Peter Steinberger – OpenAI
Herr der Agenten
Der österreichische Softwareentwickler Peter Steinberger hat vorgemacht, wie aus einem Sprachmodell ein selbstständiger Akteur wird. Seitdem ist er ein Star und arbeitet beim US-Giganten OpenAI daran, KI-Agenten leistungsfähiger zu machen. Wie weit ist er – wie weit seine Konkurrenz?
• Fragt man Peter Steinberger, was seine Agenten eigentlich alles für ihn erledigen, entgegnet er: „Die Frage ist eher: Was machen meine Agenten nicht für mich?“
Er sagt das ohne Angeberei – so, als hätte man ihn gefragt, wozu er Strom benutzt.
Steinberger sitzt im schmucklosen Konferenzraum seines Arbeitgebers OpenAI in San Francisco, kurz vor Mittag seiner Zeit. Während wir im Videocall miteinander reden, arbeiten im Hintergrund seine künstlich intelligenten Helfer für ihn weiter. Unter ihnen befinden sich ein Agent fürs Private und einer für die Arbeit. „Mein Innie und mein Outie“, so Steinberger.
Der private Agent spielt am liebsten DJ, empfiehlt neue Science-Fiction-Filme und kümmert sich um die Wohnungssuche. Eine Bleibe hat Steinberger in seiner neuen kalifornischen Heimat noch immer nicht gefunden. Zu viel zu tun. Also kreiert Innie aus den Besichtigungsvideos 3D-Modelle von den Wohnungen, die infrage kommen, „damit ich probeweise schon einmal meine Möbel reinstellen kann“.
Erfunden hat Steinberger solche Agenten nicht. Es gab sie längst – aber nur in kontrollierten Umgebungen, bedienbar vor allem für Programmierer. Bis Steinberger seinen Agenten mit dem verband, was nahezu jeder nutzt – Whatsapp, Slack, Telegram –, und ihm Zugriff auf den ganzen Rechner, das Internet gab. Plötzlich konnte man einer KI Aufträge erteilen wie einem Assistenten. Und die KI erledigte das. Da begann der Hype.
Jensen Huang, Chef des US-Chipentwicklers Nvidia, feierte Peter Steinbergers Erfindung als „das erfolgreichste Open-Source-Projekt in der Geschichte der Menschheit“. Sam Altman, der Mann an der Spitze von OpenAI, nannte ihn ein Genie – und holte ihn im Februar zu sich ins Unternehmen.
Es ist der bisherige Höhepunkt einer Geschichte, die mit Steinbergers knurrendem Magen begann. Ein Abend im November 2025, Steinberger kocht. Im Nebenzimmer arbeitet ein Programmieragent an einer Software, bis der Helfer plötzlich innehält: Er hat eine Rückfrage. Und weil Steinberger am Herd steht, wartet die Maschine fast eine halbe Stunde. Eine Software, trainiert mit dem Wissen der Menschheit – blockiert von einem Mann, der sich Essen macht.
Steinberger findet das absurd und baut noch am selben Abend eine Brücke: ein kleines Programm, das den Agenten mit seinem Handy verbindet. Von da an kann er ihm schreiben, egal, wo er ist. Außerdem bekommt der Agent vollen Computerzugriff. Der Anfang von Openclaw – „the AI that actually does things“. Ihr Symbol: ein roter Hummer.
Was er losgetreten hat, erlebt Steinberger zuerst im Urlaub. Er nimmt seinen frisch verdrahteten Agenten mit nach Marrakesch, lässt ihn Restaurants suchen, navigieren, übersetzen. Irgendwann schickt er ihm, wie einem Freund, eine Sprachnachricht – obwohl er eine Sprachfunktion nie eingebaut hat. Der Agent antwortet trotzdem. Steinberger: „Ich stand da und fragte: Wie hast du das gemacht?“ Der Agent antwortet laut Steinberger: „The mad lad figured it out on its own.“ Der Verrückte hat es allein herausgefunden. Die Datei mit der Sprachnachricht von Steinberger kam ohne Endung, also inspizierte der Agent sie. Seltsames Audioformat, also konvertierte er. Kein Übersetzungsprogramm, also besorgte er sich einen Zugang und schickte alles an einen Server. Das alles in neun Sekunden. Nichts davon hatte Steinberger programmiert. „Chatbots geben auf“, sagt er. „Agenten improvisieren.“
Steinberger hätte daraus ein Produkt machen können, eine Firma, ein Abomodell. Stattdessen stellt er Openclaw kostenlos ins Netz, quelloffen – jeder durfte es haben, jeder durfte daran weiterarbeiten. Binnen Tagen wuchs der Hummer schneller als jedes Open-Source-Projekt zuvor.
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