Wie ergeht es in der Corona-Krise …

… Daniel Hahn, dem Münchner Subkultur-Unternehmer?

Daniel Hahn, 29, ist der älteste von drei Brüdern aus München. Im Dezember 2019 haben wir beschrieben, wie sie die Welt besser und ihre Stadt bunter machen wollen. Daniel Hahns Spezialität sind ungewöhnliche Eventlocations. In Münchner kennt wohl jeder sein alternatives Kulturzentrum „Bahnwärter Thiel” oder die „Alte Utting” – einen ausgedienten Ausflugsdampfer, den er auf eine Eisenbahnbrücke gestellt und in ein Partyschiff verwandelt hat. Sein Motto: Je verrückter, desto besser.





In dieser Reihe fragen wir Unternehmer und andere Menschen, über die wir in der Vergangenheit berichtet haben, wie sie mit der Corona-Krise umgehen. Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Und wie wollen sie diese bewältigen? 

Daniel Hahn

brand eins: Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Meinen Brüdern und mir geht es gesundheitlich gut. Meine Mutter ist leider durch diverse Vorerkrankungen sehr gefährdet. Bedingt durch die Pandemie bekommt sie keine Arzttermine. Auch wir Brüder können uns nicht wirklich um sie kümmern, weil die Gefahr, sie anzustecken, zu groß ist.

Lockdown für die Kultur – was bedeutet das für Ihre Projekte?

Für uns ist das gerade sehr ungünstig, denn der Frühling und der Frühsommer sind unsere wichtigste Zeit im Jahr. Die Einnahmen aus diesen Monaten müssen uns durch den Winter tragen. Wir bekommen die Auswirkungen also vermutlich erst im Herbst richtig zu spüren. Bei uns ist die Lage außerdem speziell, weil wir Zwischennutzer von Arealen sind und mit zeitlichen Begrenzungen umgehen müssen. Während unseren kurzen Betriebszeiten von wenigen Jahren müssen wir so viel einnehmen, dass wir später den Rückbau finanzieren können. Deshalb kann es sein, dass die größten Probleme erst kommen, wenn wir unsere Kultureinrichtungen in wenigen Jahren abbauen müssen.

Mussten Sie schon Leute entlassen? 

Leider. Es ist sehr schwer einzuschätzen, wie lange die Krise andauern wird. Wie gehen aber davon aus, dass wir von Corona und den Folgen noch lange betroffen sein werden. 

Unterstützt die Stadt München Kulturschaffende wie Sie finanziell? 

Es gibt die Möglichkeit, Steuerzahlungen zu stunden, außerdem können wir Soforthilfe und Kurzarbeit beantragen. Das hilft schon ganz gut. Leider gilt Letzteres nicht für Aushilfen und Werkstudenten. Viele Studenten leben aber von ihren Nebenjobs und haben dadurch ernsthafte Probleme. 

Wird es den Bahnwärter Thiel und die Alte Utting nach Corona noch geben?

In der aktuellen Lage ist es schwer, so etwas einzuschätzen. Aber ich bin guter Dinge, dass wir es schaffen. Der starke Zusammenhalt bei uns im Team gibt mir das Vertrauen, dass wir diese Krise überstehen.    


Gibt es für Sie etwas Positives in dieser Krise?
Es ist immer wichtig, auch an schwierigen Situationen positive Seiten zu finden, um nicht den Mut zu verlieren. Viele von uns müssen in ihrem täglichen Hamsterrad immer schneller laufen – vielleicht kann dieser Stillstand  zu einem Umdenken führen. Wir merken zum Beispiel gerade, wie instabil das globale System und wie wichtig eine gewisse Regionalität ist. Außerdem erkennen wir, wie falsch der Ansatz ist, dass Krankenhäuser nichts kosten dürfen und sogar Gewinne abwerfen sollen. --

Daniel Hahn gründete 2012 mit seinen Brüdern den Verein Wannda e.V. (von: „Wenn nicht jetzt, wann dann“), kaufte ein Zirkuszelt und stellte es auf Brachflächen in der Stadt auf. Seither ist er Kulturunternehmer. Julian Hahn, 27, betreibt mit seiner Firma Gans Kreativ das alternative Kaffeehaus „Gans am Wasser“ im Westpark und baut einen Blumenkiosk in ein Kulturhaus mit Pizzaofen und Empore in den Bäumen um. Der jüngste Bruder Laurin Hahn, 25, entwickelt ein Elektroauto, das mit Sonnenenergie fahren wird, und will mit seiner Firma Sono Motors zum deutschen Tesla werden (brand eins 12/19 „Ist doch nicht möglich!”)