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Ultraorthodoxe Juden in Israel

Was wurde aus den frommen Faulenzern?

In der Ausgabe 08/2012 berichteten wir über das Leben sogenannter ultraorthodoxer Juden in Israel, die vom Staat finanziell unterstützt werden, sodass sie nicht arbeiten müssen. Auch vom Militärdienst waren sie befreit. Das hat die Regierung nun geändert.




In Israel leben rund 800.000 Haredim, die vom Staat Unterhalt beziehen, um sich ausschließlich dem Studium der Thora, der heiligen Schrift, widmen zu können. Bei der Staatsgründung 1948 waren sie noch eine kleine Minderheit. Doch mit durchschnittlich acht Kindern pro Familie nahm ihr Anteil und ihr Einfluss zu. Es kam zu Konflikten.

Weltlich eingestellte Israelis kritisieren die Privilegien der Haredim schon lange. In ihren Augen tun ihre gottesfürchtigen Landsmänner nichts – außer den Rest des Landes zu kritisieren. So machen Ultraorthodoxe durch die Ablehnung der modernen israelischen Gesellschaft auf sich aufmerksam. Einige fordern Geschlechtertrennung, Frauen sollten im Bus hinten sitzen. Die Fronten verhärteten sich.

Nun müssen die Haredim auf ein Privileg verzichten: Ab 2017 gilt auch für sie die Wehr- oder Ersatzdienstpflicht. Wer verweigert, muss mit einer Haftstrafe rechnen. Für 1.800 herausragende Studenten an Jeschiwas, den jüdischen Thoraschulen, gilt weiterhin die Ausnahme, sie sind von der Wehrpflicht befreit. 67 der 120 Knesset-Abgeordneten stimmten für die Reform. Das war vor allem möglich, weil die aktuelle Regierung unter Benjamin Netanjahu die erste ohne ultraorthodoxe Beteiligung ist. 

Die Regierung hofft, dass sich die Haredim durch den Militärdienst besser in die israelische Gesellschaft integrieren und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen.

Lesen Sie den Artikel aus der Ausgabe 08/2012:

Sie arbeiten wenig und werden immer mehr. Einblicke in die Welt der Strenggläubigen, die dem Staat Israel selbstbewusst auf der Tasche liegen.

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