Wie ergeht es in der Corona-Krise …

… Marcel Kaiser, ehemaliger Turbostudent?

Dank perfektionierter Gruppenarbeit hatten Kaiser und zwei Kommilitonen ihre Abschlüsse an einer privaten Wirtschaftshochschule in Dortmund in Rekordzeit geschafft: Statt den üblichen elf Semestern brauchten sie für Bachelor und Master nur vier. Das war 2011. 

Vor vier Jahren hat sich Marcel Kaiser, 29, selbständig gemacht und den Online-Marktplatz Flobee gegründet, über den in der Region ansässige Einzelhändler ihre Waren vertreiben können. Außerdem ist er an einem privaten Rettungsdienst im nordrhein-westfälischen Arnsberg beteiligt.





In dieser Reihe fragen wir Unternehmer und andere Menschen, über die wir in der Vergangenheit berichtet haben, wie sie mit der Corona-Krise umgehen. Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Und wie wollen sie diese bewältigen? 

Marcel Kaiser

brand eins: Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Geschäft aus?
Marcel Kaiser: Wir haben mit beiden Unternehmen mehr zu tun denn je. Durch das Virus haben wir 50 Prozent mehr Krankentransporte und fünf Prozent mehr Notfälle und daher nun einen weiteren Rettungswagen im Einsatz. Bei Flobee ist die Nachfrage gewaltig, da wir unsere Kunden auch mit Lebensmitteln versorgen. Viele alte Leute, die das Haus nicht verlassen wollen, lassen sich von uns beliefern. Die Zahl der Bestellungen hat sich nahezu verdoppelt.

Die Kunden bestellen online, Sie besorgen die Waren und liefern sie dann aus?
Man kann bei uns online oder telefonisch bestellen. Letzteres nehmen vor allem die älteren Kunden in Anspruch. Normalerweise geben wir die Bestellungen an die Händler weiter, die Warenpakete vorbereiten, die wir dann nur noch abholen müssen. Jetzt, in der Krise, kommen die Lebensmittelhändler nicht mehr dazu – also gehen wir selbst in die Läden und suchen die Produkte zusammen.

Haben Sie genügend Personal dafür?

Wir arbeiten mit zusätzlichen Aushilfen, Studenten und Freiwilligen, die gerade ihrem Beruf nicht nachgehen können und sich engagieren wollen. Der Teamgeist ist unglaublich.

Woran verdienen Sie bei diesem Geschäft?

An monatlichen Gebühren für die Händler, einer Umsatzmarge, Eigenprodukten, Werbe- und Sponsoringeinnahmen und – in normalen Zeiten – an Liefergebühren. Auf die verzichten wir derzeit aus Solidarität.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?

Nach Arnsberg und Ense haben wir gerade unseren Dienst in Sundern gestartet, einer weiteren Region in Südwestfalen. Bis Ende 2022 wollen wir in insgesamt 25 Regionen mit je 30 Einzelhändlern aktiv sein. --

Nachdem Marcel Kaiser (Geburtsname Pohl) in nur vier Semestern sein Bachelor- und Masterstudium abgeschlossen hatte (brand eins 03/2012 „Flotter Dreier“), promovierte er in England. Anschließend war er bei der Commerzbank in Frankfurt und bei einem Mittelständler in seiner Heimatstadt Arnsberg im Sauerland tätig. Vor vier Jahren machte er sich selbstständig: Er beteiligte sich an einem privaten Rettungsdienst mit 35 Mitarbeitern, der in Arnsberg eine ständig besetzte Rettungswache betreibt und in die öffentliche Notfallrettung eingebunden ist. Außerdem gründete er den Online-Marktplatz Flobee, die Firma hat 15 Mitarbeiter.