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Maxie Reynolds

Die Ingenieurin Maxie Reynolds installiert Rechenzentren auf dem Meeresgrund. Noch verrückter klingt nur ihr Lebenslauf. Porträt einer Frau, die nichts plant und doch alles hinbekommt.



Eine Frau in einem schwarzen Kostüm steht an einer Straßenecke in der Stadt und schaut nach links. Die Straße ist von hohen Gebäuden gesäumt, und im Hintergrund sind Ampeln zu sehen.

Foto: © Maxie Reynolds

• Als Maxie Reynolds die Idee zu jener Firma kommt, die gleich zwei Probleme des KI-Zeitalters löst, steht sie mitten in der Scheiße. Und zwar nicht sprichwörtlich. Sie ist damals 32 Jahre alt und soll in ein Rechenzentrum einbrechen, in dem das US-Militär seine Daten speichert – entsprechend streng ist die Tür. Schwere Jungs mit noch schwereren Waffen, verspiegelten Sonnenbrillen und Adleraugen, meterhohe Mauern mit Überwachungskameras und Nato-Stacheldraht. Ins Gebäude geht’s nur per Man-Trap, per Menschenfalle: Jede Tür führt in eine Schleuse, die sich erst wieder öffnet, wenn die Identität des Geschleusten mit biometrischen Scannern geklärt ist. In dieses Datengefängnis sollen Reynolds und ihr Team einbrechen. Im Auftrag des Betreibers, der die Sicherheit der Anlage testen will. Die Belegschaft sowie die Guards wissen nichts von dem Besuch. Entsprechend heikel ist die Mission.

Die Firma will sichergehen, dass ihr Schatz sicher ist. Reynolds und ihr Team wissen, dass er das nie ist. Die Route durch den Haupteingang schließen sie schnell aus. Keiner will im Stacheldraht oder der Menschenschleuse hängen bleiben. Also besorgen sie sich bei der Kommune die Abwasserpläne der Gegend. Dort finden sie einen Kanal, der so unappetitlich ist, dass wohl niemand auf die Idee kam, ihn zu sichern. Und so steigt Maxie Reynolds, weil sie die Kleinste im Team ist, in die Kanalisation und watet drauflos. Über ihr eines der am besten gesicherten Datenzentren der USA, um sie herum die Ausscheidungen von einigen Hundert Rechenzentrumsmitarbeiterinnen und Rechenzentrumsmitarbeitern.

Es ist der olfaktorische Tiefpunkt ihrer Karriere und zugleich jener Gipfel der Erkenntnis, an dem plötzlich alles einen Sinn ergibt. In dem Abwasserkanal fügen sich die vielen, scheinbar unzusammenhängenden Windungen ihres labyrinthischen Lebenswegs zu einem kohärenten Bild. Der Schulabbruch, die Ölplattform, die Filmkarriere, das Hacken, die Einbrüche. Statt durch stringente berufliche Spezialisierung auf Sicherheit zu setzen, verfolgt Reynolds ein anderes Modell: Erfahrung ist für sie keine statische Sammlung, sondern die Summe eigenständiger Einheiten, die je nach Systemanforderung neu gekoppelt werden.

Als sie unbemerkt, aber nicht unbeschmutzt im Rechenzentrum aus dem Gully kriecht, denkt sie sich: „Wenn ihr eure Daten wirklich schützen wollt, dann parkt sie doch unter Wasser!“ Eine Woche später ruft sie ihren ehemaligen Chef auf der Bohrinsel an, einen Monat später gründet sie die Firma Subsea Cloud, deren Chefin sie heute ist. Seit September 2021 baut Reynolds schier uneinnehmbare Rechenzentren unter Wasser.


„Wenn ihr eure Daten wirklich schützen wollt, dann parkt sie doch unter Wasser!“

Das Bild ist ein Screenshot eines Social-Media-Beitrags von Maxie Reynolds, der ein Boot auf dem Meer zeigt, über dem ein Regenbogen am Himmel zu sehen ist. Der Beitrag enthält die Bildunterschrift: „Heute ist (vorerst) der letzte Tag, an dem die ‚Subsea Clouds‘ auf See Tests durchführt. Wir sind wieder begeistert von... mehr.“

Foto: © Maxie Reynolds

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