erste Vertreter einer neuen Medikamentenklasse, der nicht-nuk- leosidale Reverse Transkriptase-Hemmer, wird zugelassen. Tests ermöglichen erst- mals die Bestimmung der Viruslast im Blut.
Die Zahl der Aids-Diagnosen sinkt in den USA zum ersten Mal seit Ausbruch der Epidemie. 1997
Nach Angaben der Seuchenbehörde sinkt in den USA erstmals die Zahl der Aids- Toten. Es werden neue Kombinationspräparate zugelassen. 1998
Mit einer ergänzenden Zulassung wird ein Test auf den Markt gebracht, dessen untere Nachweisgrenze der Viruslast nicht bei 400, sondern bei 50 Kopien liegt, also hochempfindlich und verlässlicher ist. 1999
Ein weiterer Proteasehemmer (Handelsname Agenerase) erhält in den USA die beschleunigte Zulassung.
Nach Schätzungen der WHO leben weltweit 33 Millionen Menschen mit Aids. 14 Millionen sind gestorben. 2000
Die Europäische Union erteilt die Zulassung für eine Dreier-Kombinations-Pille. Das neue Medikament Trizivir besteht aus AZT, 3TC und Abacavir. In den USA sind zum Jahresende 774.467 Erkrankungen und 448.060 Todesfälle registriert. 2003
Ein erster Fusionshemmer erhält die Zulassung. Der Wirkstoff Enfuvirtid verhindert, dass das HI-Virus mit der menschlichen Zellmembran verschmelzen und in sie eindringen kann.
Die WHO startet am 1. Dezember die „3 by 5 Initiative“. Sie soll bis Ende 2005 drei Millionen HIV-Infizierten den Zugang zu antiretroviralen Medikamenten verschaffen.
Die US-Seuchenbehörde schätzt, dass 27 000 der jährlich 40.000 Neuinfektionen in den USA durch Ansteckungen von Infizierten zustande kommen, die nicht wissen, dass sie das Aids-Virus in sich haben. 2005
Das Robert-Koch-Institut teilt mit, dass die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland im ersten Halbjahr drastisch angestiegen ist. 2006
In den USA wird die erste Dreier-Kombination in einem Medikament zugelassen, das nur einmal täglich genommen werden muss. 2008
Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier erhalten den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung des HI-Virus. 2009
Der Verwaltungsrat von UNITAID gibt grünes Licht für einen Patentpool für Aids- Medikamente. 2010
Die FDA lässt einen HIV-Schnelltest in den USA zu. 2011
Das Robert-Koch-Institut errechnet, dass die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland seit 2007 sinkt. 2013
Die Hoffnungen auf eine Impfung werden nach erfolglosen Tests vorerst enttäuscht.