KI
The Clown, the Bad and the Ugly
KI könnte die Bedeutung des Wissens entwerten. Das schafft eine Bühne für neue digitale Schurken.
• Als ich mit Altavista Ende der Neunzigerjahre meine ersten Internetsuchen durchführte, galt das Medium als Verheißung einer demokratischen Zukunft. Was waren wir um die Jahrtausendwende beseelt von der Idee einer besseren Welt! Erst würde der Zugang zu Wissen so billig werden, dass alle darauf Zugriff hätten. Folglich würden sich Autokratien und Eliten kaum noch an der Macht halten können. Heute wissen wir: Unsere Hoffnung war naiv. Das Gegenteil ist eingetreten.
Das Problem des Internets und später von Social Media besteht darin, dass sie den Zugang zu Informationen so sehr verbilligen, dass ihr Wert immer weiter sinkt. Heute ertrinken die Menschen in einer Flut an Nachrichten. Man manipuliert sie nicht mehr, indem man ihnen Informationen vorenthält. Stattdessen überfrachtet man sie mit Nachrichten bis zur totalen Verwirrung.
Mit KI betreten wir nun die nächste Stufe: Wir erleben keine Demokratisierung von Wissen, sondern vielmehr seine Industrialisierung. Früher musste man einen Fachanwalt beauftragen, wenn man seinen Mietvertrag überprüfen lassen wollte. Das geht heute in Sekundenschnelle mit KI. Tiefe Recherchen, medizinische Ratschläge, Analysen von Geschäftsberichten? Solche Kompetenzen, früher Herrschaftswissen, könnten in Zukunft für jeden erreichbar sein. Macht entsteht nicht mehr durch den Besitz von Wissen, sondern vielmehr durch die Steuerung von Aufmerksamkeit, durch Deutungshoheit und durch das Lenken von Vertrauen.
Wir freuen uns, dass Ihnen dieser Artikel gefällt.
Er ist Teil unserer Ausgabe Schönheit