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Sprechstunde

08 – Schattenboxen

Ein Austausch zwischen den langjährigen Kollegen Wolf Lotter (Autor) und Gabriele Fischer (Chefredakteurin) über den Fortschritt und was ihn behindert.

Nachfolge ist eines der emotionalsten Themen im Unternehmen. Für alle Beteiligten.



Das Bild ist ein Schwarz-Weiß-Porträt einer Frau mit dunklem Haar und einem warmen Lächeln. Sie trägt ein Hemd mit Kragen und blickt direkt in die Kamera.
Das Bild ist ein Schwarz-Weiß-Porträt eines Mannes mit Brille und ernstem Gesichtsausdruck. Das Porträt ist im Hochformat gehalten, und der Mann ist die zentrale Figur im Bild.

Fotovorlagen für die Zeichnungen: © André Hemstedt & Tine Reimer; © Katharina Lotter, 2021

Wolf Lotter: „Es kommt selten was Besseres nach“, sagt der Volksmund. Hat er recht?

Gabriele Fischer: Es gibt genug Beispiele, die das widerlegen. Aber die Nachfolger können selten so weitermachen wie ihre oft hochdekorierten Vorgänger – und das wird ihnen übel genommen. Nimm Viessmann. Maximilian Viessmann, der Nachfolger in der vierten Generation, gründete erst ein Innovationsnetzwerk; wenig später verkaufte er dann mit der Heiztechnik das Kerngeschäft und musste sich dafür einiges anhören.

Inzwischen ist klar, dass Maximilian Viessmann mit dem sogenannten Maschinenraum in Berlin einen Ort geschaffen hat, der mittelständische Unternehmen verbindet und bei deren Entwicklung hilft. Und er hat mit dem Kapital aus dem Verkauf gezielt Firmen übernommen, die für die Energiewende eine große Rolle spielen. Der Nachfolger hat das Unternehmen agiler und unabhängiger gemacht.

Wolf: Das ist der Idealfall. Aber warum tun sich viele so schwer mit der nächsten Generation, nicht nur in Unternehmen? Die Verhaltensforschung sagt uns: Es ist eine evolutionäre Konstante, dass wir unsere eigenen Nachkommen bevorzugen. Unabhängig von deren Eignung. Ich kenne aber auch einen extrem erfolgreichen Unternehmer, der aus einem Mittelständler einen Weltmarktführer gemacht hat. Und der sagte immer: „Ich weiß nicht, ob ich meine Kinder ins Geschäft holen soll. Irgendwie können die das nicht.“ Nach einigen Jahren waren die Kinder da. Und seine Befürchtungen Realität.

Gabriele: Ein Gegenbeispiel ist Fritz Hahne, einst Chef des Büromöbelherstellers Wilkhahn, der mir einmal erklärte: „Ich habe dieses Unternehmen nicht für meine Kinder gebaut, sondern für die Mitarbeiter und die Umwelt.“ Ursprünglich wollte er externe Manager als Nachfolger, musste aber nach mehreren Fehlversuchen feststellen, dass er denen seine Philosophie nicht beibringen konnte. Sein Sohn hat sie verstanden und die Firma in diesem Sinne weiterentwickelt.

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