Ausgabe 10/2016 - Was Wirtschaft treibt

Arner Bank

Bezahlt wurde noch nicht

• An einem Tag im Frühjahr 2007 wählt Jesús Alejandro Garcia Alvarez die Nummer eines Rechtsanwalts in Zürich. Der Mexikaner kam erst im Jahr zuvor in die Schweiz, und er braucht einen Rat. Garcia will ein Unternehmen gründen, nicht irgendeines, er möchte eine Bank. Einen Namen gibt es auch schon. „My Bank“ soll sie heißen.

Der inzwischen verstorbene Anwalt trifft sich mehrfach mit ihm. Garcia spricht kein Deutsch, sein Englisch ist schwer verständlich, daher ziehen sich die Gespräche. In einem Papier zur Gründung der Bank ist auf zweieinhalb Seiten auf Englisch zusammengefasst, was das neue Institut seinen Kunden bieten soll. Auch die erwünschten Investoren sind darin genannt. Mitmachen sollen: ein Mann namens Burton Greenberg, die Bank Melli Iran, Niederlassung Hamburg – die bestreitet, mit der Sache etwas zu tun zu haben – und Garcias Firma, die Ixe Financial AG heißt.

Letztere ist Teil der Ixe Group, ein von Garcia kontrolliertes Firmengeflecht aus zahlreichen Unternehmen, das zufällig so heißt wie eine der größten Banken Mexikos, aber nichts mit ihr zu tun hat. Woher Garcia so viel Geld hat, dass er gleich eine eigene Bank gründen kann, ist eine der vielen Fragen, die sich der Anwalt hätte stellen müssen.

Garcia wird in den darauffolgenden Jahren viel von seiner alten Heimat erzählen. Etwa von den Rinderherden seiner Familie und dem Wundergetreide Quinoa. Er wird vom Bergbau in Bolivien berichten und vom Potenzial des Elements Lithium. Mit seinen Geschichten aus dem fernen Amerika schafft er es in die Zeitungen und ins Fernsehen, er ist Gast bei Bloomberg TV und CNBC. Das Schweizer Wirtschaftsmagazin »Bilanz« nimmt die Garcias in die Reichen-Liste des Landes auf. Schließlich hält auch die Schweizer Bankenaufsicht Garcia für befähigt, ein Geldinstitut zu führen. So kommt es dazu, dass er die Übernahme der Arner Bank in Lugano vereinbaren kann. Doch die Freude der Aktionäre darüber währte nur kurz.

Eigentlich ist der Fall von Arner und Garcia ein Klassiker. Ein Unternehmen steht unter Druck und braucht dringend einen solventen Partner. Keiner will in so einer Situation genau wissen, wer da ein Angebot macht und wo er herkommt. Beispiele gibt es viele. Zuletzt in Deutschland, beim Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück. Die Landesregierung Rheinland-Pfalz will ihn unbedingt verkaufen – und fällt auf zweifelhafte Investoren aus China herein. Hinterher sagen dann alle, man hätte es wissen müssen.

Garcias Geschichte spielt in Zürich, am Uyuni-Salzsee in Bolivien und in Lugano. Sie spielt in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, in Gerichtssälen von Fort Lauderdale und New York, in Ministerien im bolivianischen La Paz. Sie endet vorerst auf den Bahamas.

Der große Plan

An jenem Tag im Frühjahr 2007 freut man sich in der Zürcher Rechtsanwaltskanzlei unweit des Paradeplatzes über den Anruf von Garcia. Die Juristen im Bankenviertel kennen sich aus mit Geldangelegenheiten. Sie haben täglich mit wohlhabenden Kunden zu tun. Vor allem Bankgründer sind willkommene Mandanten, mit ihnen lässt sich viel verdienen. Es gilt, komplizierte Verträge aufzusetzen, den Ursprung von Vermögen zu prüfen und die Finanzmarktaufsicht davon zu überzeugen, dass der Klient sauber ist.

Aber so weit ist man damals noch nicht. Zunächst geht es um das Profil des zu gründenden Instituts. In dem Papier zur My Bank steht, sie solle „eine Institution mit einer klaren Vision“ werden. Kunden sollen „personalisierten Rat“ erhalten und dem Haus vertrauen können. Mit dem Institut wollen die Gründer im Privatkundengeschäft, in der Vermögensverwaltung, im Investmentbanking, in der Handelsfinanzierung und im Firmenkundengeschäft tätig werden – also praktisch in allen Sparten. Firmenkunden sollen Kreditnoten, Bankgarantien und Zahlungsverkehr angeboten werden. Als Startkapital sollen 20 Millionen Franken vorerst reichen, das verwaltete Vermögen soll schon binnen zwei Jahren zwei Milliarden Franken betragen.

So weit die Pläne. Garcias Lebenslauf, den er am 3. Juni 2007 unterschrieben hat, soll belegen, dass er der richtige Mann ist. Für einen 30-Jährigen stehen da viele Stationen als President, Chief Financial Officer und Chief Executive Officer. Ein Studium im mexikanischen Monterrey sowie ein Master in Texas. Alles ziemlich beeindruckend.

Ein Problem aber gibt es: der beabsichtigte Aktionär Bank Melli Iran. Mit dem braucht man 2007 gar nicht erst bei der Bankenaufsicht anfragen.

Dann hört der Anwalt lange nichts von Garcia. Erst Ende 2013 sieht er ihn wieder, in der Zeitung. Auf der ersten Seite des Wirtschaftsteils zeigt die »Neue Zürcher Zeitung am Sonntag« ein Foto von ihm. Überschrift: „Mexikanische Großgrundbesitzer ziehen in die Schweiz.“ Die Familie Garcia besitze mehr als 50 000 Hektar Land und 60 000 Rinder, sie hätte Ländereien in Mexiko, Bolivien, Peru und den USA. Insgesamt bearbeite die Familie eine Agrarfläche von zwei Millionen Hektar Land – das entspricht in etwa der Fläche des Bundeslandes Hessen. Die Familie habe Mexiko verlassen, so sagt Garcia der Zeitung, da es dort „seit 1990 ein großes Sicherheitsproblem“ gebe. Daher sei sie in die Schweiz gekommen.

Dem Artikel ist allerlei Bemerkenswertes zu entnehmen, etwa der Plan, aus der bis dato praktisch unbekannten Ixe Group ein weltweit führendes Rohstoffunternehmen zu machen. Und nicht nur das: „Wir prüfen, eine Bank für Unternehmer zu eröffnen“, wird Garcia zitiert.

Danach geht alles sehr schnell. Garcia wird zu einer kleinen Berühmtheit bei Wirtschaftsinteressierten. Im Zürcher »Tages-Anzeiger« darf er sich dazu äußern, wie man aus einer Familienfirma einen Konzern formt. Die Schweizer »Bilanz« rechnet nach, beziffert das Vermögen der Familie Alvarez auf 275 Millionen Franken und setzt sie 2015 auf Platz 244 der Reichsten des Landes.

Die »Neue Zürcher Zeitung am Sonntag« macht aus dem Clan eine „Milliardärsfamilie“, deren Ländereien, so habe Garcia verraten, 4,5 Milliarden Dollar wert seien. Weiter berichtet die Zeitung, Garcias Ixe Group sei es gelungen, in Bolivien in den Quinoa-Anbau einzusteigen. Auf 2,1 Millionen Hektar wolle er binnen 15 Jahren drei Millionen Tonnen des Getreides produzieren – gegenwärtig werden 190 000 Tonnen geerntet, weltweit. Garcia habe mehrere Kleinbauern dazu bewegen können, ihre Landtitel in eine gemeinsame Firma einzubringen.

Damit nicht genug, auf dem Uyuni-Salzsee in Bolivien werde er bald Lithium abbauen, dafür habe eine Ixe-Tochter mit der staatlichen Quimbabol fusioniert. „Wir haben bereits ein Budget aufgesetzt, das in der ersten Phase eine Investition von einer Milliarde Dollar vorsieht“, sagt er der Zeitung.

Ein Agrarunternehmen, das keiner kennt. Ein Rohstoffproduzent, von dem niemand weiß. Allein das ist schon erstaunlich. Aber dann setzt Garcia noch einen drauf – mit der Übernahme der Arner Bank. Am 12. Dezember 2014 verbreitet das Institut aus Lugano folgende Nachricht: Die Aktionäre der Bank haben vereinbart, dass die zu Garcias Firmengeflecht gehörende Ixe Capital AG ihre Aktien kaufen werde. „Die Übernahme von Arner durch Ixe ist ein strategischer Meilenstein für unsere Bank“, sagt Giulio Romani, damals Chef bei Arner. Er hofft, dass die Bank so zu einem „globalen Akteur“ werden könne.

Die Tessiner Arner Bank ist eine kleine, exklusive Privatbank. Die Zentrale liegt an der Uferpromenade des Luganersees, in dem Gebäude hat 1838 schon Franz Liszt auf der Durchreise Klavier gespielt. Sie wird 1984 von dem Italiener Paolo Del Bue gegründet, dem gute Beziehungen zu Silvio Berlusconi nachgesagt werden. Del Bue ist noch immer einer von sechs Aktionären. Im Jahr 2014 gerät das Institut in die Schlagzeilen, in einem großen Geldwäschefall wird von einem italienischen Gericht auch ein ehemaliger Direktor von Arner zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Wie bei vielen Schweizer Privatbanken laufen auch bei Arner die Geschäfte nicht mehr rund, seit die Schweiz das Bankgeheimnis aufgegeben und sich der Weißgeldstrategie verschrieben hat. Die Arner Bank hat, laut Jahresbericht 2015, 36 Mitarbeiter und verwaltet ein Vermögen von rund 700 Millionen Schweizer Franken. Der Gewinn liegt im Jahr 2015 bei rund 130 000 Franken.

Kein Wunder, dass man sich über den neuen Investor freut. Bei Arner hofft man durch den Einstieg von Garcias Ixe Capital auf neue Kunden und neue Geschäfte. Er wolle aus der Privatbank ein Institut für Handelsfinanzierung machen, sagt er. Endlich bewegt sich etwas bei der Bank, viele Mitarbeiter sind begeistert. Nachdem die Ixe Capital schon früher 9,8 Prozent der Aktien übernommen hat und jetzt den Rest kaufen will, wird investiert. Eine Niederlassung in Zürich wird eröffnet, neue Mitarbeiter werden eingestellt. Ein Jahr vergeht, und der ein oder andere in der Bank fragt sich langsam, wann die neuen Kunden und die neuen Geschäfte denn kommen.

Dann gibt es eine Überraschung: Garcias Ixe Group macht einen Rückzieher und steigt aus. Dem »Wall Street Journal« sagt er, man sei sich nicht darüber einig geworden, wie schnell man die Bank rekapitalisieren müsse. Auch habe er von der Finanzaufsicht (Finma) Signale erhalten, die Bank sei stärker unter Druck als angenommen. Ein Sprecher der Finma wollte sich dazu nicht äußern. Auch Arner äußert sich dazu nicht.

Für die Bank ist die gescheiterte Übernahme eine weitere schlechte Nachricht. Immerhin hatte die Finma den Investor geprüft und war zu dem Schluss gekommen, „dass Herr Alejandro Garcia Alvarez für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit grundsätzlich akzeptiert würde“. Wie das passieren konnte? Das ist eine der vielen offenen Fragen.

Nach Garcias Rückzieher steht die Bank vor Problemen: „Auch für die Bank sind Kosten entstanden, so etwa für das Büro in Zürich, für die Gehälter von Mitarbeitern, und wir hätten die vergangenen Jahre dazu nutzen können, uns anders aufzustellen“, sagt der neue Chef der Bank. Garcia äußert sich auf Anfrage von brand eins nicht zu der gescheiterten Übernahme.

An dieser Stelle muss man die Vorgeschichte von Garcia erzählen, auch darin gibt es Ungereimtheiten. Sie beginnt in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, wo ein enger Geschäftsfreund von Garcia die Zentralbank betrogen hat. Auch Firmen aus Garcias Geflecht spielen darin eine Rolle.

Der große Deal

Es ist das Frühjahr 2005, im Zentrum der Stadt tagt der Große Staats-Chural, das Parlament des Landes. Zu dieser Jahreszeit wird es in der Kapitale kaum wärmer als null Grad Celsius, sie gilt als die kälteste Hauptstadt der Welt. Seit 1990 ist die Mongolei ein demokratischer Staat, doch jahrzehntelange Misswirtschaft hat Spuren hinterlassen. Die Gebäude in Ulan Bator sind schlecht isoliert und werden oft mit selbst gebastelten Öfen beheizt, die Luftverschmutzung ist im Winter unerträglich. In der Stadt leben im Jahr 2005 knapp eine Million Menschen, 10 000 davon sind obdachlos. Daher beschließt das Parlament, Sozialwohnungen zu bauen. 42 000 sollen allein in Ulan Bator entstehen, eine Milliarde Dollar soll das kosten.

Das Problem ist nur: Keine Bank will ein solches Projekt in einem klammen Staat finanzieren. Also muss die damit betraute Zentralbank Alternativen finden. In einer Zivilklage, die die Zentralbank später vor einem Gericht in den USA einreichen wird, schildert sie, was sich aus ihrer Sicht dann abspielte.

Die Klage richtet sich gegen Burton Greenberg – der auch schon bei der beabsichtigten Gründung der My Bank als potenzieller Investor in den Akten stand –, dessen Ehefrau und andere Beteiligte. Garcia ist in dem Fall kein Beklagter, trotzdem wird er erwähnt, wie auch mehrere zu seinem Geflecht gehörende Firmen.

Die Zentralbank sei, so stellen es ihre Anwälte dar, bei der Suche nach Möglichkeiten, das Bauvorhaben zu finanzieren, auf eine Gruppe von Leuten gestoßen, die behauptet habe, das dafür nötige Geld auftreiben zu können. Dazu soll unter anderem Burton Greenberg gehört haben. Ab Mitte 2005 soll auch Garcia Mitglied der Gruppe gewesen sein. Auf Anfrage äußert er sich dazu nicht.

Greenberg habe viel Wirbel gemacht. Bei Treffen habe er den Beamten seinen Vorschlag präsentiert, wie das ambitionierte Geschäft funktionieren könne. Wenn die Zentralbank für das Bauprojekt Zahlungsversprechen in Höhe von 200 Millionen Dollar ausstellen würde, dann könnte er daraus eine Milliarde machen, er habe Investoren an der Hand und habe versichert, es gäbe kein Risiko.

Es sei viel telefoniert worden, E-Mails seien hin- und hergeschickt worden. Auf Drängen der Zentralbanker habe Greenberg mehrere Rückversicherungsbriefe ausgestellt, in denen er garantiert habe, die Zahlungsversprechen nicht einzulösen. Eine solche Versicherung ist auch durch Ixe Mercantile AG ausgestellt worden, die zu Garcias Firmengeflecht gehört. Unterschrieben hat sie Greenberg. Er gelobte darin, dass die Zahlungsversprechen nur der Finanzierung der Sozialwohnungen in Ulan Bator dienen. Garcia will sich dazu nicht äußern. Die mongolischen Beamten hätten Greenberg daraufhin vertraut und vier Garantien zu je 50 Millionen Dollar ausgestellt – ein verhängnisvoller Fehler.

Es habe dann nicht lange gedauert, ehe Greenberg die Garantien zu Geld gemacht habe. Nicht alle Banken hätten die Papiere annehmen wollen. Aber es sei ihm gelungen, 22,5 Millionen Dollar zu kassieren. Garcia soll, so die Klageschrift, mindestens drei Millionen Dollar für sich behalten haben, wozu er sich nicht äußert.

Garcia ist in dem Fall kein Beklagter, trotzdem werfen die Anwälte ihm vor, er habe gemeinsam mit Greenberg „gesetzeswidrig, wissentlich und absichtlich konspiriert, sich komplizenhaft verbündet, um gemeinsam das Vorhaben auszuführen“.

Am 31. August 2010 setzt ein Richter am US District Court Southern District of Florida seine Unterschrift auf das Urteil gegen die Ehefrau von Greenberg. Der Richter schreibt, die in der Klage vorgebrachten Fakten seien „unbestritten“. Da Garcia nicht vor Gericht stand, hatte er aber auch keine Gelegenheit, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Auf Anfrage von brand eins äußerte er sich dazu nicht. In einem weiteren Urteil werden Burton Greenberg und dessen Sohn ebenfalls verurteilt. Und zwar zur Zahlung von 63 Millionen Dollar an die Zentralbank der Mongolei. In Fällen von organisierter Kriminalität kann der Beklagte zum Bezahlen der dreifachen Schadenssumme verdammt werden.

Für Greenberg bleibt es nicht bei diesem einen Urteil. Im Februar dieses Jahres verurteilt ihn ein Gericht von New York in einem anderen Fall zu acht Jahren Haft, weil er über seine Firma M&P Global Financial Services zehn Millionen Dollar von Investoren veruntreut hatte, meist von US-Bürgern, die das Geld für ihre Rente angelegt hatten.

Der große Unbekannte

So weit die Vorgeschichte. Und was ist mit den Berichten über Ländereien in Bolivien? Den Geschichten vom Bergbau? Dem Reichtum der Familie Garcia? Wer dazu mehr erfahren will, muss nach La Paz, gelegen auf rund 3600 Metern Höhe, wo viele Regierungsbehörden Boliviens sitzen. Das Landwirtschaftsministerium ist in einem Bau an der Avenida Camacho untergebracht. Wer dort nach einer Unternehmensgruppe aus der Schweiz fragt, die auf 2,1 Millionen Hektar Land Quinoa anbauen will und die Weltproduktion binnen 15 Jahren mehr als verzehnfachen will, erhält eine knappe Antwort: „Davon wissen wir nichts.“

Edgar Soliz leitet in La Paz das Internationale Quinoa Zentrum, wo Produktion, Vermarktung und Verkauf des Getreides erforscht werden. Gefragt, ob eine Schweizer Gruppe ein derartiges Projekt plane, antwortet er: „Davon ist mir nichts bekannt, es ist sehr unwahrscheinlich.“ Unmöglich aber sei es, dass Bauern ihre Landtitel in einer privaten Firma eingeben. Rund 95 Prozent der Quinoa-Anbauflächen seien in der Hand von Gemeinden und Genossenschaften, diese ließen sich nur sehr schwer veräußern. Private Landbesitzer gebe es kaum. 2013 wurden in Bolivien rund 170 000 Hektar Quinoa angebaut. Dass jemand behauptet, er würde auf 2,1 Millionen Hektar das Getreide anbauen, hält Soliz für „verrückt“.

Ähnliche Antworten erhält man, wenn man mehr über den von Garcia erwähnten Lithium-Abbau erfahren will. Luis Alberto Echazu ist Leiter der Nationalen Direktion für Salzgesteine in Bolivien. Dass eine Schweizer Firma mit einem bolivianischen Partner am Uyuni-Salzsee das Element abbaut? „Unmöglich“, sagt er. Es sei zudem illegal. Ausländer dürfen das Element weder abbauen noch exportieren. Und der bolivianische Partner, mit dem Garcia fusioniert haben will? Laut der Mergerstat-M&A-Datenbank habe die Firma Garcias Unternehmen von der Ixe Group übernommen, von einem Zusammenschluss ist nicht die Rede.

Es bleiben noch die Rinderherden und die Ländereien. Doch zumindest in Mexiko, der Heimat der Familie, ist der Name Garcia Alvarez beim Verband der Agrarproduzenten nicht bekannt. Dafür findet sich etwas in den USA. Eine Farm, 113 Hektar groß, in Florida. Angebaut werden dort vor allem Kartoffeln.

Aber vielleicht hätte man gar nicht erst um die Welt reisen, sondern einfach auf den Lebenslauf von Garcia schauen müssen. Genauer gesagt, auf die Lebensläufe. Einen unterschrieb er bei dem Versuch, die My Bank zu gründen. Einen hat er auf der Website der Ixe Group veröffentlicht. Im ersten gibt er an, einen Master of Business Administration an der University of Texas gemacht zu haben. Auf der Website schreibt er, einen Master in „Bank Business Management“ erlangt zu haben. An der Universität Federico Villarreal von Lima, Peru. Was stimmt? Dazu äußert sich Garcia nicht.

Diese Daten werden jetzt eine andere Behörde beschäftigen: die Zentralbank der Bahamas. Ende August gelang es Garcia, mit der Ixe Holding und zwei weiteren Partnern doch noch eine Bank zu kaufen. Sie heißt Private Investment Bank (PIBL) und ist auf den Bahamas registriert. Noch gehört sie der kleinen, exklusiven Banque Cramer aus Genf, die dort ihr Offshore-Geschäft getätigt hat. Bei Cramer wird bestätigt, man habe eine Vereinbarung zur Übernahme der Aktien unterzeichnet. Die Behörden in der Karibik müssten noch zustimmen.

Bezahlt war die Bank bei Redaktionsschluss noch nicht. Ob man nicht Angst habe, dass ihnen das Gleiche drohe wie den Aktionären von Arner? Antwort der Bank: „Zu dem, was bei Arner passiert ist, können wir nichts sagen.“ ---

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