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Was wurde aus den Besserverdienerinnen?

Frauen verdienen für die gleiche Arbeit fast ein Viertel weniger Geld als Männer – kaum eine Zahl wird so oft und so selbstverständlich als Beweis für Diskriminierung zitiert. Der brandeins-Autor Mathias Irle ging 2009 der Frage nach, ob sie die Realität widerspiegelt. Und falls ja, warum Unternehmen in Deutschland nicht nur noch Frauen einstellen, um enorme Kosten zu sparen.




Es zeigte sich, dass große Differenzen nur dann entstehen, wenn man die Löhne aller Frauen und Männern jeweils addiert und dann einen Durchschnittswert errechnet. Beim Vergleich der Löhne in einem Unternehmen schrumpft der Lohnvorteil der Männer auf drei Prozent. In manchen Jobs scheinen die Frauen sogar mehr zu verdienen als ihre männlichen Kollegen.

Nun ist erstmals ein Forschungsinstitut in Deutschland zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) rechneten aus der großen Lohndifferenz Faktoren wie Teilzeitbeschäftigung, Bildungsstand und Dauer der Betriebszugehörigkeit heraus. Dadurch reduzierte sich der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern auf 11 Prozent. In einem zweiten Schritt analysierten die Forscher die Folge von Auszeiten – etwa wegen Kindererziehung – auf das Gehalt von Frauen. Ergebnis:  Dauert die Job-Pause nicht länger als 18 Monate, reduziert sich der Gehaltsunterschied auf weniger als zwei Prozent.

Frauen werden beim Gehalt also nicht systematisch benachteiligt. Allerdings arbeiten sie häufiger als Männer in Teilzeit und in schlechter bezahlten Berufen. Ob dies eine Folge von Benachteiligung ist oder von tradierten Rollenmodellen – die immer weniger in die Zeit passen – wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Offensichtlich scheint jedoch, dass diejenigen, die mit dem durchschnittlichen Lohnunterschied argumentieren, das Thema Gleichstellung nicht voranbringen. Denn der widerspricht der praktischen Erfahrung fast aller Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Deutschland. So können sich alle zufrieden zurücklehnen – schließlich geht es im eigenen Betrieb ja gerecht zu.

Die Initiatoren des von der Bundesregierung unterstützten, jährlich im Frühjahr stattfindenden „Equal Pay Days“ bleiben von solchen Erkenntnissen offenbar unberührt. Sie weisen gebetsmühlenartig auf die vermeintliche Lohnlücke hin. Mit wachsendem medialen Erfolg: Führte der Aktionstag im Jahr 2008 noch zu 914 Meldungen in Printmedien, Hörfunk, TV und Internet, waren es im Jahr 2012 schon 4343.

Lesen Sie den Artikel aus der Ausgabe 04/2009:

Männer bekommen im Durchschnitt für die gleiche Arbeit noch immer rund 25 Prozent mehr Lohn - kaum eine Zahl wird so oft und so selbstverständlich als Beweis für die noch immer vorhandene Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt zitiert.

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