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Kabul-Bank

Was wurde aus der Kabul-Bank?

In der brand eins Ausgabe 03/2010 berichtete Friederike Böge über die Kabul-Bank, die größte Bank Afghanistans. Da Zinsen im Islam verboten sind, musste sich die Bank etwas einfallen lassen, um Kunden zu ködern: eine Lotterie. Die Idee ist so umstritten wie erfolgreich. Wie ein kürzlich veröffentlichter Bericht zutage förderte, finanzierte die Bank damit nicht nur Firmenkredite, sondern schaffte Geld illegal außer Landes. Begünstigte waren Anteilseigner und Mitarbeiter der Kabul-Bank, darunter auch Verwandte des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai.




Als das radikal-islamische Regime Ende 2001 gestürzt wurde, besaß kaum jemand in Afghanistan ein Konto. Marodierende Milizen hatten regelmäßig die Tresore der Kreditinstitute geplündert und die Taliban erklärten Zinsen nach islamischem Glauben zur Sünde. Wer Geld hatte, versteckte es lieber zu Hause oder vergrub es im Garten.

Die Kabul-Bank wurde 2004 gegründet. Ihre Gründer waren keine klassischen Banker, sondern Geldhändler, die ihre Erfahrungen in der Kriegswirtschaft gesammelt hatten. Der größte Anteilseigner der Bank ist Sherkhan Fernood, ein international erfolgreicher Pokerspieler.

Fortan kamen täglich Sparer in die Bank, die ihr Geld vor Dieben und Räubern schützen wollten. Aber nur unter einer Bedingung: keine Zinsen, denn die Ablehnung von Zinsen ist gerade in ländlichen Gebieten Afghanistans weitverbreitet.

Also erfand die Bank eine Lotterie. Einmal im Quartal werden bei einer großen Verlosung 15 Hauptgewinner gezogen, die jeweils eine Million Afghani erhalten (rund 15 000 Euro). Bakht (persisch für „Glück“) heißen die Sparkonten, die zur Teilnahme berechtigen. Als die Kabul Bank das Konto im April 2006 einführte, verdreifachte sich die Kundenzahl innerhalb von vier Monaten.

Das Produkt ist ebenso beliebt wie umstritten, weil auch Glücksspiel im Islam verboten ist. Allerdings, so die Bank damals, könne man kein Geld verlieren. In so fern sei Bakht damit kein Glücksspiel. Der Internationale Währungsfont (IWF) kritisierte das System als instabil und intransparent. Bei einem plötzlichen Vertrauensverlust der Bank würden zahlreiche Bakht-Kunden ihre Konten kündigen und das ganze System würde in Turbulenzen geraten.

Und so kam es: Als 2010 erstmals öffentlich wurde, dass einflussreiche Persönlichkeiten die Bank als Selbstbedienungsladen nutzten, wäre sie fast kollabiert. Immer wieder fehlte Geld und Kunden kamen nicht an ihr Erspartes. Nur ein Eingreifen der afghanischen Zentralbank konnte den Zusammenbruch der Kabul-Bank verhindern, die daraufhin in Neue Kabul-Bank umbenannt wurde.

Auf Drängen des IWF beauftragte die Afghanische Zentralbank eine Untersuchungskommission aus internationalen Experten unter Leitung der Beratungsfirma Kroll Associates, um die Geschehnisse in der Bank prüfen. Am Mittwoch legte sie nun einen 87-seitigen Bericht vor. Danach haben Mitarbeiter und Anteilseigner der Bank über die Jahre rund 935 Millionen Dollar veruntreut. Das entspricht etwa fünf Prozent der afghanischen Wirtschaftsleistung. Das Geld wurde per Flugzeug von der afghanischen Fluggesellschaft Pamir Airways in mehr als zwei Dutzend Länder gebracht und unter anderem in Immobilien in Dubai investiert. Um die Geldentnahme von den Konten ihrer Kunden zu kaschieren, wurden diese als Kredite getarnt, die nicht zurückgezahlt wurden, weil die kreditnehmenden Firmen nie existierten.

92 Prozent der veruntreuten Summe (also 861 Millionen Dollar) gingen allein an zwölf Personen und sieben Firmen. Profitiert haben sollen zum Beispiel Mahmoud Karzai, der Bruder von Präsident Karzai, sowie Haseen Fahim, der Bruder von Vizepräsident Mohammed Fahim. Beide gehören zu den Eignern der Bank.

Aus dem Bericht geht auch hervor, dass die Regierung Afghanistans immer wieder versucht habe, die Strafverfolgung der Verantwortlichen und das Aufspüren fehlender Geldbeträge zu behindern.

Trotzdem stehen nun 25 Beschuldigte in Kabul vor Gericht.

 

Lesen Sie den Artikel aus der Ausgabe 03/2010:

Wer Geldströme organisiert, hat es weniger mit Distanzen als mit Hindernissen zu tun. Sie zu überwinden erfordert besonderes Geschick.

Artikel lesen

Quellen:

Spiegel Online vom 28.11.2012
„Afghanischer Bankskandal - Betrüger flogen Millionen in Servierwagen aus“
von Hasnain Kazim
www.spiegel.de/wirtschaft/

New York Times
"Audit Says Kabul Bank Began as ‘Ponzi Scheme’"
Matthew Rosenberg
www.nytimes.com/2012/11/27/world/asia
topics.nytimes.com/top/news/business/companies/kabul_bank