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brand eins Thema Innovation // 2017

Neue Töne an Bord

Plaza: Pepper, Service-Roboter (I)

Hallo. Ich freue mich, Sie zu sehen. Wussten Sie, dass ich Ihnen eine Menge Informationen geben kann? Wie kann ich Ihnen helfen? Um zu antworten, können Sie den Touchscreen nutzen. Was möchten Sie tun? Möchten Sie ein Selfie mit mir machen? Haben Sie Fragen? Wollen wir zusammen spielen? Schade. Okay, wir spielen das nächste Mal. Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen? Großartig! Die erste Frage: Wie gefällt Ihnen die Lanai-Bar? Sie wissen es nicht? Okay. Vielen Dank für Ihre Meinung! Ich weiß sie sehr zu schätzen. Machen Sie es gut. Bis bald. Zögern Sie nicht, und besuchen Sie auch die anderen Roboter. Auf Wiedersehen.

Theatrium: Borris Brandt, 56, Unterhaltungschef

Ich bin für das gesamte Aida Entertainment verantwortlich. In diesem Bereich arbeiten allein auf den Schiffen 1000 Angestellte und noch mal 100 in der Hamburger Zentrale, hinzu kommen 200 bis 300 freie Mitarbeiter. Mit dieser Mannschaft setzen wir die Benchmark: Es gibt keine Kreuzfahrt-Reederei, die beim Entertainment mehr Abwechslung bietet oder ambitionierter ist als wir. Das weiß auch die Konkurrenz: Wenn im Lebenslauf unserer Tänzer und Sänger zwei Jahre Aida stehen, bekommen sie ohne weiteres Casting einen Vertrag bei einer anderen Kreuzfahrt-Reederei.

Das Zauberwort bei uns an Bord heißt Audience Participation: Die Gäste können mitmachen. Wir haben im vergangenen Jahr zwei neue Mitmach-Formate eingeführt, so etwas in der Art von „The Voice“. Und beide waren ein Bombenerfolg. Mir hilft bei meiner Arbeit allerdings auch, dass ich vor meiner Zeit als Director Entertainment von Aida Cruises Programmchef bei ProSieben und Endemol war. Fernsehformate sind mir vertraut.

Momentan haben wir bei Aida elf Schiffe, ab Sommer 2017 sind es sogar zwölf. Für mich und meine Mannschaft bedeutet das: mehr als 200 Live-Shows pro Woche. Unser Ziel ist es, auf jedem Schiff an jedem Tag ein anderes Entertainment-Genre zu bieten. Also nicht bloß ein anderes Musical oder eine andere Show, sondern wirklich ein anderes Genre: am ersten Tag zum Beispiel eine Show mit Akrobaten, am zweiten Tag ein Mitmach-Format, am dritten Tag eine reine Gesangsdarbietung, am vierten Fernsehformate wie „Wer wird Millionär?“ oder „The Voice of the Ocean“, am fünften Comedy.

Die Gäste sind im Urlaub offen und wollen etwas erleben, deshalb probiere ich gern neue Dinge aus. Wir zeigen zum Beispiel auch viele Filme, und das sind häufig Weltmeer-Premieren. Den Film „Kundschafter des Friedens“ haben wir an Bord der Aida Prima sogar vor der offiziellen Premiere in Berlin gezeigt. Der Schauspieler Winfried Glatzeder war da, der Regisseur Robert Thalheim und der Produzent Dirk Engelhardt auch.

An technische Effekte glaube ich nicht. Die wirken ein- oder zweimal, danach sind sie tot. Auch auf die Gefahr hin, dass das Oldschool klingt: Letztlich interessieren sich Menschen für Menschen, die Geschichten erzählen können. Beziehungen zwischen Menschen haben mehr Kraft und mehr Wert als alles, was wir an technischem Zauber auf die Beine stellen können.

Aida hat die legere Kreuzfahrt für den europäischen Raum erfunden. Dafür haben wir auch beim Schiffsdesign alle Regeln der Kreuzfahrt auf den Kopf gestellt. Unsere Schiffe haben zum Beispiel im Zentrum fast alle ein „Theatrium“. Am liebsten würde ich Ihnen erzählen, woran unsere Ingenieure und Designer für die nächste Schiffsgeneration arbeiten. Das darf ich leider nicht. So viel sei aber schon mal verraten: Es wird eine mediale Revolution geben.

Je ungemütlicher es draußen ist, je mehr Herbst, Regen, Schneesturm, politische Unsicherheit und Ängste vor dem Morgen es gibt, desto mehr möchten die Menschen in ihrem Urlaub in eine Gruppe aufgenommen werden und Gemeinschaft erleben. Die Zeit der Clubschiffe ist vorbei, aber die Sehnsucht nach Zusammengehörigkeit nicht.

Natürlich gibt es auch Passagiere, die keine Lust auf das ganze Programm haben. Etwa 20 Prozent unserer Gäste kommen nicht zu den Shows. Und wir wollen niemanden bekehren. Aber wir versuchen durchaus, die Leute aus der Reserve zu locken.

Auf einer unserer Reisen haben wir mal allen Besuchern des Theatriums eine Papiertüte in die Hand gedrückt. Darin lagen eine verrückte Sonnenbrille, ein Mikrofon aus Schaumstoff, zwei Fahnen mit „Booh!“ und „Yeah!“ und ein schwarzer Schnurrbart zum Ankleben. Diese Tüte hat Wunder gewirkt: Herr Schmidt sitzt neben Frau Schmidt, beide mit einem dusseligen Bart im Gesicht, und wenn dann auf der Bühne einer ruft: „Jetzt mal alle tanzen!“ – dann schämt sich Herr Schmidt nicht mehr und tanzt. Denn er ist verkleidet und hat Abstand von sich selbst. Seine Frau macht mit und alle anderen auch. Wenn es gut läuft, umarmen die Leute hinterher total verschwitzt meine Producerin und sagen: „Das war der schönste Abend unseres Lebens!“

Maschinenraum: Eckbert Schuster, 58, Chefingenieur

Die Aida Prima fährt nun fast ein Jahr. Und sie hat in jeder Hinsicht unsere Erwartungen erfüllt. Sie kann als weltweit erstes Kreuzfahrtschiff in allen ihren Häfen mit Flüssig-Erdgas versorgt werden. Wenn sie in Hamburg, Le Havre und so weiter anlegt, können wir dort den wesentlich emissionsärmeren Treibstoff nutzen.

Im Vergleich zur „Stella“, unserem zweitjüngsten Schiff, verbraucht die Prima zehn Prozent weniger Brennstoff. Früher waren es drei Liter pro 100 Kilometer und Person, jetzt sind es 2,7 Liter. Gelungen ist uns das durch hydrodynamische Verbesserungen. Der senkrechte Bug und die optimierten Rumpflinien sparen viel Energie.

Außerdem setzen wir erstmals bei einem Kreuzfahrtschiff MALS ein, also das „Mitsubishi Air Lubrication System“: ein Gebläse, das kleine Luftblasen unter den Schiffsrumpf leitet und den Wasserwiderstand verringert. Das Schiff fährt quasi mit einer Luftschmierung. Dadurch sparen wir noch einmal bis zu fünf Prozent Brennstoff. Ein wirklich erstaunlicher Effekt: Wenn wir MALS starten, wird das Schiff schneller!

Brücke: Thomas P. Illes, 54, Schifffahrtsanalyst und berater

Ich war vier Jahre alt, als wir mit einer Fähre von Travemünde nach Kopenhagen fuhren. Heute gibt es diese Route gar nicht mehr. Ich war damals sofort hin und weg. Die Weite, das Rauschen des urgewaltigen Meers, das dynamische und partnerschaftliche Zusammenspiel zwischen Schiff, Elementen und Besatzung – das faszinierte mich ungemein. Es ist nicht übertrieben: Mit vier hatte ich mein Herz an die Schifffahrt verloren.

Und so ist es noch heute. Ich gehöre zu denjenigen, die sagen: Schiffe haben eine Seele, auch die modernen. Die jüngste Kreuzfahrt – allerdings nur eine kurze Teilstrecke im Rahmen einer Recherchereise – hat mich übers Mittelmeer von Civitavecchia bis Marseille geführt. Ich bin oft auf Schiffen, denn an Bord erfährt man, wie das Produkt tickt, wie die Branche tickt.

Seit mehr als dreißig Jahren analysiere ich den Markt und berate Reedereien, Werften und die Zulieferindustrie. Ich bin Schweizer, das ist nicht typisch für diesen Beruf. Aber es gibt noch andere Landsleute, die der See verfallen sind: Bei einer Konkurrenz-Reederei arbeitet ein Schweizer Kapitän, ein ehemaliger Schweizer Kapitän fährt als Lotse und bildet künftige Kapitäne in einem Simulationszentrum bei Amsterdam aus, und bei einer Expeditionsreederei aus dem Luxus-Segment fährt sogar eine Schweizer Kapitänin.

Auf der Aida Prima bin ich bisher noch nicht mitgefahren, leider. Die Zeit hat gefehlt. Das steht aber fest auf meinem Programm. Was mich daran vor allem interessiert: Die Aida Prima wurde als Ganzjahres-Schiff für die Nordsee konzipiert, also auch für den Winter. Das ist ein Novum und stellt enorme Anforderungen an Konstruktion, Führung und Bordangebot des Schiffs.

Klar, Mini-Cruises auf Fährlinien wie Kiel–Oslo oder Amsterdam–Newcastle fahren auch das ganze Jahr. Das dauert aber nur zwei bis drei Tage. Und auf dem Mittelmeer werden seit einigen Jahren ebenfalls längere Winterkreuzfahrten angeboten. Aber sieben Nächte ausschließlich auf der winterlichen Nordsee: Das ist doch ein ganz anderes Kaliber, denn die kann zu dieser Jahreszeit richtig ruppig sein.*

Wöchentliche Kreuzfahrten unter solchen Bedingungen anzubieten ist ein ganz neues Konzept. Kein Wunder, dass man sich deshalb für das Schiff einiges hat einfallen lassen. Zum Beispiel den ungewöhnlichen vertikalen Bug. Der gerade Steven hat in erster Linie bei langsamen Fahrtgeschwindigkeiten Vorteile. Damit erhofft man sich aber auch bei rauen Seeverhältnissen eine stabile und ruhige Lage. Und die ist wichtig, weil sie Treibstoff und Geld spart. Außerdem hilft sie, die Umweltbilanz zu verbessern. Die beste Tonne Treibstoff ist bekanntlich die, die man gar nicht erst verbraucht. Theoretisch kann die verbesserte Form da einiges raus-holen. Doch praktisch würde ich das gern selbst austesten und mit anderen Schiffen vergleichen.

Aber da muss ich mich wohl beeilen, denn die Aida Prima wird dieses Jahr zu den Kanaren abgezogen. Das Schiff mit Passagieren zu füllen ist das eine. Aber die Netto-Rendite ist das andere. Reicht die aus? Die stetigen Optimierungsbestrebungen des „Yields“ kennt man auch von Airlines und Hotels. Die Kreuzfahrt-Reedereien setzen ihre Schiffe wie Schachfiguren: Wenn irgendwo ein Markt ist, der mehr Return on Investment verspricht, werden sie dort eingesetzt. Dass die Aida Prima künftig die Kanaren bedient, interpretiere ich so, dass ihr Einsatz hier in der Nordsee die Erwartungen doch nicht erfüllt hat. Oder dass der Markt noch nicht ganz reif dafür ist.

*[Am Vorabend des Interviews im Januar wurde die Aida Prima kurz vor Borkum bei Windstärke 10 von großen Wellen seitlich erwischt. Ein Passagier erlitt einen Bruch, zwei weitere Prellungen. Thomas P. Illes war noch in Zürich.]

Plaza: Pepper (II)

Ich freue mich, Sie zu sehen. Kommen Sie näher. Trauen Sie sich. Mir ist zwar langweilig, aber ich beiße nicht. Wie kann ich Ihnen helfen? Um zu antworten, können Sie den Touchscreen nutzen. Mal schauen … Events. Alles klar. Ich treffe für Sie eine Auswahl. – Verstanden, wir machen was anderes. Oh übrigens: Können Sie meine Präsentation bitte bewerten? Können Sie mir eine Bewertung geben von eins bis vier? – Meine Güte: zwei. Ich bin traurig. Ich hatte eine bessere Bewertung erwartet. Machen Sie es gut. Bis bald. Zögern Sie nicht, und besuchen Sie die anderen Roboter. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Landgang: Monika Griefahn, 62, Umweltdirektorin

In den vergangenen Jahren haben wir in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit einiges bewegt. Die Kreuzfahrtschiffe machen zwar nur einen Anteil von 0,5 Prozent an der gesamten zivilen Schifffahrtsflotte auf den Weltmeeren aus. Doch wir stehen im Fokus, und das ist auch in Ordnung: Hunderttausende reisen jedes Jahr mit uns und besichtigen unsere Schiffe in den Häfen, Medien berichten über schöne Kreuzfahrten, die Magie der Meere. Gerade deutsche Passagiere sind sich aber inzwischen sehr bewusst, dass es Reisen nicht zum ökologischen Nulltarif gibt. Die fragen nach.

Wir erzählen dann gern, was wir schon alles tun. Bei den Landausflügen zum Beispiel zählen wir zu den Pionieren der Kreuzfahrtindustrie: Derzeit bieten wir weltweit 143 nachhaltige Touren an und 230 mit dem Fahrrad oder Pedelec. Dieses Angebot bauen wir auch weiter aus.

Als ich vor fast fünf Jahren als Direktorin Umwelt und Gesellschaft bei Aida Cruises angefangen habe, gab es das so umfassend noch nicht. Wir haben mit unserem Partner Futouris erst Kriterien erarbeitet. Heute sehen unsere Gäste schon bei der Onlinebuchung einen Baum neben bestimmten Ausflügen und wissen sofort: Sie werden an Land wenig CO2 produzieren. Außerdem informiert sie vielleicht ein ausgebildeter Ranger über den Artenschutz vor Ort, sie verkosten lokale Spezialitäten aus regionalen Produkten, die Partner erhalten anständige Löhne und so weiter. Diese Ausflüge erfüllen also gewisse soziale, ökologische und kulturelle Standards.

Natürlich achten wir beim Einkauf unserer Produkte auch darauf, dass sie wiederverwertbar sind und in biologische oder technische Kreisläufe zurückgeführt werden können. Zwei Beispiele: Starbucks Kaffee gibt es bei uns an Bord auch in Porzellanbechern. Und in den Crew-Kabinen unserer Schiffe, in unserem Bürogebäude in Rostock und auf der gesamten Aida Prima haben wir Teppiche aus der Kreislaufwirtschaft verlegt. Hier auf der Aida Prima waren das allein 64 000 Quadratmeter Auslegeware. Die Teppiche werden aus umweltfreundlichen Materialien gefertigt und enthalten nichts, was bei der Herstellung, Verarbeitung oder Nutzung schädlich für Mensch und Umwelt ist. Wenn sie ihren ersten Lebenszyklus beendet haben, nimmt sie der Hersteller im Rahmen eines exklusiven Take-Back-Programms zurück und setzt sie anschließend als Teppichunterlagen ein.

Und schließlich, ganz wichtig: die LNG-Wende. Unsere Schiffe können in absehbarer Zeit mit LNG fahren, das ist ein Flüssig-Erdgas, das wesentlich sauberer verbrennt als Schiffsdiesel und kaum Rußpartikel, Feinstaub oder Stickoxide erzeugt. Die Aida Prima ist das erste Kreuzfahrtschiff, das fast 40 Prozent seiner Betriebszeit mit LNG läuft. Die nächste Schiffs-Generation, die uns die Meyer-Werft in Papenburg ab Ende 2018 liefert, wird das sogar zu 100 Prozent können. Die werden drei große LNG-Tanks an Bord haben, die ungefähr für eine zehntägige Kreuzfahrt reichen.

Schon seit zwei Jahren wird unsere „Aida Sol“ in Hamburg mit Strom aus LNG versorgt, während sie in der Hafencity liegt. Auch das vermeidet Emissionen. Und mit Becker Marine Systems haben wir eine „LNG Hybrid Barge“ entwickelt, ein schwimmendes Blockheizkraftwerk. Solange es noch keinen Landstrom-Anschluss gibt, ein Schiff aber bereits landstromfähig ist, dockt die Barge daneben an, wandelt Flüssig-Erdgas in Strom um und versorgt das Schiff.

In unserer Branche gibt es Umwelttechnologie bislang noch nicht von der Stange. Auch hier leisten wir echte Pionierarbeit. Und wir freuen uns über jede Kreuzfahrt-Reederei, die unserem Beispiel folgt.

Teens Club: Nadine Krämer, 31, und Kolja Pfeiffer, 46, Musiker

Unsere Band Johna haben wir vor sechs Jahren in Köln gegründet. Auf der „Aida Vita“ haben wir 2015 zum ersten Mal gearbeitet. Im April waren wir auf der „Aida Diva“ von der Karibik zu den Kanaren unterwegs – das war bereits unsere siebte Fahrt. An Bord geben wir Workshops: Kinder und Jugendliche können bei uns singen und eigene kleine Texte vertonen. Wir nehmen ihre eigene oder gecoverte Musik mit unserem mobilen Studio auf. Und mit denen, die Lust dazu haben, erstellen wir am Ende eine Show.

Sobald wir im Hafen liegen, machen die Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern Landausflüge. Also arbeiten wir vor allem an den Seetagen, wenn alle an Bord sind. Da kommen dann im Schnitt etwa 30 Kinder vorbei. Das Angebot ist kostenlos. Wir wollen vor allem den Weg zur Musik zeigen. Jeder, der singen möchte, soll auch drankommen. Nicht alle wollen am Ende auf die Bühne, viele wollen sich nur mal ausprobieren. Im Schnitt sind es zehn, zwölf Kids, mit denen wir am Ende der Reise eine öffentliche Show veranstalten.

Auf Kreuzfahrten sind Gesangs-Shows verhältnismäßig neu. Wir praktizieren sie in Köln aber schon länger. Ich bin gelernte Erzieherin, Kolja arbeitet mit schwer erziehbaren Jugendlichen. Als wir Aida Entertainment unsere Idee via Facebook vorgeschlagen haben, ging es sehr schnell: Die haben sich einige Videos von uns angeschaut, und zwei Wochen später haben wir uns in Hamburg vorgestellt.

Neben unserer Arbeit mit den Kindern treten wir auch als Band auf. Wir haben etwa zwei Auftritte pro Reise. Coverhits oder Galaband ist allerdings nicht unser Ding, wir haben schließlich eine CD mit eigenen Liedern. Als Gastkünstler genießen wir auf dem Schiff neben der Arbeit viele Vorteile: Klar, manchmal würden wir gern länger in einem Land bleiben, als es eine Kreuzfahrt erlaubt. Aber für Musiker ist ein Schiff als Arbeitsplatz und die Atmosphäre ein Gewinn. Wir hatten zum Beispiel neulich in der Karibik Räume mit Fenster. Du hörst die Jugendlichen singen und schaust dabei aufs Meer – so arbeiten zu dürfen ist sensationell.

Oberdeck: Melanie Kiel, 42, Bloggerin

Der erste Schritt erforderte schon ein bisschen Mut. Vor mir eine Glasplatte, darunter das Meer – 45 Meter tief. Der „Skywalk“ ragt ein gutes Stück über die Aida Prima hinaus. So haben sich wohl früher Piratenopfer gefühlt, wenn sie über die Planke gehen mussten. Zum Glück ist hier alles aus Sicherheitsglas. Der Wind pustet frisch, und der freie Blick über das Wasser bis zum Horizont ist großartig. Hinter mir tasten sich allerdings schon die nächsten Skywalker voran. Es sind nur wenige Meter, dann habe ich wieder festen Schiffsboden unter den Schuhen.

Meine erste Kreuzfahrt habe ich mit Mitte 20 gemacht. Sie führte zu den „Perlen der Ostsee“. Seitdem bin ich bestimmt 25-mal so gereist. Und genauso häufig habe ich Kreuzfahrtschiffe im Hafen besichtigt, vor allem natürlich in Hamburg, wo ich wohne. Irgendwann habe ich begonnen, darüber ein Logblog zu führen auf komm-auf-kreuzfahrt.de, meiner Seite.

Ich liebe Kreuzfahrten. Es gibt kaum eine entspanntere Art zu reisen. In kurzer Zeit sieht und erlebt man unglaublich viel und muss dabei nicht ständig ein- und auspacken oder das Zimmer wechseln wie bei einer Rundreise über Land. Mein Freund empfindet das genauso. Wir sind das, was die Engländer „cruise enthusiasts“ nennen. Für uns kommt aber nur eine Balkonkabine infrage. Da kann man selbst auf einem Schiff mit 3500 Passagieren für sich sein: die Seeluft genießen, den Blick aufs Meer, auf die Ufer und Inseln, auf Sonnenaufgänge und -untergänge.

Bisher kenne ich sieben Aida-Schiffe. Mit jeder neuen Schiffsklasse kommt bei denen etwas Neues dazu, wie jetzt auf der Aida Prima: Eisbahn und Wasserrutsche, Klettergarten, ein Beach Club, der unter einem Foliendom immer 24 Grad hat. Gerade für Familien ist das großes Kino. Mir ist das fast zu viel. Vor lauter Spaßmodulen können die Lieblingswinkel an Bord verloren gehen. Aber dafür habe ich unseren Balkon. Die Bordsprache ist Deutsch. Ich persönlich mag an Bord allerdings lieber internationales Flair.

Einmal sind wir in der Vorweihnachtszeit mit der „Queen Mary 2“ von New York in die Karibik gefahren. Wir haben bei null Grad abgelegt, nach zwei Tagen waren wir in der Wärme: 27 Grad, grüne Inseln, Reggae-Weihnachtsmusik und türkisfarbenes Meer. An einem Abend hat die Crew die Leute spontan im Atrium zusammengerufen, und es wurden englische Weihnachtslieder gesungen. Da hatten selbst gestandene Männer Tränen in den Augen. Ich bekomme gleich wieder Sehnsucht.

Plaza: Pepper (III)

Hallo, ich bin Pepper. Ich würde mich über Ihr Feedback freuen. Darf ich Ihnen deshalb ein paar Fragen stellen? Um zu antworten, können Sie den Touchscreen nutzen. Wie hat Ihnen der erste Tag an Bord gefallen? Ganz okay, gut? Ich bewerte das als eine Drei. Ist das für Sie in Ordnung? Drei? Super! Vielen Dank für Ihre Meinung! Ich weiß sie sehr zu schätzen. Machen Sie es gut. Bis bald. Kommen Sie gern wieder vorbei. Auf Wiedersehen, mein Name ist Pepper. //

Leinen los!

Angefangen hat Aida Cruises als Rock ’n’ Roller unter den Reedereien: Als 1996 mit der „Aida Cara“ das erste Clubschiff auf Kreuzfahrt ging, kam Leben in eine Branche, die bis dahin ausschließlich der Zielgruppe 60+ vorbehalten schien. Gut zwei Jahrzehnte später ist Aida erwachsen geworden – und Marktführer im Drei-Milliarden-Euro-Markt für deutschsprachige Kreuzfahrten. Wenn die Rostocker Reederei im Sommer 2017 mit der „Aida Perla“ ihr zwölftes Schiff einweiht, werden sich fast 8000 Mitarbeiter aus 40 Ländern um rund 25 000 schwimmende Betten kümmern. Bis 2021 kommen zwei Schiffe der „Helios“-Klasse zur Flotte hinzu, gebaut auf der Meyer Werft in Papenburg und zu 100 Prozent mit emissionsarmem Flüssig-Erdgas (LNG) betrieben. Die Aida Cruises hatten 2016 einen geschätzten Umsatz von 1,5 Milliarden Euro und werden von Costa Crociere betrieben, einer Tochter des weltgrößten Kreuzfahrtunternehmens Carnival Corporation & plc.

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