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Das Bild zeigt eine weiße Plastiktüte, die mit dunkelgrünem Material in dem Schmutz und Ablagerungen zu erkennen sind.

Supercritical Water Precipitation (SWaP)

Rohstoffe sind ein umkämpftes Gut – umso erstaunlicher, dass sie in Europa achtlos in Flüsse gespült und auf Deponien gekippt werden. Dabei wäre es gar nicht so schwer, sie zurückzugewinnen.


• Marco Bersani hatte sich in seinem Physikstudium früh auf Materialwissenschaften spezialisiert. Nach der Promotion im italienischen Padua stieß er bei seinen Forschungen auf ein physikalisches Phänomen: Wasser hat oberhalb von 374 Grad Celsius und 221 Bar Druck Eigenschaften wie eine Flüssigkeit und auch wie ein Gas – die Grenzen verschwimmen. Das so entstandene, sogenannte überkritische Wasser hat völlig veränderte chemische und physikalische Eigenschaften.

In diesem Zustand können beispielsweise Metalle in kürzester Zeit als reines, verwertbares Pulver ausfallen. Bersani sah sofort das Potenzial und entwickelte ein inzwischen patentiertes Verfahren namens Supercritical Water Precipitation (SWaP), um Schwermetalle mit einer Ausbeute von mehr als 99 Prozent aus industriellem Abwasser zu gewinnen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren ist es billiger, und es entstehen dabei keine toxischen Schlämme.

Das Verfahren könnte helfen, ein Problem zu lösen, das lange ignoriert wurde: Jedes Jahr gehen Zigtausende Tonnen Schwermetalle in Europas Flüssen und Deponien verloren. Nicht aus Nachlässigkeit oder bösem Willen: Die Systeme zur Behandlung industrieller Abwässer wurden mit dem Ziel entwickelt, gesetzliche Grenzwerte einzuhalten – nicht jedoch, die darin enthaltenen Stoffe zurückzugewinnen. Nickel, Kupfer, Ruthenium, Palladium: teuer in anderen Teilen der Welt gewonnen, in europäischen Fabriken verarbeitet und dann durch Abwassersysteme wieder verloren, als wären sie wertlos. Ein stiller, jahrzehntelanger Verlust, weil das Geschäft der Abwasserbranche auf Entsorgung basiert, nicht auf Rückgewinnung.

Bersani sah die Chance, diese Verschwendung zu stoppen. 2019 gründete er mit drei Partnern die Firma Circular Materials, die sein Verfahren in großem Stil nutzen will. 2025 wurde das erste Werk in Padua eröffnet, inzwischen führen sie laut eigenen Angaben Gespräche mit Ministerien und Institutionen in Deutschland und Frankreich, um dort industrielle Hubs aufzubauen. Ein Standort könnte in Baden-Württemberg entstehen, ein zweiter im Raum Leipzig – beide sollen bis Ende 2028 betriebsbereit sein. Das Unternehmen ist Teil der insgesamt 60 strategischen Projekte, die von der Europäischen Kommission im Rahmen des Europäischen Gesetzes zu kritischen Rohstoffen ausgewählt wurden, um die Abhängigkeit Europas von Importen zu reduzieren.

Ein Mann steht in einer Lagerhalle, die mit großen Flüssigkeitsbehältern gefüllt ist, die vermutlich zur Lagerung oder zum Transport dienen. Die Behälter sind in Reihen gestapelt, und der Mann befindet sich in der Bildmitte und blickt in die Kamera.

Marco Bersani, Mitgründer von Circular Materials und Erfinder der SWaP-Technik, in der Halle der ersten Anlage in Padua

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