Was wäre, wenn...

Ein Szenario.

Text: Christoph Koch
Fotografie: Philotheus Nisch


2020

Ausgabe 09/2020

Die Luftfahrtbranche hat sich selbst dazu verpflichtet, ihren Kohlenstoffdioxid-Ausstoß bis zum Jahr 2050 auf die Hälfte der Emissionen von 2005 zu reduzieren. Die Corona-Pandemie trägt aktuell sicherlich dazu bei, diesem Ziel näher zu kommen. Aber auf lange Sicht wird der Flugverkehr wieder zunehmen – und damit auch der CO2-Ausstoß. Bio-Kraftstoffe wären eine Möglichkeit, die Umweltbelastung durch das Fliegen langfristig zu senken: durch Kerosin, das statt aus Erdöl aus Biomasse gewonnen wird. Was wäre, wenn alle Flugzeuge damit flögen?

Ausgabe 08/2020

„Zucker zaubert Energie“ schwärmte 1954 eine Fernsehwerbung im Wirtschaftswunderdeutschland. Die Industrie versprach darin, dank Zucker bleibe man schlank „wie eine Pinie“ und schlussfolgerte: „Nimm deshalb mehr!“ Heute würde das keiner mehr behaupten. In Deutschland sind mehr als die Hälfte der Erwachsenen und 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig – auch weil sie zu viel Süßes essen. Statt der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen 25 Gramm Zucker pro Tag, verzehrt der Durchschnittsbürger 90 Gramm. Immer wieder gibt es deshalb Forderungen nach einer Sondersteuer auf extrem zuckerhaltige Lebensmittel, wie beispielsweise Limonaden. Was wäre, wenn Deutschland eine solche Steuer bekäme?

Ausgabe 07/2020

Die einen bieten an, aus der Beobachtung der Iris des Patienten Rückschlüsse auf dessen Gesundheit zu ziehen. Andere offerieren Schröpfkuren, Chakren-Harmonisierung oder Bioresonanztherapie. Selten ist die Wirksamkeit der Heilpraktiker-Methoden wissenschaftlich belegt. Trotzdem fühlen sich viele Patienten bei ihnen gut aufgehoben. Manchmal kommt es jedoch zu unnötig schweren Krankheitsverläufen oder sogar Todesfällen, nachdem sich Menschen in die Obhut von Heilpraktikern begeben haben. Mehrfach wurde deshalb bereits gefordert, den Beruf abzuschaffen. Was wäre, wenn es in Deutschland keine Heilpraktiker mehr gäbe?

Ausgabe 06/2020

Von der Putzhilfe bis zum befreundeten Fliesenleger, der das Badezimmer am Wochenende kachelt; vom Kellner, der seinen Lohn am Abend bar auf die Hand bekommt, bis zur Großbaustelle, auf der nur ein Teil der Arbeiter angemeldet ist: Schwarzarbeit hat viele Gesichter. Sie findet im großen wie im kleinen Stil statt, in Privathaushalten ebenso wie in Unternehmen. Doch was wäre, wenn es keine Schwarzarbeit mehr gäbe? Wenn für alle bezahlten Tätigkeiten auch Sozialabgaben und die Einkommensteuer anfielen?

Ausgabe 05/2020

Der Umsatz mit Biolebensmitteln ist in den vergangenen 20 Jahren langsam, aber stetig von rund zwei auf zwölf Milliarden Euro gestiegen. Inzwischen wird etwa ein Zehntel der Landwirtschaft in Deutschland nach ökologischen Kriterien betrieben: Wertet man die Nutzfläche aus, so sind es 8,9 Prozent; zählt man die Betriebe, sind es 11,7 Prozent. Weltweit liegt der Bio-Anteil an der Landwirtschaft hingegen nur bei rund einem Prozent. Doch was wäre, wenn es – sei es in Deutschland oder sogar weltweit – nur noch biologische Landwirtschaft gäbe?

Ausgabe 04/2020

Im März 2015 beschloss der Deutsche Bundestag ein Gesetz, das Frauen den Zugang zu Führungspositionen erleichtern sollte. Dieses Gesetz, das eine Frauenquote von mindestens 30 Prozent für Aufsichtsräte festlegt, gilt jedoch nur für die rund 100 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland. Viele kleinere und mittlere Firmen sind also ausgenommen. Bei Nichterfüllung gibt es zudem keine Strafen. Doch was wäre, wenn es eine verbindliche Frauenquote von 50 Prozent gäbe? Mit Sanktionen für diejenigen, die sie verfehlen? Eine, die für viel mehr Arbeitgeber gälte – und auch für Führungsebenen unter dem Aufsichtsrat?

Ausgabe 03/2020

Noch vor zehn Jahren war Verschlüsselung vor allem etwas für Unternehmen, Behörden und IT-Profis. Die private Internetnutzung, also E-Mails, Websites, Apps und WLAN-Netze, blieb häufig unverschlüsselt. Das hat sich verändert – durch die Enthüllungen Edward Snowdens 2013 über flächendeckende staatliche Überwachung und durch zunehmende Cyberkriminalität.

Allein zwischen 2016 und dem ersten Quartal des Jahres 2019 stieg der Anteil des verschlüsselten Web-Traffics von 53 auf 87 Prozent. Auch mobile Kommunikationsdienste wie Whatsapp, Facebook-Messenger oder iMessage schützen die Konversationen ihrer Nutzer mittlerweile. Gleichzeitig fordern Politiker und Behörden immer wieder, Verschlüsselung zu verbieten – oder Zugänge zu schaffen, sogenannte Backdoors (Hintertüren), die es staatlichen Stellen ermöglichen, die Inhalte trotzdem zu lesen. Doch was wäre, wenn diese Einschränkungen oder Verbote Wirklichkeit würden? Wenn es keine Verschlüsselung mehr gäbe?

Ausgabe 02/2020

Bis zum 1. Juli 2011 existierten in Deutschland Wehrpflicht und Zivildienst. Seit deren Abschaffung gibt es nur noch freiwillige Dienste, für junge Frauen und Männer: das Freiwillige Soziale oder das Freiwillige Ökologische Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst etwa – liebevoll abgekürzt „Bufdi“. Doch was wäre, wenn es wieder eine Dienstpflicht für alle Schulabgängerinnen und Schulabgänger gäbe? Ein soziales Pflichtjahr oder Gesellschaftsjahr, wie es die CDU zuletzt ins Spiel brachte?

Ausgabe 01/2020

Die Nato feierte im April 2019 ihren 70. Geburtstag – ein beachtliches Alter für ein Staatenbündnis. In den vergangenen Monaten stand es jedoch verstärkt in der Kritik: Der US-Präsident Donald Trump stellte wiederholt den Sinn des Nordatlantikpakts infrage. Frankreichs Premierminister Emmanuel Macron beklagte mangelnde Kooperation und fehlendes Vertrauen: Es sei unklar, ob man sich wirklich auf Beistand im Angriffsfall verlassen könne. Aber was wäre, wenn es die Nato tatsächlich nicht mehr gäbe?


2019

Ausgabe 12/2019

Fast immer, wenn von der medizinischen Versorgung in Deutschland die Rede ist, landet die Diskussion irgendwann bei dem Stichwort Zwei-Klassen-Medizin. Einerseits sind da die Privatpatienten, die der Chefarzt höchstpersönlich behandelt. Andererseits die unterversorgten Kassenpatienten, die sich auch todkrank noch ein Fünferzimmer teilen müssen – so das Klischee.

Doch was wäre, wenn es in Deutschland keine privaten Krankenversicherungen (PKV) mehr gäbe?

Ausgabe 11/2019

30 Jahre ist es her, dass die Berliner Mauer fiel und die deutsch-deutsche Grenze sich öffnete. Kein Jahr später, am 3. Oktober 1990, trat die Deutsche Demokratische Republik (DDR) offiziell der Bundesrepublik Deutschland bei. Doch was wäre, wenn sich dies nie ereignet hätte? Wie sähe Deutschland ohne die Wiedervereinigung aus?

Ausgabe 10/2019

Eigentlich müsste es die Finanztransaktionssteuer – zumindest in Europa – längst geben: Das EU-Parlament stimmte zweimal für eine solche Steuer, und in Umfragen wünscht sie sich eine Mehrheit der Befragten. Die erste Idee dazu hatte John Maynard Keynes im Jahr 1936; populär machte sie in den Siebzigerjahren der Nobelpreisträger James Tobin und in den Neunzigerjahren das Bündnis Attac. Nach der Finanzkrise galt die Steuer im gesamten politischen Spektrum als ein probates Mittel, um Spekulationsblasen zu verhindern. Trotzdem wurde sie bis heute nicht eingeführt. Was wäre, wenn das gelänge? Wenn es eine weltweite Steuer auf alle Finanztransaktionen gäbe?

Ausgabe 09/2019

Vor etwa zwölf Jahren schrieb ein Brite dem damaligen Minister für Umweltschutz und Landwirtschaft, David Miliband, dass sein Nachbar als Landwirt 3000 Pfund dafür bekomme, dass er keine Schweine züchte – mehr als der Bauer je mit der Schweinezucht verdient habe. „Ich möchte nun ebenfalls in das Geschäft mit der Nicht-Schweinezucht einsteigen“, so der Subventionskritiker. „Was ist Ihrer Meinung nach die beste Art Bauernhof, um keine Schweine zu züchten, und welche Rasse eignet sich besonders gut, um sie nicht zu züchten?“

Ausgabe 08/2019

Die Idee einer gemeinsamen Währung für den gesamten afrikanischen Kontinent kam erstmals 1963 auf. Damals wurde die Organisation Afrikanische Einheit in Addis Abeba, Äthiopien, gegründet – das Konzept eines einheitlichen Zahlungsmittels aber nicht weiterverfolgt. Einen offiziellen Plan gab es erst 1991 im Rahmen des Abuja-Vertrags, der die Afrikanische Wirtschaftsgemeinschaft begründete. Bis 2028 solle es eine afrikanische Zentralbank und nach Möglichkeit auch eine gemeinsame Währung geben, stand darin.

Ausgabe 07/2019

Ob für 25 Euro in der Economy Class von Berlin nach Stuttgart zum Familienbesuch oder zum Geschäftstermin von München nach Hamburg in der Business Class: Jeden Tag fliegen Tausende Menschen von einer deutschen Stadt zur anderen. Für Klimaschützer sind diese Flüge eine durch nichts zu rechtfertigende Umweltsünde – für Passagiere oft eine Zeitersparnis. Doch was wäre, wenn solche Strecken nicht mehr mit dem Flugzeug zurückzulegen, wenn Inlandsflüge verboten wären?

Ausgabe 06/2019

Ob Dracula oder Peter Pan, Dorian Gray oder der „Highlander“ Connor MacLeod – es gibt zahllose Geschichten und Mythen über die Unsterblichkeit. Die Idee, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen und ewig zu leben, fasziniert die Menschen seit je. Aktuell wird vor allem im Silicon Valley daran gearbeitet, das Altern abzuschaffen. Die Ideen reichen von Blutwäsche über das Aussortieren von Zellen, die sich nicht mehr selbst erneuern, bis zum Hochladen unseres Bewusstseins in die Cloud. Noch ist nichts davon annähernd marktreif. Doch was wäre, wenn es der Menschheit wirklich gelänge, den Alterungsprozess zu besiegen, und wir ewig leben könnten?

 

Ausgabe 05/2019

Krieg ist schon lange verboten. Alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen haben sich laut deren Charta von 1945 verpflichtet, „jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt“ zu unterlassen …

Ausgabe 04/2019

Chinas Wirtschaft wächst jedes Jahr weniger. Waren es im vergangenen Jahr noch 6,6 Prozent, stellte Ministerpräsident Li Keqiang für 2019 erneut niedrigere Zahlen in Aussicht. Was wäre nun, wenn die Zuwächse immer weiter abnähmen? Wenn Chinas Wirtschaft irgendwann gar nicht mehr wüchse?

Ausgabe 03/2019

Ein Sonnensturm, dessen Eruptionen Transformatoren auf der Erde zerstören, wie 1989 im kanadischen Quebec geschehen. Ein Computerwurm wie Stuxnet, der in der Lage ist, die Steuerungstechnik von Kraftwerken lahmzulegen. Ein Hackerangriff auf vernetzte smarte Stromzähler. Szenarien, die zu einem großflächigen, länger andauernden Stromausfall führen könnten, sind zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber denkbar. Was würde passieren, wenn in Deutschland einen Monat lang der Strom ausfiele?

 

Ausgabe 02/2019

Als sich im Dezember 2018 die etwa 32.000 Klimaexperten, Politiker, Aktivisten, Wirtschaftsvertreter und Journalisten nach 14 Tagen hitziger Debatten im polnischen Kattowitz trennten, lautete ihr Fazit: 2 Grad. Auf 2 Grad Celsius, verglichen mit dem vorindustriellen Niveau, müsse der Anstieg der globalen Temperatur im Mittel begrenzt werden. Beim Weltklimaabkommen von Paris aus dem Jahr 2015 hatte die Übereinkunft noch einen Anstieg von „deutlich unter 2 Grad“ vorgesehen, nach Möglichkeit 1,5 Grad. Doch was für einen Unterschied macht ein halbes Grad? Was würde passieren, wenn sich die Erde tatsächlich um zwei Grad Celsius erwärmte?

Ausgabe 01/2019

Um den Jahreswechsel herum will Waymo, eine Tochterfirma der Google-Mutter Alphabet erstmals die Öffentlichkeit ihre selbstfahrenden Autos nutzen lassen. In Phoenix, Arizona, wo das Unter- nehmen bereits seit einem Jahr die autonomen Fahrzeuge mit rund 400 Testfa-milien erprobt, sollen sie per App bestellt werden können. Auch in Kalifornien hat Waymo die Genehmigung für ein ähnliches Projekt erhalten. Was aber würde passieren, wenn sich die autonomen Fahrzeuge irgendwann überall durchsetzten? Was wäre, wenn es eines Tages nur noch selbstfahrende Autos gäbe?


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