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Hermes Phettberg

Was wurde aus dem Talkshow-Moderator Hermes Phettberg?

In der Ausgabe 03/1999 porträtierte brand eins Autor Ralf Grauel die TV-Sendung „Ten To Eleven“ von Alexander Kluge mit seinem Studiogast Hermes Phettberg. Die Sendung gibt es immer noch. Alexander Kluge komplettiert auch weiterhin die Kulturquote der privaten deutschen TV-Sender. Nur um seinen Gast Hermes Phettberg war es lange Zeit ruhig geworden. Nun taucht er wieder auf in einem Interview mit der Food-Zeitschrift „Effilee“ – gesundheitlich schwer angeschlagen und rund 100 Kilo leichter.



Mitte der neunziger Jahre war Hermes Phettberg kurzzeitig populär geworden als Talkshow-Moderator der „Nette Leit Show“. Insgesamt 19 Sendungen wurden damals von ORF und 3Sat ausgestrahlt: die erste am 6. Juni 1995, die letzte am 6. April 1996.

Phettberg präsentierte sich darin als lebendes Gesamtkunstwerk wider Willen: 170 Kg schwer und fresssüchtig, dauerdepressiv, bekennend schwul, ungepflegt, und wohltuend anders als normale Talkshow-Moderatoren. In der Form höflich, thematisch aber oft über den Rand des guten Geschmacks hinaus.

Auch zu Gast bei Alexander Kluge sprach Phettberg lieber über die massierende Wirkung des Autofahrens auf den Damm, den Bereich zwischen Skrotum und Anus, und outete sich als Windelträger, statt das eigentliche Thema – Religion und Kirche -  ernsthaft zu beleuchten.

Über 10 Jahre lang war es still um ihn geworden. Die Zeit war geprägt von gesundheitlichen Tiefschlägen. Er durchlebte drei Schlaganfälle – der letzte war ein Hirnschlag. Und er leidet unter Diabetes. Das Sprechen fällt ihm schwer, das Lesen noch mehr. Rund 100 Kilogramm hat er abgenommen, weil er einen Monat lang am Tropf hing und künstlich ernährt werden müsste. Drei Kilogramm überflüssige Haut haben ihm die Ärzte weggeschnitten.

Die einst so öffentliche Person lebt heute isoliert als Frührentner im Wiener Stadtteil Mariahilf. Der einzige Draht zur Außenwelt ist seine Kolumne "Phettbergs Predigtdienst" im Kultur- und Szene-Magazin "Falter" und sein Blog „Gestion“, das er wöchentlich bestückt und darin penibel seine Mahlzeiten auflistet.

„Wo ich hinkomme bin ich ein be- und abgeschriebenes Blatt“ schreibt er und bezeichnet sich selbst als „Publizist und Elender in Wien“, als Bio-Müll oder Karteileiche.

Sein Leben finanziert er durch Schulden. 600.000 Schilling – rund 42.000 Euro – hat er sich geliehen von 50 Personen, die ihm wohlgesonnen sind. Noch mal 300.000 Schilling fordert das Finanzamt. Also bittet er via Webseite um weitere „langfristige Darlehen mit hohem Risiko“.