Ausgabe 08/2016 - Artikel

Die Wiener Stadtfabrikanten

• Bislang reisten die Manner-Mitarbeiter Morgen für Morgen in die Vergangenheit. In der Fabrik hinter heller Gründerzeitfassade und schnörkeligem Eisentor, in verwinkelten Fertigungshallen stellten sie Tag für Tag zig Tonnen Kekse, Lebkuchen und Waffeln her. 1898 hatte der Firmengründer Josef Manner das Haus seiner Eltern im Wiener Stadtteil Hernals zu einem Produktionsbetrieb umgebaut, und seitdem hatte sich dort nicht viel geändert.

Bis jetzt. Die historische Fabrikfassade an der Wilhelminenstraße steht nach wie vor, doch im Inneren ist ein großes neues Produktionsgebäude entstanden, dazu ein Bürotrakt, ein Verladezentrum, eine Tiefgarage. Gut 40 Millionen Euro steckte Manner in die Wiener Zentrale des Familienunternehmens mit einem Jahresumsatz von zuletzt 176 Millionen Euro.

Die Modernisierung hätten sie billiger haben können. Zu Manner gehörten bislang zwei Werke in ländlichen Gegenden Österreichs, dort gibt es viel Platz, wenige Nachbarn, das Bauland ist günstig, und die Steuersätze liegen unter denen einer Großstadt. Doch die Chefs entschieden sich dafür, den Standort in Oberösterreich aufzugeben. Und stattdessen das Stammwerk Wien auszubauen. „Eine Investition für die kommenden 100 Jahre“, sagt der Finanzvorstand Albin Hahn. „Wir haben wieder einen Standort, der selbst im internationalen Vergleich mit den großen Konkurrenten absolut wettbewerbsfähig ist.“

Ein Industrieunternehmen, das seine Zukunft im Zentrum einer Metropole sieht, das war lange Zeit undenkbar. Fabriken waren ins Industriegebiet oder ins Ausland verlagert worden, die Zukunft des urbanen Raums schien Dienstleistern und der Internet-Branche zu gehören. Doch die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise brachte viele ins Grübeln und dazu, den Wert einer gesunden industriellen Basis zu schätzen. Seitdem wollen Großstädte wieder für Fertigungsbetriebe attraktiv werden, wollen neue Hersteller locken und alteingesessene Unternehmen halten.

Lange hatten sich Politik und Planer auf das Schaffen von Wohnraum konzentriert und die Abwanderung von Betrieben hingenommen. In Wien war es nicht anders. „Wie auch andere Metropolen in Europa hatte sich die Stadt mit dem Schrumpfen der Produktion abgefunden, es galt schon fast als natürliche Entwicklung“, sagt Gerhard Hirczi, Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur Wien. Vor einigen Jahren setzte das Umdenken ein. Der neue Kurs lautete: „Die Industrie ist wesentlicher Bestandteil für einen stabilen Wirtschaftsstandort.“ Zwar definiere sich Wien in erster Linie als Dienstleistungsmetropole, sagt Hirczi. Was ohne einen industriellen Kern jedoch nicht funktioniere. „Sich gegenseitig bedienstleisten reicht nicht. Es muss auch Unternehmen geben, die Dienstleistungen brauchen.“

Die Voraussetzungen sind gut in Wien, denn es gibt nach wie vor Industrie. Insgesamt 8000 Unternehmen fertigen in der Stadt – von der Einmannschusterei bis zum internationalen Großkonzern. Und was andernorts als Urban Manufacturing gehypt wird, das hat die Metropole ohnehin seit je: traditionelle Handwerksunternehmen, die für die Bewohner der Stadt produzieren.

Ab wann ist ein Hersteller ein wichtiger Industriebetrieb? Die Wiener Wirtschaftskammer macht es an der Größe der Belegschaft fest: Gut 200 der Wiener Produktionsbetriebe haben mehr als 100 Mitarbeiter, stellen im Industriesektor der Stadt 60 Prozent der Jobs und sind für 75 Prozent der dort erzeugten Wertschöpfung verantwortlich. Mit gut 15 Prozent der gesamten österreichischen Industrie steht die Hauptstadt an dritter Stelle der Produktionsstandorte des Landes – nach Niederösterreich und Oberösterreich und gleichauf mit der Steiermark. Die Wiener Betriebe haben insgesamt 140 000 Arbeitsplätze und stellen Waren im Wert von 22 Milliarden Euro her; um die 400 000 Jobs und weitere Milliardenumsätze hängen bei Dienstleistern und Lieferanten von der lokalen Industrie ab.

Auch aus der Hauptstadt sind in den vergangenen Jahren eine Reihe Industriebetriebe ins Umland gezogen. Es waren vor allem Firmen, die viel Platz brauchen, im Stadtgebiet sind Flächen knapp und entsprechend teuer. Seit 2000 schrumpften die Gewerbegebiete um 16,5 Prozent, berichtet die Wiener Wirtschaftskammer, der Verlust an reiner Industriefläche liege sogar bei 30 Prozent. Der Hauptgrund dafür: Gewerbegebiete wurden in Wohngebiete umgewidmet. Und der Druck steigt weiter, bis 2030 wird die 1,7-Millionen-Stadt um weitere 300 000 Menschen wachsen. Das bedeutet: Mehr Wohnraum muss her. Es bedeutet aber auch: Wien braucht weitere Arbeitsplätze, die Stadt muss neue Firmen anlocken und ansässigen Betrieben Wachstumsmöglichkeiten bieten.

Ottakring, ein traditionelles Arbeiterviertel, ist heute ein kleines österreichisches Kreuzberg. Ende des 19. Jahrhunderts schlug hier das industrielle Herz Wiens. Ottakring war Sitz etlicher Hersteller, von der Tabakfabrik über Maschinenbauer bis zu Textilproduzenten. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerten die meisten ihre Fabriken. Nur die Ottakringer Brauerei, die Kaffeerösterei Julius Meinl und Marmeladenhersteller Staud’s produzieren nach wie vor mitten im Viertel.

Die Konfitüren, Gelees und Gemüsekonserven von Staud’s, um die 50 000 Gläser pro Tag, entstehen in zwei kleinen Hinterhof-Fabriken, fünf Minuten Fußweg voneinander entfernt. Den Firmenchef nervt das Platzproblem seit Jahren, die Pläne für ein Erweitern des Unternehmens sind längst fertig. Hans Staud will eine gläserne Produktion einrichten, würde dafür gut 12,5 Millionen Euro in Ottakring investieren. „Was soll ich irgendwo draußen am Stadtrand?“, fragt er. „Das wären Stunden Fahrt für unsere Mitarbeiter. Die Stadt braucht ja auch Industrie, braucht produzierendes Gewerbe. Nicht jeder kann im Büro arbeiten.“

Doch ein Produktionsausbau im Wohnviertel ist für die Firma mit hohen Kosten verbunden – wegen der gesetzlichen Stellplatz-Verpflichtung. Wer seine Produktionsfläche vergrößert, muss mehr Parkplätze schaffen. Was in Ottakring nur mit einer Tiefgarage funktionieren würde. Die Staud’s aber nach Auskunft des Chefs nicht braucht.

Während der Marmeladenhersteller noch mit der Bürokratie kämpft, haben sich andere Firmen dem Standort angepasst. Im gutbürgerlichen Stadtteil Erdberg mit seinen Jugendstilbauten, ein paar Ecken entfernt vom Hundertwasser-Haus, betreibt Henkel eine Flüssigwaschmittel-Produktion, es ist die weltweit größte des Konzerns. 1927 wurde das Werk gegründet, seitdem ist es auf das Zigfache gewachsen, heute nimmt es einen ganzen Block des Viertels ein. Rund 240 000 Tonnen Ware werden dort pro Jahr hergestellt. Die Fabrik besteht aus mehreren grauen Gebäudeklötzen, einige mit haushohen Rolltoren, nur ein rundes Firmenlogo über dem Haupteingang verrät, was innen passiert.

Die Werksleitung setzt auf gute Nachbarschaft. Man gibt eine Stadtteil-Zeitung heraus, lädt Schüler aus dem Viertel zu Bewerbertrainings ein, schaltet nachts die Signaltöne der Transporter ab, hat gläserne Schallschutzwände zu den angrenzenden Häusern errichtet. Beschwert sich trotzdem jemand über Lärm, werden sofort alle Fenster der Fabrik geschlossen. Früher produzierte Henkel Wien auch Pulverprodukte, doch die Umweltauflagen und die Kosten für Filteranlagen waren hoch, und wenn ein Anwohner weißen Staub auf dem Balkon entdeckte, gab es Ärger.

Vor gut drei Jahren spezialisierte sich das Werk daher auf Flüssigartikel. Dank neuer Maschinen verbesserte Henkel nicht nur die Produktionsabläufe, die Fertigung verbraucht seitdem auch weniger Energie und Wasser und verursacht weniger Abfall. Von den in Wien entwickelten Techniken profitieren mittlerweile auch andere Werke des Konzerns. Derzeit arbeitet das Wiener Team an der Verbesserung der Heiz- und Kühlkreisläufe und versucht den Einsatz von Lösemitteln zu minimieren. „Aufgrund der innerstädtischen Lage müssen wir das Rad ständig weiterdrehen, wir müssen permanent innovativ sein“, sagt Henkels Zentral- und Osteuropa-Präsident Günter Thumser. „Nur mit Hightech-Prozessen hat ein Industriebetrieb eine Daseinsberechtigung im urbanen Raum.“

Modern und effizient: die vertikale Fertigung

Diesen Schluss hat auch der Waffelhersteller Manner gezogen und seine Produktion im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf gestellt. Denn in die Breite zu wachsen war in Wien nicht möglich, das Werk liegt mitten im 17. Bezirk, schmale Straßen und alte Wohnhäuser zu allen Seiten. Nach oben jedoch war noch Luft. Also ließen sie im Innenhof ein neues Fabrikgebäude bauen, sieben Stockwerke ist es hoch. Vertikale Produktion heißt das neue Fertigungsprinzip – Manner stellt seine Backwaren künftig von oben nach unten her.

In der obersten Etage ist noch Baustelle, Techniker bereiten die Installation der riesigen Waffelöfen und der Creme-Maschinen vor. Im Stockwerk darunter stehen schon die Verpackanlagen, dann kommt die Palettieretage, im Erdgeschoss wird die Ware auf Transporter gehen. „Mit dem Vertikalkurs verschaffen wir uns 30 Prozent mehr Fertigungsfläche“, sagt Technikleiter Michael Höbinger. Vor allem aber rechnet das Unternehmen mit einem ordentlichen Effizienzsprung.

Die Produktion war wie in vielen Betrieben historisch gewachsen. Neue Anlagen kamen dahin, wo gerade Platz war, wurden mit Förderbändern verbunden, irgendwie passte es schon. Jetzt erhält jeder Produktionsschritt seine eigene Etage, das spart Wege, Platz, Zeit. Gleichzeitig, so hofft Manners Finanz- und Personalchef Albin Hahn, werde sich auch das Innere der Organisation verändern, die Zusammenarbeit seiner Leute. Denn künftig gelte: Nur so gut wie die Kollegen im oberen Stockwerk arbeiten, so gut kann das Team in der darunter liegenden Etage sein. Ein weiterer positiver Effekt: Mit allen Backöfen auf einer Etage lässt sich die eigene Abwärme unkompliziert als Energiequelle nutzen.

Hahn spricht von einem einschneidenden Wandel: „Man muss völlig anders denken, muss sich lösen vom Modell grüne Wiese, wo man mit dem Fahrrad durch die Produktionshalle fährt.“ Die neue Fertigung werde das Unternehmen effizienter machen als vergleichbare Hersteller, glaubt er.

Eine Prognose, die Forscher der Technischen Universität Wien bestätigen. Die Wissenschaftler haben sämtliche Abläufe und Wege der vertikalen Produktion bei Manner simuliert und analysiert. Zudem ist der Ansatz nicht neu. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in New York vertikal arbeitende Fleischfabriken, heute setzen etwa der norddeutsche Müslifabrikant Brüggen und Modemacher American Apparel auf das Oben-nach-unten-Prinzip.

Fachleute prognostizieren dem Fertigungsstandort Stadt eine rosige Zukunft. Die urbane Produktion biete Vorteile für alle Beteiligten, sagt etwa Hans-Jörg Bullinger, Arbeitswissenschaftler und ehemaliger Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. „Sie ist nicht nur ressourcen-effizient, sondern ermöglicht auch eine Symbiose von Arbeits- und Lebensumfeld der Menschen.“ Die Pluspunkte der Stadt für Unternehmen: ein großes Potenzial qualifizierter Mitarbeiter, die Nähe zu Dienstleistern und Lieferanten, der Zugang zu Bildungs -und Forschungseinrichtungen. Für Mitarbeiter ermögliche die Fabrik in der Stadt nicht nur kurze Wege, sondern auch flexiblere Arbeitszeitmodelle. Was wiederum die Produktion stärke, argumentiert Bullinger. Die Stadt profitiere von weniger Verkehr, Emissionen und Lärm, der Energieverbrauch sinke, die Kaufkraft steige.

Gute Gründe also die Fabriken wieder in die Stadt zu holen. Oder sie in der Stadt zu halten. Die Wiener Politik sieht den Manner-Umbau als Pilotprojekt und hofft auf Nachahmer. „Selbst im dicht bebauten Gebiet lassen sich innovative Lösungen finden, die sich auch ökonomisch auszahlen“, sagt die Wirtschafts- und Finanzstadträtin Renate Brauner.

Allerdings passe nicht jeder in die Stadt, sagt der Chef der Wirtschaftsagentur Hirczi. „Um die Akzeptanz der Bürger für die Industrie zu sichern, brauchen wir eine mit der Metropole verträgliche Industrie. Die Zeit der rauchenden Schornsteine ist für Wien vorbei.“ Der ehemalige Siemens-Mann Hirczi spielt in der lokalen Standortpolitik eine Schlüsselrolle. Mit bis zu einer halben Million Euro bezuschusst Wien Unternehmen, die sich in der Stadt neu ansiedeln; Fördergeld verteilt die Wirtschaftsagentur auch an Gründer, Start-ups, Kreative; Beratung bekommen sowieso alle. So weit das übliche Programm für Wirtschaftsförderer. In Wien jedoch machen sie besonders für das produzierende Gewerbe mobil.

Indem Hirczi und sein Team für bürokratiegeplagte Betriebe wie Marmeladen-Staud’s nach Lösungen und Kompromissen suchen. Indem sie Unternehmen wie Manner mit passenden Forschungsprojekten an den Wiener Hochschulen vernetzen. Indem sie mit einer PR-Kampagne Hersteller ins Rampenlicht rücken, die sonst keine klassische Werbung für ihre Produkte machen. Demnächst steht auch eine „Lange Nacht der Industrie“ auf dem Plan, in der Firmen ihre Werkstore für Besucher öffnen.

Solche Öffentlichkeitsarbeit sei auch deshalb nötig, so Hirczi, weil die Wiener allgemein lieber darüber jammerten, was schlecht läuft, als über Positives zu sprechen. Als der Süßwarenfabrikant Niemetz, Hersteller der österreichischen Schokokuss-Version, im vergangenen Jahr ins günstigere Umland zog, werteten das lokale Medien und die Wirtschaftskammer als Beweis für den Niedergang des Industriestandortes Wien. Fakt ist: In den vergangenen fünf Jahren wanderten 60 Unternehmen aus der Hauptstadt ab, es waren vor allem kleine Betriebe. Allerdings zogen im vergangenen Jahrzehnt mehr als 800 internationale Unternehmen nach Wien, und große Hersteller wie Siemens und Opel wollen auch in Zukunft in der Stadt bleiben, manche Firmen erweitern ihre Produktion.

Dazu zählt Boehringer Ingelheim. Der deutsche Pharmakonzern errichtet an seinem Wiener Standort eine neue Großproduktion für Wirkstoffe. Die Investitionssumme liegt bei gut 500 Millionen Euro, zu den 1400 Arbeitsplätzen kommen 400 neue Stellen hinzu. Sowohl für die Stadt als auch für das Unternehmen ist es die bislang größte Einzelinvestition. Philipp von Lattorff, Leiter des Standortes Wien, schwärmt: „Wien hat eine ideale Lage, um unsere Wachstumsmärkte Zentral- und Osteuropa zu bedienen. Das Bildungsniveau ist hoch, wir haben keine Rekrutierungsprobleme. Für Spitzenkräfte wiederum ist die Stadt aufgrund ihrer Lebensqualität sehr attraktiv.“

Liebeserklärung vom Bürgermeister

Zudem kam das Bekenntnis der Politik zur produzierenden Wirtschaft bei Boehringer gut an. Zum vierten Mal haben Stadtverwaltung und Industriellenvereinigung ein Abkommen zur weiteren Entwicklung des Standortes geschlossen. Letztlich überzeugte die deutschen Boehringer-Vertreter ein knapper Satz des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl: „Wir woll’n euch.“

Die Politik hofiert die großen Hightech-Firmen, lautet ein Vorwurf, der immer wieder mal erhoben wird. Klassische Produktionsbetriebe zählten dagegen wenig. Tatsächlich sind es vor allem Konzernzentralen, Forschungssparten, Entwicklungszentren und Vertriebseinheiten, mit denen sich Unternehmen in der Metropole neu ansiedeln. „Wer einen kurzen Draht zur Wissenschaft braucht, der ist in Wien gut aufgehoben“, sagt der Wirtschaftsförderer Hirczi. Wer dagegen auf viel Fläche angewiesen sei und auf billige Arbeitskräfte, „der ist außerhalb der Großstadt besser platziert“. Allerdings verändere die Digitalisierung die Spielregeln. Künftig sei dank ihr „im urbanen Raum viel mehr Produktion möglich“.

Joachim Lentes vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart sieht das ähnlich. Der technische Fortschritt erlaube mehr Dezentralisierung. Damit stelle sich die Frage: Welche Phasen des Herstellprozesses passen wo am besten? „Die Produktentwicklung muss eng am Endkunden laufen, eine vom Kunden unabhängige Fertigung kann irgendwo draußen passieren, die Endschritte wiederum gehören nah an den Kunden.“ Lentes prophezeit, dass sich produzierende Unternehmen in Fabrik-Segmente aufsplitten werden.

Solche Konzepte sind in Wien noch kein Thema. Dort setzt man unter anderem darauf, die junge Kreativwirtschaft mit der klassischen Industrie zusammenzubringen. Innerhalb der Wirtschaftsagentur arbeitet ein Technologie-Team an dieser Vernetzung: Es bringt Hersteller, die die Lösung für ein bestimmtes Problem suchen, mit passen Nachwuchsfirmen zusammen.

Die größte Baustelle Wiens liegt im Nordosten der Stadt, vom Zentrum eine knappe halbe Stunde mit der U-Bahn entfernt. Dort entsteht die Seestadt Aspern. Auf insgesamt 240 Hektar sollen in etwa 20 Jahren 20 000 Menschen leben – und ebenso viele arbeiten. Mit dem bewussten Durchmischen beider Sphären will man an die Ursprünge moderner Großstädte anknüpfen. Und die Fehler der Vergangenheit vermeiden: Neben Wohnungen und Büros soll es auch produzierende Unternehmen geben.

Eines davon ist der Hydraulik- und Kompressorenhersteller Hoerbiger. Die Firmenzentrale sitzt in der Schweiz, in Wien unterhielt der Konzern bislang zwei Standorte für Produktion und Verwaltung. Mit den Nachteilen der Innenstadtlage ist bald Schluss, Hoerbiger legt alles in Aspern zusammen, ergänzt um ein Forschungs- und Entwicklungszentrum, insgesamt entsteht ein 24 000-Quadratmeter-Komplex. Die Stadtplaner setzen auf einen Magneteffekt des Hoerbiger-Umzugs – erste kleinere Unternehmen siedeln sich bereits im neuen Stadtteil an.

Das neue Quartier steht auch für eine weitere Lehre aus Wien: Wenn die Stadt für produzierende Unternehmen zu eng wird, dann muss sie eben wachsen. ---

Mehr aus diesem Heft

Lust 

Späte Liebe

Warum eine Hamburgerin mit 40 Köchin wurde.

Lesen

Lust 

Ohne kommt man auch gut durchs Leben

Moritz und Thomas Neubronner gingen jahrelang nicht zur Schule. Sie hatten keine Lust dazu. Sie wollten jeden Tag nur das tun, was Spaß macht. Die Geschichte zweier Totalverweigerer.

Lesen

Idea
Read