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Volkert Ruhe hat eine kriminelle Karriere hinter sich. Heute hilft er Jugendlichen, nicht auf die schiefe Bahn zu geraten.

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Volkertruhe square

Das erste Leben des Volkert Ruhe begann 1955 in Osterode am Harz. Mit 15 zu Hause rausgeflogen. Erste Diebstähle. Mit 18 wegen Einbruchs das erste Mal im Knast. Sieben Jahre Mitglied einer Drückerkolonne. Mit 37 Kokainschmuggel im Auftrag der kolumbianischen Drogenmafia. Mit 40 zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er sieben absitzen muss.

Der typische Werdegang eines Kriminellen? Aber was ist schon typisch?
 
Ruhe wird als Kind jahrelang misshandelt. Der Vater geht meist volltrunken mit dem Schürhaken auf die drei Jungs los. An den drei Töchtern vergeht er sich.

„Irgendwann ist es komplett eskaliert“, sagt Ruhe. Der Vater ging mit einem Messer auf ihn los. „Da bin ich abgehauen.“


Mit 14 habe ich in verlassenen Gartenlauben geschlafen, bei Bauern auf dem Heuschober, in Wartungsschächten an der Bahnlinie - ich habe mich durchschlagen müssen und so ging es mit der Kriminalität los.

Trotzdem kriecht Ruhe noch jeden Morgen aus seinem Schlafsack und macht eine Lehre als Landmaschinenmechaniker. Er freundet sich mit einem in Hamburg lebenden Kolumbianer an, der ihn zu einem Urlaub bei seiner Familie in Girón einlädt. Dort lernt er Leute vom Cali-Kartell kennen. Er wird Drogenkurier. Und lebt in ständiger Angst.

„In diesem Metier ist klar, wenn du erwischt wirst, droht eine hohe Strafe“, sagt Ruhe. Im Februar 1995 klicken die Handschellen – er wird von Interpol-Beamten verhaftet. 13 Jahre Haft.


Die Verhaftung ist eine Situation im Leben, wo man fürchterlich bereut, was man getan hat. Aber da ist es schlicht zu spät.

Diese Erfahrungen will er teilen, anderen helfen, bevor es zu spät ist. So beginnt Volkert Ruhes zweites Leben in der Haftanstalt Santa Fu in Hamburg.
 
An einem Tag im September 1996 zeigt ihm einer seiner Mithäftlinge einen Zeitungsartikel: In den USA werden auffällig gewordene Jugendliche zu einem eintägigen Knastbesuch verdonnert. Die beiden fragen sich, ob man Ähnliches nicht auch in Hamburg aufbauen könne. Sie suchen Mitstreiter, arbeiten an einem Konzept. Von einer Schocktherapie wie in den USA halten sie nichts. Die Jugendlichen sollen freiwillig in den Knast kommen und zum Nachdenken angeregt werden.


Ich habe vieles von dem, was die Jugendlichen im Moment durchleben, schon hinter mir. So kann ich ihnen sagen, wie die Konsequenzen aussehen. Das ist für die Jugendlichen häufig glaubwürdiger.

Seit 1999 kommen regelmäßig fünf bis zehn Jugendliche nach Santa Fu und sprechen mit Häftlingen offen über ihr Elternhaus, ihre Probleme und Straftaten. Ruhe ist einer der Wortführer. Er erkennt die Chance, die sich aus dem Projekt ergibt, und macht es nach seiner Entlassung zu seinem Beruf.
 


Wenn wir von zehn Jugendlichen sieben oder acht erreichen, dann ist schon eine Menge gewonnen.

Podcast Timeline:

[00:00] Im Gefängnis mit Volkert Ruhe: Begrüßung & Intro

[01:45] Vom Verbrecher zum Vorbild: Volkert Ruhe im Gespräch

[03:30] Warum er oft mehr erreicht als Psychologinnen oder Pädagogen

[05:15] Ruhes Biografie & die Rolle seines gewalttätigen Vaters

[07:02] Ruhe landet auf der Straße & macht trotzdem seine Ausbildung

[08:02] Eine kriminelle Karriere beginnt & führt bis Kolumbien

[10:53] Gefangene helfen Jugendlichen e.V. hilft der Gesellschaft

[11:30] Die Idee kam in Santa Fu, im Gefängnis

[13:04] Die Vision des Vereins umzusetzen dauert

[15:43] Wieso Volkert Ruhe im Gefängnis nicht unterdrückt wurde

[17:00] Die Aufgabe hat ihm bei der Wiedereingliederung geholfen

[18:41] Arbeiten mit Jugendlichen: Aufklären & Konsequenzen aufzeigen

[23:05] Eine Lese- und eine Hörempfehlung zum Schluss.