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Novo Nordisk

Vor zehn Jahren ist der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk unfreiwillig ins Beauty-Segment gerutscht. Der Erfolg hat sichtbare Spuren hinterlassen. Auch beim Aktienkurs.



• Als Elon Musk im Oktober 2022 verkündete, mit dem Adipositas-Medikament Wegovy „fit, ripped, and healthy“ geworden zu sein, war das ein Geschenk des Himmels für das dänische Pharmaunternehmen Novo Nordisk. Manch einer hatte während der Pandemie ein paar Pfund dazugewonnen, die Abnehmspritze kam genau zur rechten Zeit. Der Aktienkurs verdreifachte sich in zwei Jahren – und brach fast ebenso schnell wieder ein. Die Geschichte von Novo Nordisk zeigt, wie aus einem genialen Funken ein Strohfeuer werden kann. Heute liegt der Firmenwert etwa da, wo er vor Musks Testimonial lag.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte 100 Jahre vor Musk. 1922 reisen der Zoologe August und die Ärztin Marie Krogh nach Kanada, wo gerade das Hormon Insulin erstmals erfolgreich isoliert wurde. Das Forscherpaar erkennt die Tragweite, sichert sich die Produktionsrechte für Skandinavien und gründet die Firma Nordisk Insulinlaboratorium. Zwei Jahre später kommt es zum Bruch mit zwei Mitarbeitern, die daraufhin das Novo Terapeutisk Laboratorium gründen, das später Novo Industri heißen und zum größten Krogh-Rivalen aufsteigen wird.

Obwohl beide Firmen mit ihren Präparaten hoch innovativ sind, lähmt sie die gegenseitige Konkurrenz. Diese wird erst 1989, nach gut 60 Jahren Feindschaft, beigelegt. Die Fusion zu Novo Nordisk macht sich bezahlt, es beginnt ein langer Aufstieg mit dem lukrativen Insulingeschäft.

Der Einstieg in die Beauty-Branche stand wohl nie auf dem Plan. Das erste Medikament zur Gewichtsreduktion bringt Novo Nordisk 2015 auf den Markt. Die Dänen wollen damit Folgeerkrankungen von Adipositas verhindern. Entsprechend klein ist die Zielgruppe: Menschen mit starkem Übergewicht. Die Firma betont, dass es sich um ein Medikament handelt, nicht um ein Kosmetikprodukt.

Doch die Kunden juckt das nicht. Die Semaglutide Ozempic (2017) und Wegovy (2021) dämpfen das Hungergefühl und werden zunehmend off-label eingenommen, also jenseits des offiziellen Anwendungszwecks. Die Coronakilos ohne Sport und Diät mit einer Spritze loszuwerden ist verführerisch. In den sozialen Medien überschlagen sich die Berichte, binnen weniger Wochen entsteht ein globaler Abnehmhype, der jede Erwartung übertrifft. Vor allem die des Herstellers.

Das stellt Novo Nordisk vor ein erstaunliches Problem: Der Erfolg ist zu groß. Das Unternehmen kommt mit dem Abfüllen nicht hinterher, weltweit werden Bestände rationiert, es bilden sich Schattenmärkte mit Nachahmerprodukten. Der Erfinder droht an den Folgen seines eigenen Erfolgs zu scheitern. Das zeigt sich besonders deutlich am Aktienkurs. Die Erwartungen sind derart aufgebläht, dass schon die kleinste Enttäuschung die Anleger verdrießt und den Kurs ruiniert, wie eine einzige Bittermandel das ganze Birchermüsli.

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