Neo-Ludditen
Mit der KI kehrt auch der Widerstand gegen technischen Fortschritt zurück – für Europa muss das kein Nachteil sein.
Ein Luddit fragt: ‚Was sind die Konsequenzen dieser Technik? Wie wird sie die Gesellschaft beeinflussen?Brian Merchant, Autor von „Blood in the Machine“ (2023)
Neo-Ludditen & Neo-Saboteure
Großbritannien um das Jahr 1811. Napoleonische Kriege, Kontinentalsperre sowie ein USA-Embargo im Handel. Dazu kamen Missernten mit horrenden Lebensmittelpreisen und Hungersnöten. In genau dieser sozioökonomischen Krise begann mit der Einführung mechanischer Webstühle ein Protest der Handweber, die ihre Existenzgrundlage vernichtet sahen.
Sie nannten sich Ludditen, Anhänger des fiktiven Rebellen Ned Ludd – eines jungen Webergesellen aus Leicestershire, der der Legende nach in einem Wutanfall zwei Strickrahmen zerschlagen haben soll. Drohbriefe an Fabrikbesitzer wurden im Namen von „Ned Ludd aus dem Sherwood Forest“ unterzeichnet – in Anlehnung an die Robin-Hood-Folklore als Kampf gegen illegitime Macht und Ausbeutung der Maschinen.
Auch Frankreich hatte seine eingängige Protestform: Der Erzählung nach wurde der Holzschuh, im Französischen „sabot“ genannt, in Mäh- und Dreschmaschinen geworfen.
Aktuell sehen wir Anzeichen eines ähnlichen Konflikts im neuen Maschinenzeitalter: Der Protest kommt nicht mehr von den Feldern und Fabriken, sondern aus der Forschung, den Universitäten, aus der Kommunalpolitik und der Zivilgesellschaft, er richtet sich gegen die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Konsequenzen von künstlicher Intelligenz. Wieder ist es kein Kampf gegen schlechte Technik, sondern für eine andere Verteilungs-, Bildungs-, Informations-, Beteiligungs- und Ressourcenpolitik. Der Londoner Humangeograf Thomas Dekeyser hat im Frühjahr ein anregendes Buch über die Gründe für Technikverweigerung vorgelegt.
Die Neo-Ludditen, die Maschinenstürmer von heute, kommen – mit Wucht und mit komplexerer Motivationslage.
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Er ist Teil unserer Ausgabe KI