Ausgabe 10/2016 - Leserbriefe

Leserbriefe

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brand eins 09/2016
Fixpunkte

Katharina Michalski, per E-Mail
Maximilian Kolbe war Pole, nicht Deutscher. Ich hoffe, er taugt trotzdem zum Vorbild.

brand eins 09/2016
Die Ketzerin

Heike Unterpertinger, München
Im Editorial zum Septemberheft 2016 habe ich über Orientierungspunkte in einer unübersichtlichen Zeit gelesen – zum Beispiel Filterblasen, in denen alle einer Meinung sind. Natürlich fühle ich mich, wie sicher andere auch, ertappt und auch ermahnt, querzudenken und breiter zu informieren, was vollkommen in Ordnung ist. Dann habe ich den Beitrag über „Die Ketzerin“ gelesen und war etwas enttäuscht darüber, dass der Text auch ­etwas von einer Filterblase hatte: ein Abgesang auf die Homöopathie, der keine Zweifel offenlässt. Und es kam mir vor, als hätte der Autor Jens Bergmann mit der Ärztin Natalie Grams eine Gesprächspartnerin gefunden, die seine eigene Meinung kompetent widerspiegeln kann. Aber sollte der Blick in Ihrem anspruchsvollen Heft wirklich so eng bleiben?

Jochen Sauer, per E-Mail
Frau Grams analysiert die Wirkungsmechanismen der Homöopathie sehr umfassend aus naturwissenschaftlicher Sicht. Viele der angeführten Sachverhalte sind nachvollziehbar und bedenkenswert. Warum eskaliert diese Diskussion dann zur Glaubensfrage? Liegt es nur an den Homöopathie-Gläubigen oder ist die Art der Diskussionsführung von beiden Seiten problematisch?

Die Auseinandersetzung erinnert an die die Diskussion zwischen Atheisten und religiösen Menschen. Die Atheisten argumentieren, dass sie nicht an Gott glauben können, da dessen Existenz nicht beweisbar ist. Religiöse Menschen brauchen keinen „logischen“ Beweis der Existenz Gottes, sie gehen einfach trotzdem in die Kirche. Daraus können wir zumindest ableiten, dass auf der Glaubensebene offensichtlich andere Argumentationsmuster greifen als in der Naturwissenschaft. Für die Auseinandersetzung um die Homöpathie wird uns eine Diskussion auf der Glaubenseben somit kaum weiterbringen. Es kann auch nicht Ziel der Naturwissenschaft sein, dass diese zur Glaubensfrage verkommt. Insofern muss aus naturwissenschaftlicher Sicht auch immer dargelegt werden, wozu belastbare Aussagen möglich sind, und wozu nicht. Es lässt sich nun mal nicht alles auf dieser Welt naturwissenschaftlich erklären – auch wenn heute oft so getan wird.

Ich empfehle zu diesem Sachverhalt das Buch „Glaube und Vernunft“ von Benedikt dem XVI mit Kommentar von Gesine Schwan; Zitat (Seite 37):
Ein so „verkürzter“ Vernunft- und Wissenschaftsbegriff, der von vornherein ausblendet, was nicht im Experiment falsifiziert werden kann, wird dem Ganzen der Wirklichkeit (und dem Menschen) nicht gerecht. Der Papst warnt denn auch vor „den uns bedrohenden Pathologien der Religion und der Vernunft, die notwendig ausbrechen müssen, wo die Vernunft so verengt wird, dass ihr die Fragen der Religion und des Ethos nicht mehr zugehören“.

Wie sieht es nun mit der naturwissenschaftlichen Bewertung der Homöpathie aus?
Hier steht vorrangig der Vorwurf im Raum, dass Globuli keine medizinische Wirkung entfalten. Anerkannt wird jedoch, dass die Behandlungsmethode der Homöopathie offensichtlich Elemente enthält, die eine Heilungswirkung aufweisen können (Gesprächsführung, Arzt-Patienten-Beziehung, Ganzheitlichkeit,...). Offensichtlich sind diese Elemente der Behandlungsmethode derzeit nicht beschreibbar und damit der Naturwissenschaft nicht zugänglich. Seitens der Homöopathie scheint kein großes Interesse zu bestehen, diese Methoden naturwissenschaftlich aufzubereiten. Vor diesem Hintergrund erscheint ein „Kreuzzug“ gegen die Homöopathie nicht zwingend erforderlich. Vielleicht hilft eine Kosten-Nutzen-Rechnung wie bei der Psychotherapie, deren Wirkung scheint aus naturwissenschaftlicher Sicht auch nur schwer belegbar zu sein.

Aus meiner Sicht gibt es darüber hinaus eine zentrale Schieflage bei der Homöopathie-Kritik: Der Behandlung mit Globuli wird vorgeworfen, dass sie falsch eingesetzt werden kann und dann zu Folgeproblemen führt. Dass ist aber bei einer konventionellen medizinischen Behandlung nicht anders. Auch dort gibt es Fehlbehandlungen und in hohem Umfang werden bis heute Antibiotika, Schmerzmittel, Schlafmittel, Blutdruckmittel verschrieben, die eigentlich nicht nötig wären. Hier wird die Homöopathie-Kritik einseitig, da so getan wird, als könnten Fehlbehandlungen nur in der Homöopathie auftreten. Die umfangreichen Fehlbehandlungen in der konventionellen Medizin werden nicht in entsprechender Differenzierung aufbereitet. Konventionelle Mediziner tendieren nun mal auch dazu, den Patienten Medikamente zu verschreiben, obwohl diese nicht zwingend erforderlich sind. Nur geht der Patient dann statt mit Globuli ggf. mit Antibiotika nach Hause – bei einer Virusinfektion wären die Globuli vermutlich die bessere Wahl.

Aus meiner Sicht ist die Kombination von Elementen der Homöopathie mit der konventionellen Medizin nicht per se des Teufels, solange der Arzt im Einzelfall sachgerecht entscheidet, wie er vorgehen kann.

brand eins 09/2016
Das andere Afrika

Christoph Schaaf, München
In dem ansonsten sehr lesenswerten Artikel ist ein Fehler enthalten, zu dem mich die richtigen Zahlen interessieren würden: Sie schreiben, dass 1990 zwei (!) Milliarden Menschen in Afrika in absoluter Armut lebten. Heute beträgt die gesamte Einwohnerzahl des Kontinents aber erst 1,1 Milliarden. Haben Sie da weltweite Zahlen verwendet? Wie sehen die Zahlen für Afrika aus?
(Anm. der Red.: Danke für den Hinweis – das ist tatsächlich die weltweite Zahl. 1990 lebten in Afrika 287 Millionen Menschen, 56,8 % der Bevölkerung, von weniger als 1,90 Dollar am Tag. Heute leben 387 Millionen unterhalb der Armutsgrenze. Das entspricht 35,2 % der afrikanischen Bevölkerung.)

Korrektur:

Im Beitrag „Der Maschinenlehrer“ in Ausgabe 09/2016 haben sich einige Ungenauigkeiten eingeschlichen. Wir bitten dies zu entschuldigen. Die korrigierte Fassung finden Sie hier.

Facebook-Reakionen

brand eins 09/2016  
Die Ketzerin

Bettina Frank
Wirklich ein klasse Artikel, gut und seriös recherchiert und angenehm unaufgeregt. Danke dafür!

Carmen Schirling 
Was ich besonders von diesem Artikel mitgenommen habe, ist die Forderung, dass Ärzte ganzheitlich an den Patienten herangehen, anstatt an Symptomen herumzudoktern.

Ute Grabow 
Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass Homöopathie alleine nicht hilft. Bei mir hat sie jedoch viele emotionale Dinge ans Licht gebracht, damit ich sie in mir klären und heilen konnte. Wenn ­es um die eigene Gesundheit geht, darf man sich psychologischen Aspekten gegenüber nicht verschließen. Es gibt keine Pillen – ­weder pharmazeutische noch homöopathische –, die einem das abnehmen können. 

Gerlinde Knaus
Ich finde die Aussage von Natalie Grams richtig – was ist daran ketzerisch? Sie weist auf die positive Wirkung von Autosuggestion hin. „Wirksame Scheintherapie“ klingt paradox, drückt aber genau das aus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis man auf das Wort „Schein“ vor der Therapie verzichten wird.

Maria Pe-Pa
Wie auch im Artikel dargelegt wirkt Homöopathie offensichtlich oder hilft vielen Patienten. Reicht das nicht? Bedarf es unbedingt einer naturwissenschaftlichen Erklärung oder Bestätigung?

Direkte Antwort: Arne Windler 
Ja, es bedarf einer unabhängigen Klärung und Bestätigung. Zum einen, weil tatsächlich damit geworben wird, dass sich mit Homöopathie schwere Krankheiten heilen ließen, beispielsweise auch Krebs, und weil damit Hoffnungen geweckt werden, die so nicht zu halten sind. Zum anderen ist es aber auch ein riesiger Markt für etwas, das nicht wirkt. So macht die DHU – der größte deutsche Konzern für homöopathische Mittel – einen Umsatz von 100 Millionen Euro im Jahr. Des Weiteren wird der Wert von einfachem Zucker, der Hauptsubstanz von Globuli, um das 1200-­fache gesteigert. Mittlerweile kommen sogar einige Zusatzversicherungen der Krankenkassen dafür auf. Ach, und nicht zu vergessen: den Internet-Pranger, den sie gegen kritisch berichtende Jour­nalisten errichtet haben. Wenn man sich damit mal beschäftigt, dann kommt schon die Frage auf, welche seltsamen Strukturen dahinterstehen.

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