KI-Start-Ups
Maschinenintelligenz für den Maschinenbau
Es gibt sie – florierende deutsche KI-Start-Ups. Und sie tun das, was Unternehmen hierzulande schon immer am besten konnten: die perfekte Lösung für bestimmte Nischen bauen.
• Seit sich das Heidelberger Unternehmen Aleph Alpha im August 2024 vom Markt der KI-Chatbots zurückgezogen hat, macht eine Erzählung die Runde: Deutschland sei bei künstlicher Intelligenz abgehängt, die Konkurrenz aus den USA und China einfach übermächtig. Dabei gibt es sie, die deutschen KI-Unternehmen. Oft sind sie auf Nischen spezialisiert, vielfach arbeiten sie mit und für die Industrie. Solche Business-to-Business-Anwendungen haben gegenüber den großen Sprachmodellen wie ChatGPT oder Claude einen entscheidenden Vorteil: Die Geschäftsmodelle funktionieren.
Fünf KI-Hoffnungsträger aus Deutschland.
Black Forest Labs:
macht aus Texten Bilder und Videos
Text: Silvia Kücken
Abbildung: © Black Forest Labs
KI-Bilder und -Videos sehen immer realistischer aus, das Internet ist voll von Vergleichen der großen Bildgeneratoren, von denen mal der eine, mal der andere besser abschneidet. Ganz vorne mit dabei sind immer wieder die Flux-Modelle des deutschen Start-ups Black Forest Labs (BFL). Im Jahr 2024 gegründet von Andreas Blattmann, Robin Rombach und Axel Sauer, alle Anfang 30, war die KI-Firma bereits anderthalb Jahre später, im Dezember 2025, zum Einhorn geworden, mit einer Firmenbewertung von mehr als einer Milliarde Euro. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde sammelten die Gründer rund 300 Millionen Euro von Investoren wie Nvidia und Telekom ein. Aktueller Wert: 3,25 Milliarden Euro und damit Deutschlands wertvollstes Start-up. Techriesen wie Adobe, X und Meta haben das Modell in ihre Plattformen integriert. Außerdem konnte das junge Unternehmen aus Freiburg den Hollywoodregisseur Martin Scorsese für eine Partnerschaft gewinnen. Er nutzt die KI für ein Film-Storyboard, sie übersetzt sein Drehbuch in erste Bilder und Videos für eine Rohfassung.
Das Flux-Modell funktioniert wie andere bild- und videoerzeugende KI. Man schreibt, was man sehen will, und aus den Worten entsteht dann ein Bild oder ein Video. Black Forest Labs verspricht besonders präzise Ergebnisse. Die KI soll weniger halluzinieren und Befehle besser umsetzen als amerikanische Konkurrenten wie Dall-e oder Midjourney. „Wir sind kosteneffizienter und rechenleistungssparender als viele unserer Mitbewerber“, erklärt Mitgründer und Geschäftsführer Robin Rombach.
Das neueste Modell Flux 3 soll sogar lernen können, wie die geprompteten Objekte zusammenhängen, wie sich Dinge bewegen und klingen. „Dadurch kann das Modell eine Darstellung der Welt erlernen“, so Rombach. Black Forest Labs will die Technik in der Robotik nutzen. Schon vor der Markteinführung hatte Automobilhersteller Audi gemeinsam mit dem Robotikunternehmen Mimic Robotics eine auf Flux 3 basierende KI getestet, unter anderem beim Sortieren und Montieren von Bauteilen. Auch Black Forest Labs ist also teilweise in der Industrienische aktiv.
Die Schwarzwälder sind in kurzer Zeit zum am schnellsten wachsenden KI-Unternehmen Europas geworden. Etwa 100 Beschäftigte arbeiten am Hauptsitz in Freiburg und einer Niederlassung in San Francisco. Während in Kalifornien das Thema Vertrieb im Vordergrund steht, finden Forschung und Produktentwicklung in Freiburg statt. Das ist der Firma wichtig, das Know-how soll in der Schwarzwaldregion bleiben. „Wir haben stets einen forschungsorientierten Ansatz verfolgt“, betont Rombach. Die Wurzeln liegen an der LMU München. Als Doktoranden erforschten Rombach und Blattmann dort gemeinsam die Grundlagen, die heute in ihrem KI-Modell stecken – und mit denen nun eine Hollywoodlegende ihre Ideen visualisiert.
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