Rebuy, Shopify, Transpak Copacking
Change happens
Es ist nicht so einfach, sich ganz neu zu positionieren. Drei ermutigende Beispiele.
Fotos: © Saskia Uppenkamp / rebuy.de
Rebuy, Berlin:
Erweitere die Kategorie.
Frage an den Chef: Würde das alte Geschäft heute noch funktionieren? „Wahrscheinlich nur in einer sehr überschaubaren Nische“, antwortet Philipp Gattner, seit 2015 bei Rebuy, seit 2019 dort Geschäftsführer. In ihren ersten Jahren – 2004 bis 2009 – hieß die Firma Trade-a-game, eine Tauschbörse für gebrauchte Videospiele; das Lager war ein Zimmer in der Berliner Studenten-WG der fünf Gründer. Bald handelten sie auf ihrer Plattform auch mit gebrauchten Konsolen und Büchern, Neuware kam hinzu. Sie stellten Leute ein, eröffneten ein Logistikzentrum. Und vollzogen 2009 eine Wende, die Gattner so beschreibt: „Zu Beginn ging es um den pragmatischen Vorteil für Gamer nach dem Motto: ,Ich bin mit Spiel A fertig und möchte Spiel B günstig kaufen.‘ Die Kreislaufwirtschaft stand weniger im Vordergrund. Doch dann begriffen die Gründer, wie groß das Potenzial für Re-Commerce ist.“
Unter dem neuen Namen Rebuy kauft das Unternehmen heute von Privatleuten und Firmen vor allem gebrauchte Smartphones, Kameras, Laptops, Tablets und andere Elektronikartikel, aber auch gebrauchte Bücher, Filme, Musik und Videospiele – und verkauft sie wieder. Mit mehr als zehn Millionen Transaktionen im Jahr erwirtschafteten die knapp 600 Beschäftigten jüngst rund 240 Millionen Euro; davon entfallen rund 90 Prozent auf Deutschland, der Rest auf Österreich, Frankreich, Niederlande, Spanien und Italien. Rebuy verwandelte sich vom Marktplatz mit Flohmarkt-Flair zum Kreislaufwirtschaftsunternehmen mit industriellen Prozessen: Täglich werden Zehntausende Produkte auf ihre Wiederverkäuflichkeit geprüft, bei Bedarf technisch aufbereitet und im Fall der Elektronikprodukte mit Dreijahresgarantie wiederverkauft. Das sogenannte Grading von Smartphones, also die Bewertung von Optik und Funktionalität, erledigen größtenteils Roboter und Software innerhalb weniger Minuten.
Wie sie die Transformation angingen? Als das Gründerteam 2009 beschloss, nur noch Gebrauchtes zu verkaufen, holte es sich erfahrene Externe von Zalando, Amazon, Wayfair oder Getyourguide an die Seite, Philipp Gattner kam 2015 von McKinsey. Und sie überzeugten Geldgeber, in Logistik, Marketing und neue Mitarbeiter zu investieren. Gattner sagt: „Die letzte Finanzierungsrunde war 2017/18. Das ist der beste Beweis dafür, wie gut wir dastehen. Wir finanzieren unser Wachstum aus eigenen Mitteln.“
Wäre Rebuy bereit für einen neuerlichen Richtungswechsel – etwa als Marktplatz für neue Produkte? „Man soll nie nie sagen. Aber im Moment ist das überhaupt kein Thema. Eine Transformation ist angesagt, wenn man im Kerngeschäft an Grenzen stößt. Und davon sind wir weit entfernt. Allein in Deutschland ist der Markt für Secondhandwaren viele Milliarden Euro groß.“ Um den kämpfen bei gebrauchten Elektronikartikeln neben Rebuy etwa Asgoodasnew (Frankfurt/Oder), Clevertronic (Münster), Zoxs (Wesel/Duisburg) oder Back Market (Paris).
Wir freuen uns, dass Ihnen dieser Artikel gefällt.
Er ist Teil unserer Ausgabe Radikal denken