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Architektur

Was mit modularer Bauweise geht. Und was nicht.



Das Bild ist eine Schwarz-Weiß-Fotografie eines markanten Gebäudes mit einzigartiger architektonischer Gestaltung. Das Gebäude besteht aus zahlreichen übereinander gestapelten Würfeln, die eine visuell faszinierende Struktur bilden.
Das Bild zeigt ein einzigartiges architektonisches Bauwerk, das aus zahlreichen übereinander gestapelten weißen Würfeln mit runden Fenstern besteht und ein visuell beeindruckendes und komplexes Design bildet. Die Würfel sind so angeordnet, dass sie den Eindruck erwecken, Teil eines größeren Gebäudes oder Bauwerks zu sein.

Galt als Vision: Wohnen in Kapseln

• Als der Nakagin Capsule Tower in Tokio im Jahr 2022 abgerissen wurde, starb damit eine der größten Utopien des 20. Jahrhunderts. Ende der Fünfzigerjahre hatte die japanische Architektur-Avantgarde vom modularen Leben geträumt. Inspiriert von der Idee der organischen Wechselwirkungen und des biologischen Wachstums durch Zellen stellte sie sich eine Stadt vor, die sich anpassen und entwickeln könne wie ein Lebewesen. Dafür entwarf sie gigantische Betonskelette, an denen mobile Wohnkapseln angedockt werden sollten. Diese komplett ausgestatteten Module sollten in Fabriken in Serie produziert und mit Hubschraubern zu ihrem Platz an den himmelhohen Betonbauten gebracht werden.

Design und Idee des autarken Lebens spiegelten die Begeisterung der Visionäre für ein Leben im Weltraum. Der Name dieser Architekturschule: Metabolismus, also Stoffwechsel.

Doch der im Jahr 1972 in dem Shopping-Bezirk Ginza errichtete Capsule Tower von Kisho Kurokawa wurden zwar zu einer Architekturikone, blieb allerdings der Einzige seiner Art.

Das Bild zeigt die Große Pyramide von Gizeh, ein altägyptisches Monument, das sich vor einem klaren blauen Himmel mit vereinzelten Wolken abhebt.

Vorbilder der seriellen Vorfertigung: die Pyramiden von Gizeh.

Foto: © picture alliance / NurPhoto

Das Bild ist eine Schwarz-Weiß-Fotografie eines Bauhaus-Gebäudes, eines herausragenden Beispiels für die Architektur der Moderne. Das Gebäude steht an einer Straßenecke, vor ihm ist ein Lastwagen geparkt. Im Vordergrund stehen mehrere Personen auf dem Bürgersteig, im Hintergrund sind einige Bäume zu sehen.

Am Bauhaus hielt man das Fabrikhaus für die Zukunft der Architektur

Foto: © picture alliance/ZB

Die Neugeburt der Idee

Die Gründe für das Scheitern des Prinzips erzählt vielleicht nichts so schön wie der fest installierte Aschenbecher neben dem Klo. Die Idee maximaler Flexibilität war in Wirklichkeit maximal unflexibel gegenüber sozialen und kulturellen, aber auch technischen Veränderungen. Der Austausch einzelner Komponenten in den Raumzellen war nicht vorgesehen, die von den Visionären geplante Reise der Wohnzellen zu anderen Standorten viel zu aufwendig. Zudem versagten im Capsule Tower in späteren Jahren sowohl Strom- als auch Wasserversorgung, und eine energetische Verbesserung der Boxen war ausgeschlossen.

Nur vier Jahre nach dem symbolträchtigen Abriss des japanischen Pioniers der Modulbauweise gilt diese in Deutschland wieder als Hoffnungsträger. Fachleute und Regierungspolitikerinnen wie Verena Hubertz klingen fast so euphorisch wie die Metabolisten in ihren Kapsel-Manifesten. „Ich sehe im seriellen und modularen Bauen ein riesiges Potenzial, um schneller und vor allem preiswerter zu bauen“, sagte die Bundesbauministerin im vergangenen Jahr den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, durchaus im Konsens mit den Verantwortlichen ihrer Vorgängerregierung. Die hatte 2023 an der Bundesstiftung Bauakademie einen „Runden Tisch zum seriellen, modularen und systemischen Bauen“ gegründet. Ziel: in gemeinsamer Kraftanstrengung mit der Bauwirtschaft, mit Behörden und Verbänden eine Revolution für bezahlbaren Wohnungsbau anzustoßen.

Die historischen Vorbilder des seriellen und modularen Bauens erschöpfen sich nicht in den futuristischen Wohnkapseln in Tokio. Denn man kann die ägyptischen Pyramiden als erstes Bauwerk betrachten, dessen Elemente seriell vorgefertigt und am Bestimmungsort zusammengesetzt wurden. Die Addition gleicher Teile zum schnellen Siedlungsbau prägte dann auch das Römische Reich. Im Zuge ihrer zielstrebigen Angriffskriege verbreiteten die alten Römer ein Bausystem für Forts, Wohnhäuser und für Aquädukte mit genormten Einzelteilen.

Das erste Fertighaus entwarf Leonardo da Vinci 1494 aus Holzmodulen, die Casa Mutabile. Und überall dort, wo schnell Wohnungen geschaffen werden mussten, war das Haus zum Zusammenstecken die erste Wahl: sei es nach dem Erdbeben von Lissabon 1755, beim Goldrausch in den USA oder in den Ankunftsquartieren von Siedlern in Australien.

Die Direktoren des Bauhaus in Weimar und Dessau prognostizierten vor 100 Jahren sogar generell das Ende des Bauhandwerks und den Siegeszug der industriellen Vorfertigung. Seitdem ist die Idee einer billig und schnell auf der Baustelle zu konstruierenden Wohnanlage fester Bestandteil moderner Architekturtheorien. In der Praxis stört allerdings die wahrgenommene Monotonie die Euphorie. Und darum blieb in Deutschland seit dem Krieg die einzige wirklich massenhaft umgesetzte Version von Modulbau gegen die Wohnungsknappheit die Platte, vor allem in der DDR.

Diese „Arbeiterschließfächer“ sind der Grund, warum jede Lobpreisung des Modulbaus heute um den Satz ergänzt wird, sie sei „mehr als nur Plattenbau 2.0“.

Das Bild zeigt ein großes, mehrstöckiges Gebäude mit einem gitterartigen Fensterraster. Das Gebäude scheint ein Wohn- oder Geschäftsgebäude zu sein und ist in Blau- und Weißtönen gehalten.

Allzweckwaffe gegen Wohnungsnot in der DDR: die Platte

Foto: © picture alliance/SZ Photo 

Vom Konzept in die Praxis

Während die Bundespolitik und ihre Stiftung seit der Einrichtung des Runden Tisches vor allem Papier produziert, denken ambitionierte Architekturbüros und Bauherren sehr konkret und kreativ über Lösungen nach, wie der Modulbau helfen kann, die aktuelle Wohnungsnot zu bewältigen. Und so sind überall im Land in den vergangenen Jahren interessante Prototypen entstanden.

Um zu verstehen, was dank Modulbauweise geht, ist es zunächst nötig, zwei Formen der seriellen Vorfertigung zu unterscheiden: Raumzellen- und Fertigteilbauweise. Erstere hievt in der Fabrik hergestellte Wohneinheiten mit dem Kran übereinander auf eine Betonplatte, wo sie nur noch an die Versorgungsleitungen angestöpselt werden. Die zweite produziert einzelne Elemente in Serie, die auf der Baustelle zu gleichen Einheiten zusammengefügt werden.

Das Raumzellenprinzip erlebte in der Zeit, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, eine Renaissance. Zahlreiche Entwürfe von Architektinnen und Architekten machten aus der Kombination billiger Schiffscontainer temporäre Wohnanlagen – verdienstvolle Konzepte, die allerdings selten die traurige Praxis dieser Unterbringungsform verschleiern konnten. Außerdem setzt die Straßenverkehrsordnung diesem Konzept Grenzen. Für alles, was breiter als 3,50 Meter ist, braucht es einen Sondertransport, der nur nachts und mit Straßensperrungen möglich ist. Damit verursacht der Weg der fertigen Wohneinheit von der Fabrik zum Bauplatz Kosten, die alle Versprechungen vom billigen Modulbau zunichtemachen.

Trotzdem entwickelte sich die Kapselidee weiter, und zwar in Form von Mikroapartments. Seit der Nachkriegszeit steigt die Wohnfläche pro Kopf in den vergangenen Jahrzehnten rasant. 1991 lebte jeder Mensch in Deutschland im Schnitt auf 35 Quadratmetern, heute auf 49. Und die ungebrochene Konjunktur der Singlehaushalte, die im Durchschnitt 73 Quadratmeter für sich haben, verstärkt den Trend zu immer größeren Wohnungen im Neubau. Die 68 Module, die etwa das Büro Liebel Architekten im fränkischen Dinkelsbühl konzipiert hat, sind dagegen nur 43 Quadratmeter groß.

Tatsächlich wirkt Liebels Konzept, das von einem Bauherrn angestoßen wurde, zunächst wie eine Reanimation metabolistischer Träume. Die vorfabrizierten Standardelemente, die innerhalb von drei Wochen im Zentrum einer Siedlung miteinander zu einem Haus verbunden wurden, waren „bei der Ankunft in Dinkelsbühl bereits bis zur Leuchte am Schreibtisch und den Terrassenstühlen eingerichtet“, wie das Büro stolz verkündet. Doch anders als bei der irdischen Raumschiffkapsel in Tokio leitet sich das Konzept von Bernd Liebel nicht von utopischen Fantasien ab, sondern von praktischer Vernunft.

Cube 68, wie die Wohnanlage heißt, bleibt auf dem Boden mit nur vier Geschossen, hat einen Gemeinschaftshof und sozial verbindende Flächen wie Laubengänge. Einzelne Module wurden zu größeren Wohnungen zusammengelegt, ein Modul beherbergt sogar eine Sauna für alle. Darüber hinaus sieht die fertige Anlage weit weniger eintönig aus als die gemeine Neubausiedlung am Stadtrand. „Modulbau“, so sagt es auch Liebel, „darf nicht zu einer monotonen Gestaltung à la Plattenbau der Sechzigerjahre führen, da sich sonst keine langfristige Akzeptanz des Konzeptes einstellen wird.“

Und zudem sorgt sich das detailreiche Ensemble um die Zukunft der Welt: Die hellen Raummodule sind aus Holz, das mittlerweile in den meisten Projekten des systemischen Bauens als ökologischer Rohstoff verwendet wird. *

Das gilt auch für jene Form der Modulbauweise, bei der man nicht ganze Wohncontainer mit dem Kran vom Laster holt, sondern bei der die einzelnen Komponenten seriell vorgefertigt und zusammengesteckt werden. Dieses Puzzle mit den Fertigteilen ist das vielversprechendere System.

Das Bild zeigt ein modernes, mehrstöckiges Gebäude mit einer Holzfassade und Balkonen auf jeder Etage. Das Gebäude besticht durch ein minimalistisches Design mit großen Fenstern und Glastüren.

Modulbau muss nicht eintönig sein: die Wohnanlage Cube 68

Foto: © Brigida González

Das Bild zeigt einen modernen, offen gestalteten Küchen- und Wohnbereich mit einem klaren, minimalistischen Design. Die Küche besticht durch eine elegante schwarze Arbeitsplatte und Schränke, während der Wohnbereich über ein großes Fenster verfügt, das für reichlich Tageslicht sorgt. Der Raum ist hell und geräumig und wirkt klar und aufgeräumt.

Blick ins Innere eines Mikroapartments der Anlage

Foto: © Brigida González

Das Bild zeigt ein modernes, mehrstöckiges Gebäude mit einer einzigartigen architektonischen Gestaltung, die sich durch eine gitterartige Struktur aus weißen Säulen und Balken auszeichnet. Das Gebäude steht an einer Straßenecke, im Hintergrund sind Bäume und ein Bürgersteig zu sehen.

In diesem Holzmodulbau entstehen günstige Wohnungen

Foto: © Brigida González

Von der DDR lernen

Florian Kaiser vom Stuttgarter Atelier Kaiser Shen, der bei Böblingen ein ursprünglich als Flüchtlingsheim gedachtes Holzmodulprojekt zu günstigen Wohnungen umgeplant hat, hat die unterschiedlichen Ansätze analysiert. Er sagt: „Beide Bauweisen sind extrem schnell, die Raummodulbauweise jedoch bei 99 Prozent der Bauaufgaben teurer als der klassische modulare Ansatz.“ Bei allen Kapselmodellen würden die Seitenwände „unnötigerweise doppelt gebaut“.

Noch wichtiger sind die Lieferkosten, selbst wenn die schlüsselfertigen Wohncontainer auf einen normalen Lkw passen. Da werde „überwiegend Luft in den hohlen Raummodulen“ bewegt, sagt Kaiser. Serielle Fertigbauteile werden dagegen kompakt verpackt transportiert, sodass aus einer Wagenladung sehr viel mehr Gebäude entstehen kann. Dieses effektive System hatte die DDR für ihre 2,1 Millionen Neubauwohnungen im sogenannten Vollkomfort (Fernwärme, zentrales Warmwasser, eigenes Bad und WC) perfektioniert.

Und genau zwischen solchen Schreckgespenstern des Schemabaus, im Plattenbauviertel Berlin-Marzahn, steht nun ein Vorzeigeexemplar moderner Serienproduktion. Die Wohnanlage von FAR Architekten mit 124 Einheiten besteht aus 1.664 Betonfertigteilen, die auf der Baustelle zusammenmontiert wurden. Dank der seriellen Fertigung wurde ein sensationell niedriger Baupreis von 1.755 Euro pro Quadratmeter (statt 3.000 Euro und mehr im Normalverfahren) erreicht.

Zur Werbung für das Prinzip taugt diese innovative Variante jedoch vor allem der Optik wegen. Die Doppelscheibe mit ihren elegant sich kräuselnden Balkonwellen über einem roten Innenhof sieht so attraktiv aus, dass das Ensemble sogar den Titel eines Prospekts der Bundesstiftung Bauakademie ziert – obwohl es mit dem zentralen Anliegen des Runden Tisches eigentlich nicht d’accord geht. Trotz des niedrigen Baupreises ist die Quadratmetermiete von 22 Euro – unter anderem wegen der Gewinnerwartung der Investoren – rund doppelt so hoch wie das, was in Berlin als günstig gilt, und Beton hat dazu noch eine sehr schlechte Klimabilanz.

Das Vorbildhafte tut sich also weiterhin schwer mit dem Ziel des schnellen, billigen, ökologischen und auch optisch attraktiven Bauens. Der Enthusiasmus für das Baukastenprinzip ist allerdings ungebrochen. Nicht nur Wohnungen, sondern auch Schulen, Kindergärten und andere soziale Einrichtungen werden in Modulen errichtet.

Das Münchener Büro Hild und K etwa, das bereits in verschiedenen Projekten die Vorteile des Lego-Prinzips erkundet hat, entwarf 2024 ein Obdachlosenzentrum in Schwabing mit 730 Schlafplätzen. Dies begegne dem „notwendigen Übel der Repetition als Folge der Verwendung von Modulen“, künstlerisch, wie Architekt Matthias Haber sagt. Die sich wiederholenden Muster seien „ästhetisch zum Ornament überhöht“ worden, zum Beispiel mit Bordüren und starken Farben. Die „Heimat auf Zeit“ für Menschen in Notlagen erhalte so eine architektonische Ausstrahlung.

Das Bild zeigt ein modernes, mehrstöckiges Gebäude mit weißer Fassade und einer Reihe von Fenstern. Das Gebäude besticht durch seine einzigartige architektonische Gestaltung, zu der eine Reihe von Treppen gehört, die in die oberen Stockwerke führen. Das Gebäude ist von Bäumen umgeben, was eine natürliche und ruhige Atmosphäre schafft.

Modularer Bau von heute: eine Wohnanlage in Berlin-Marzahn.

Foto: © David Hiepler

Das Bild zeigt eine Luftaufnahme eines Gebäudes mit einer markanten architektonischen Gestaltung, die sich durch eine Reihe von Bogenkonstruktionen in Rot-Weiß-Farben auszeichnet. Das Gebäude ist von Grünflächen umgeben, darunter Bäume und Sträucher, wodurch eine harmonische Verbindung von Architektur und Natur entsteht.

Blick von oben in den Innenhof der Anlage

Foto: © David Hiepler

Das Bild zeigt ein auffälliges rotes Gebäude mit einer einzigartigen architektonischen Gestaltung, das sich durch drei runde Fenster im zweiten Stock auszeichnet. Das Gebäude befindet sich in einer höfartigen Umgebung, mit einer Kiesfläche und einem kleinen Garten im Vordergrund. Der Himmel darüber ist strahlend blau .

Eine Obdachlosenunterkunft in Schwabing

Foto: © Florian Holzherr

Leise Baustellen

Auch im Gewerbesegment finden sich erste Paradebeispiele für eine ressourcenschonende und ästhetische Modulbauweise. Das Zero in Stuttgart, das vom Architekturbüro Riehle Koeth zur eigenen Nutzung gebaut wurde, soll als Prototyp einer Bauweise dienen, die alle Vorteile des Fließbandhauses nutzt. „Durch die Verlagerung vieler Fertigungsprozesse ins Werk konnte die Bauzeit im Vergleich zu konventionellen Bauweisen signifikant verkürzt werden“, sagt Maximilian Köth. Das habe zwei positive Nebeneffekte: weniger Müll und weniger Lärm beim Bau. „Darüber hinaus erlaubt ein komplett witterungsunabhängiges Arbeiten im Werk eine höhere Präzision und Ausführungsqualität.“

Was allerdings alle befragten Architekten auf die eine oder andere Weise verneinen müssen, ist die Annahme der Bundesbauministerin, der größte Vorteil der Modulbauweise liege im Preis. Gut für die Kasse sind die meisten Projekte nur wegen des Tempos: Was schneller fertig ist, kann schneller vermietet werden. Dafür dauert die Planung beim Modulbau länger und ist unflexibel. Die Architektin Jana Richter, die zuletzt ein großes Sozialwohnungsprojekt in Berlin realisiert hat, sagt: „Modulbau ist nicht änderungsrobust. Späte Korrekturen, ob durch Auftraggeber, Bauamt oder Hersteller, stören die Planung und die Ausführung massiv.“

Das Bild zeigt einen Innenraum im Bau, dessen Decke und Wände aus Holzbalken und -paneelen bestehen. Im gesamten Bereich liegen mehrere Holzplanken und -bretter verstreut, was auf laufende Arbeiten hindeutet.

Foto: © Markus Guhl

Das Bild zeigt eine Baustelle, auf der ein großer Kran eine Holzkonstruktion über ein teilweise fertiggestelltes Gebäude hebt. Die Szene spielt vor einem bewölkten Himmel, und auf der Baustelle sind mehrere Personen zu sehen,

Ein modulares Architektenbüro in Stuttgart.

Foto: © Markus Guhl

Dass Modulbau oft nicht so billig ist wie erhofft, erklärt Maximilian Köth so: „Leider ist der politisch kommunizierte Wille zur Unterstützung innovativer Holzbauten nicht deckungsgleich mit der Planungs- und Genehmigungsrealität.“ Der Wahnsinn in Form von 16 unterschiedlichen Landesbauordnungen in den 16 Bundesländern macht innovatives und effektives Planen schier unmöglich. Und das ist noch nicht alles.

Marc Frohn, der Architekt des Wohnungspuzzles in Marzahn, zieht folgendermaßen Bilanz: „Ich glaube, dass das serielle Bauen zur zügigen Schaffung dringend benötigten bezahlbaren Wohnraums einen wichtigen Beitrag leisten kann. Die Wohnungskrise lässt sich aber nicht allein mit architektonischen Mitteln lösen. Zur Wahrheit gehören ausufernde Genehmigungsverfahren, überhöhte Baustandards, ein stetiges Ansteigen der Pro-Kopf-Wohnfläche und hohe Grundstückskosten.“ Und nicht zu vergessen die Gewinnabsichten von Projektentwicklern, wie im Fall seines Projektes.

Um die Wohnungskrise zu bewältigen, sind aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner in der Pflicht. Der Architekt Florian Nagler, der Modelle preiswerten Wohnraums in Deutschland erforscht, sieht die Wurzel des Problems in einer an Wohlstand und Wachstum gewöhnten Gesellschaft. Kostensenkung, so Nagler, „ist keine Frage des Modulbaus, sondern eine Frage unserer Ansprüche! Wenn diese weiter extrem hoch bleiben, bleibt auch das Bauen grundsätzlich teuer.“

Gelebte Anspruchslosigkeit ist im Kapitalismus aber nur etwas für ausgesuchte Individualisten. Die Wohnzellen des Tokioter Capsule Towers waren beispiels-weise nur zehn Quadratmeter groß, inklusive Bad, Bett, Schreibtisch, Tonbandgerät und Aschenbecher. Statt japanischer Geschäftsleute, die man ursprünglich als Bewohner gewinnen wollte, bezogen Künstlerinnen und Künstler, Architekturfans und Hikikomori (Menschen, die sozial isoliert leben) die Kapseln. Für sie, die dem Turm nachtrauern, verwahrt das Museum of Modern Art in New York nun die letzte Wohnzelle A1305 aus dem 13. Stock.

Das Exponat zeigt: Bezahlbarer Wohnungsbau braucht mehr als innovative Architekturkonzepte. Sonst ist die kleine Utopie vom schnellen, billigen und schönen Modulwohnungsbau schnell wieder museumsreif. ---

* Lesen Sie dazu auch unseren Artikel „Die Materialfrage“ über den klimaschonenden Baustoff Holz in der Ausgabe 05/2024 mit dem Schwerpunkt Rohstoffe.

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