Ausgabe 12/2015 - Artikel

Die Ökonomie der Elemente

Argon (Ar)

Die besondere Eigenschaft

Argon ist das am häufigsten vorkommende Edelgas, der Anteil in der Umgebungsluft beträgt 0,934 Volumenprozent. Bemerken können wir es trotzdem nicht, das Gas ist farb- und geruchlos. Seine wichtigste Eigenschaft ist Trägheit: Es brennt nicht und hindert allein durch seine Anwesenheit auch andere Gase daran, eine chemische Reaktion einzugehen.

Wer braucht es?

Jeder, der mit brennbaren Materialien arbeitet. Der Klassiker ist das Schweißen: Argon dient bei hohen Temperaturen als eine Art unsichtbarer Schutzmantel, um den Kontakt mit der Luft und damit eine unerwünschte Reaktion zu verhindern. Dieses Verdrängen von reaktionsfreudigen Stoffen wie Luftsauerstoff nennt man Inertisierung. Der Prozess wird auch von Halbleiterherstellern, Raffinerien und der Chemieindustrie genutzt. Letztere zählt zusammen mit der Stahlindustrie, die es zum Entgasen verwendet, zu den größten Verbrauchern. Glashersteller nutzen Argon als Füllgas in mehrfach verglasten Isolierfenstern. Auch in Solarzellen steckt es. In Laboren kennt man es als wichtiges Trägergas für die Analytik. Als Lebensmittelzusatzstoff E938 dient es als Treib- und Schutzmittel. Bedeutende Dokumente wie das Original der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten werden in mit Argon gefüllten Kästen gelagert. Richtig bunt werden Laserleuchten durch Argon, richtig munter Sportler. Mit Sauerstoff eingeatmet, aktiviert Argon die Bildung des körpereigenen Hormons EPO. Seit September 2014 zählt die Weltdopingagentur (Wada) das Gas zu den verbotenen Substanzen. Es fehlt aber noch ein Test, um es nachzuweisen.

Wer verkauft es?

Die großen Industriegashersteller wie Linde (Umsatz 2014: 17 Milliarden Euro) und Air Liquide (15 Milliarden Euro) sowie Air Products, Chemicals (10,4 Milliarden Dollar) und Praxair (12 Milliarden Dollar).

Wo findet man es?

Überall in der Luft. Die Hersteller zerlegen diese in energieintensiven Prozessen.

Der Weltmarkt …

… verzeichnet eine wachsende Nachfrage, in den USA, dem weltweit wichtigsten Markt, beispielsweise seit 2011 jährlich um circa 3,6 Prozent. Das Angebot lässt sich aber nicht beliebig steigern. Denn Argon fällt nur als Beiprodukt in der Sauerstoffherstellung an – die Nachfrage nach Sauerstoff aber geht seit 2007 zurück, weshalb die großen Hersteller die entsprechenden Produktionskapazitäten nur zögernd ausbauen. Das Argon-Angebot bleibt daher knapp.

Der Preis …

… steigt entsprechend. Im März dieses Jahres erhöhte der US-Konzern Air Products ihn um satte 20 Prozent, die Konkurrenten verlangten um 15 bis 25 Prozent mehr. Als Begründung wurden unter anderem steigende Preise für Strom und Metall genannt, Letzteres braucht man für Argon-Tanks und -Flaschen. In den USA treibt ein geografisches Problem die Preise: Die Regionen mit hoher Argon-Nachfrage sind meist weit von den Standorten der Hersteller entfernt, sodass hohe Transportkosten anfallen. Im Handel kostet eine 20-Liter-Argongas-Stahlflasche zwischen 300 und 400 Euro.

Wie geht es weiter?

Die steigenden Ansprüche an Werkstoffe und Analyseverfahren machen Argon für immer mehr Prozesse und Technologien interessant. Ganz neu ist der Einsatz im sogenannten Additive Manufacturing – dazu zählen 3D-Drucker, bei denen das Edelgas ein Vermischen der verschiedenen Materialien oder Schichten verhindert. Der Preisanstieg von Helium treibt ebenfalls die Nachfrage, da Argon als günstiges Substitut taugt, zum Beispiel in der Elektronikindustrie. Außerdem sind in Nordamerika und Europa künftig große Investitionen in die Infrastruktur wie zum Beispiel Brückensanierungen geplant – da wird dann viel geschweißt, also auch Argon benötigt. Große Konzerne wie Linde, Air Liquide und Praxair nehmen seit dem vergangenen Jahr in den USA wieder neue Luftzerlegungsanlagen in Betrieb. Damit wächst das Angebot. Insgesamt wird ein stabiles Wachstum bei der Nachfrage und den Preisen erwartet. ---

Legende:

18: Ordnungszahl im Periodensystem

Ar: Gasförmige Elemente

39,95: Relative Atommasse

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